Allerheiligen, Nieselwetter und das letzte Viertel
Allerheiligen wie ich es mag. Mein Gang nach draußen wurde durch ein ellenlanges Telefonat mit Eva soweit in den Nachmittag verschoben, dass ich keinen Drang mehr verspürte rauszugehen. Wir besprachen ausführlich einen Fragebogen des MDK, wegen Höherstufung des Pflegegrades für unsere Mutter. Wie fortgeschritten die Demenz ist wurde uns beim ankreuzen der Fragen klar. Heute kam der Vater von Sylvie mit dem Auto, um sie mit nach Tschechien zu nehmen. Eva telefonierte gerade mit Mama, die sagte sie muss sich anziehen. Sie kann den Vater doch nicht in Nachthemd und Bademantel begrüßen. Sylvie machte ein Foto und Eva sah, dass Mama komplett angezogen war. Oje! Den Vater von Sylvie findet Mama ganz toll. Da kommt die Frau durch, die leidenschaftlich gern geflirtet hat. Vielleicht sollten wir eine männliche 24Stundenkraft einstellen. 😊 Eine SZ Autorin beginnt das letzte Viertel ihres Lebens und schreibt einen Brief an Leute, für die das noch weit weg ist. 24 Millionen sind in Deutschland über 60 oder viel älter. Sie schreibt von Bedeutungsverlust, worüber Rentnerinnen reden, vom Ehrenamt nach der Berufstätigkeit, wozu sie aber null Bock hat. Auch wenn Henning Scherf findet:“ Was Beruf war, wird zum Ehrenamt…“ Sie schreibt von alternativen Wohnformen, Alters-WGs, Selbstbestimmung, Individualisierung und natürlich über Geld, wenn Interesse an einer dieser Wohnformen besteht. Sie schreibt von Pflegeheim, von der Bevormundung durch die Kinder und wie gut es einem doch im Heim geht. Sie zitiert eine alte Professorin, …der größte Verlust im Alter ist der Autonomieverlust, jeder hat ein Recht darauf, sich nicht trösten zu lassen…
Diese Lektüre klingt, als sei sie auch mir gerade wie auf den Leib geschneidert. Bitte aufheben! Der letzte Satz gefällt mir besonders! Das Flirten hat meine Mutter auch beibehalten und versucht, mit dem letzten verzweifelten Blitzen ihrer Augen, die oft tränten, Männer in Bann zu ziehen. Selbst in Filmen, in denen alte Menschen in Heimen vorkommen, ist das ein Dauerbrenner.
Vielleicht wollte deine Mutter für Sylvies Vater besonders schön angezogen sein. Sehr lustig, dass der Wunsch zu flirten und zu gefallen offensichtlich nicht von der Demenz betroffen ist.
Mir fällt die Mutter von Angela ein: Angie hatte die Mutter zu sich an den Niederrhein geholt, damit sie sich besser um sie kümmern kann. Bereits mit ihrer Alzheimererkrankung machte sie einem Mann im Pflegeheim schöne Augen. Von da an müssen die Beiden unzertrennlich gewesen sein. Eine sehr späte Verbindung