Freitag und keine Öffnungseuphorie
Freitag früher Abend. Wieder mal bin ich kaputt von der Woche und freu mich, dass ein Wochenende vor mir liegt. Früher waren entweder die Patienten nicht so anstrengend oder ich war einfach fitter. Nachher fahren wir zu einem befreundeten Paar, das uns regelmäßig zum Essen zu sich einlädt. Der Mann hat eine chronische Darmerkrankung und ist am liebsten zu Hause, so dass wir fast immer zu denen fahren. Ich hätte auch nichts gegen einen freien Abend gehabt. Maja hat seit gestern die Gewissheit, dass sie Corona hat. Sie hat Symptome und der PCR Test war positiv, interessanterweise war der Schnelltest negativ. Ihr Verlobter ist auch infiziert. Wahrscheinlich hat sie es auch Sören weiter gegeben, denn sie war Mittwoch bei ihm und er holt sich alle Erreger von Maja, das war früher auch immer so. Ich kann in die Corona- Öffnungseuphorie nicht einstimmen, denn für mein Leben und insbesondere meine Arbeit sehe ich noch lange keine Lockerung. In Clubs gehe ich eh nicht und Massenveranstaltungen habe ich vorher schon gemieden. Für mich wäre es ein großer Fortschritt, wenn wir wieder im Chor singen dürfen, wenn wir wieder gemeinsame Mittagspause haben können und ich nicht immer Maske tragen müsste, wenn ich mit Kollegen oder Patienten spreche. Das wird wohl erst mal nicht möglich sein.
Ich verstehe auch nicht die Lockerungen, während um uns herum einer nach dem anderen Corona-positiv ist, teilweise mit leichten, teilweise gänzlich ohne Symptome. Auch ich ersehne andere Lockerungen als die, von denen die Rede ist. Deine Vorfreude auf das paarweise Treffen scheint sich in Grenzen zu halten. Verabredungen sollten Labsal, Inspiration oder Freude sein, alles andere ist am Freitag Abend mühsam.
Die Lockerungen betreffen mich nicht. Mehr als 10 Menschen habe ich schon vor der Krise nicht getroffen. Dass sich dein Exmann alle Erreger von eurer Tochter holt ist gut. Anscheinend war bei deiner Tochter die Virenlast zu gering für den Schnelltest.