Fortbildung und Wohlstandsprobleme

  1. Heute wäre ja eigentlich mein freier Tag, aber ich habe mich für eine Fortbildung im Kinderzentrum angemeldet, zu der ich nach dem Yoga gleich eilen muss. Ich spüre jetzt schon, wie mir mein freier Tag fehlt. Im Moment finde ich das Arbeiten sehr kräftezehrend. Abends komme ich völlig erschöpft nach Hause. Früher war es meiner Erinnerung nach nicht so anstrengend. Das ständige Sprechen mit Maske ist ein Faktor. Aber ich bin auch nicht mehr so schnell und brauche zwischen den Patienten Pausen um die ganzen Schicksale zu verarbeiten. Gestern war eine 25jährige Mutter bei mir, die bereits 5 Kinder geboren hat. Drei Kinder hat sie in Somalia gelassen, als sie alleine mit 19 Jahren nach Deutschland geflüchtet ist. Hier dann eine Verbindung mit einem Somalier eingegangen, von dem sie 2 weitere Kinder hat, eins davon behindert und mein Patient. Der neue Mann war gewalttätig, jetzt ist sie alleinerziehend, spricht kein Deutsch. Zum Glück gibt es in der Flüchtlingsunterkunft eine somalische Familie, die gut integriert ist und ihr jetzt hilft. Verglichen mit solchen Schicksalen werden meine kleinen Wohlstandsprobleme Peanuts.

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Da bist du mit Welten konfrontiert, von denen wir keine Ahnung haben! Was sollte man da ausrichten? Da ist keine Hilfe, würde „Kleiner Tiger“ sagen. Diese wahnsinnige Erschöpfung spüre ich auch. Früher hatte ich sie, weil ich viel geleistet habe; dann in der Trauer; jetzt aufgrund der Gehirnwäsche, der schlechten Weltlage, der Maske usw.

  2. Renate sagt:

    Furchtbar was diese Frau und die Kinder erlebten. Ich weiß nicht wie du diese Schicksale verkraftest? Dass du oft zweifelst und kraftlos bist verstehe ich gut. Mit Maske sprechen kommt noch dazu.

  3. Beate sagt:

    So schrecklich, in einem Land angekommen zu sein, das mit der Hoffnung auf ein besseres Leben verbunden war und dann dieses schwere Schicksal. Wie hältst Du den Spagat aus, den Du beschreibst?

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