21-12-03-CoTaBu-Backgeheimnisse, -zwänge + Abschied von der Kanzlerin
Nachdem ich gestern um 4:30 aufgewacht bin und es nachts O.30 wurde, konnte ich heute ausschlafen. Draußen alles weiß. Später kommt Jakob mit Semmeln. Er muss Post abholen. Vielleicht backen wir zusammen. Er sagte allerdings – wie Bine einmal – er mache dann bei mir wieder alles falsch. So schrecklich bin ich dabei, so zwanghaft – lasse den anderen nicht eigene Erfahrungen machen, z.B. wenn alles an Tisch und Fingern klebt, sobald man den Mürbteig länger anfasst oder dass er zu mehlig wird, wenn man immer wieder die Fläche bestäubt. Jakob geht mit Mehl so schwungvoll um, dass es nicht auf dem Tisch bleibt. Selbst wenn ich Besserung gelobe, gibt mir doch zu denken, dass es keine Freude ist, mit mir in der Küche zu stehen. Michael und ich geraten da auch aneinander. Den vorgestern gebackenen Honigkuchen habe ich gestern mit ins Hospiz genommen und mich dann gefreut, dass sowohl die „kleine Sonja“, passionierte Backkünstlerin, als auch die „große Sonja“, „unbedingt“ das Rezept haben wollten, auch wenn das beschämend schlicht ist. Jedenfalls habe ich den Kuchen nur in die Küche gestellt und er ging weg wie nichts. Das macht mir richtig Spaß. Auch dass schon einige fragen, wie es mit meinen Lebkuchen aussieht und wann ich sie bringen soll, damit diejenige was davon hat. Ich denke also nicht nur ans Abnehmen, um gleichzeitig zuzunehmen, nicht nur, wann ich was NICHT essen sollte, sondern brenne aufs Backen. – Die Bilder des gestrigen Zapfenstreichs unserer hoch verehrten Kanzlerin, die als mächtigste Frau der Welt unprätentiös, diplomatisch und standhaft sechzehn Jahre lang Gesicht und Raute für uns hingehalten hat, wirken in mir nach. Wie sie wieder stoisch dasaß! Wie sie am Ende „mit fröhlichem Herzen“ aus dem Autofenster winkte! Was so schön ist für mich: Ich bin zwar erschüttert, dass sie jetzt Vergangenheit sein wird, aber kann wahrscheinlich auch mit Scholz leben.
Deine Backerzeugnisse werden so überaus gut, weil du es auf eine bestimmte Weise machst. Ist doch klar, dass andere es nicht genauso machen. Dann wird es aber auch nicht so gut. Den Zapfenstreich hab ich verpasst, kann mir aber lebhaft vorstellen, wie die Kanzlerin aus dem Auto heraus lächelt. Ich gönne ihr den Ruhestand.
In deiner Küche ist zu wenig Platz für Zwei. 🥞 Lieber alleine und in Ruhe backen, dann wird es zu einem meditativen Akt. Dein Honigkuchen ist echt Spitze, diesesmal konnte ich ja nur die Konsistenz genießen.
Deine Backwerke sind stets von feinster Qualität! Ich bin auch nachhaltig beeindruckt vom Abschied der Kanzlerin. Nur blöd, dass Nina Hagen jetzt so nachtritt. Das hätte sie sich echt verkneifen können.