Marie NDiaye, traurige Nachricht und Großer Zapfenstreich
was sich so alles tut, wenn man das Haus nicht verlässt. Ich bin die ganze Woche krankgeschrieben. Gestern, ein Wechselspiel zwischen Lesen im neuen Buch von Marie NDiaye (Tolle Kritik in der „Zeit“, die mich neugierig machte) und Wegdösen. Irgendwann ein Anruf von Janni: Omi, es hat zweimal so laut geknallt. Das war die Explosion auf der Stammstrecke und Anlass, mit mir was auszumachen (gehst du mit mir eine coole Jacke kaufen?) und später, sehr traurig, der Anruf meiner Freundin Gabi, auf dem Weg nach Trier. Ihr Vater musste vor einer Woche ins Krankenhaus, infizierte sich dort mit Corona und starb. Inzwischen „ein Klassiker“, und so sehr traurig. Am Sonntag hat Gabis Mutter 90. Geburtstag, Gabi hat ihr heute mit ihrer Schwester zusammen die Nachricht überbracht. Heute bin ich aufgestanden und habe mich wieder elend gefühlt, Kopfschmerzen und schlapp. Antigen-Test gemacht. Negativ. Frau Völkl angerufen wegen einer Krankschreibung, zur Praxis gelaufen, PCR- Test gemacht. Seitdem Couch und weiter Marie NDiaye gelesen, ich weiß noch nicht, ob ich das Buch gut finde, aber es absorbiert mich. Vorhin großer Zapfenstreich. ich war sehr angefasst, Angela Merkel, eine große Staatsfrau. ich habe Hochachtung vor ihr.
Ein Verlust ist natürlich eine persönliche Katastrophe. Sosehr ich mit plötzlichen Toden auf Kriegsfuß stehe kann ich meine Hospizbrille nicht ganz absetzen und einen Tod mit 90 nicht als solche ansehen. Eher, wenn die arme Mutter dann nicht mehr zu ihm durfte, was zu befürchten ist. Merkel? Ich verehre sie und bin richtig stolz, dass sie unsere Kanzlerin war und welches Ansehen sie unserem Land in der Welt verschafft hat; fand köstlich, wie sie wieder stoisch dasaß, am Ende „mit fröhlichem Herzen“ aus dem Autofenster lachend und winkend. Mit Buchempfehlungen bin ich mittlerweile zurückhaltend.-Hoffentlich hast du was von der Auszeit.
Nur ein leichtes Lächeln und ein Zucken ihres Mundes sah ich bei der Kanzlerin. Ich kann mir noch nicht vorstellen wie es sein wird, ohne sie. Ich musste auch schlucken. Die Bauarbeiter werden nun mit sehr unguten Gefühlen weiter an der Stammstrecke arbeiten.