22-02-20-CoTaBu-Briefpost, Stille: erbaulich mit Teppich +Haikukunst
Mein Sonntag ist an Geruhsamkeit nicht zu überbieten. Morgens kam Michael mit Semmeln. Vorher hatte ich bereits den Mitgliedsantrag eingetütet; an Irmgard, die Pfarrerin, eine Dankeskarte und an Monika eine Entschuldigung geschrieben, weil ich mich letztens geweigert hatte, auf der Leopoldstraße mit ihr einzukehren, obwohl sie achzigjährig ist und ich Rücksicht hätte nehmen müssen – was mir wiederum den Chanelabend versaut hätte. Besondere Freude habe ich bei der Wahl der Motive aus meinen reichhaltigen Kartensammlungen. Teilweise weiß ich gar nicht, was heute war. Mit Bine telefoniert wie jetzt öfters. Sie hatten gestern einen Feuerwehreinsatz auf Werners Grundstück, wo eine 20-m hohe Fichte drohte, auf Nachbarhäuser und Stromnetz zu stürzen. Später im Sturm zum Friedhof gegangen, kaum möglich, eine Kerze zu entzünden. Ich war auch auf Haikustoffsuche: Mit Michi Schneeglöckchen begutachtet, die bleich unterm Laub des Vorjahres hervorsprießen. Ein Mistelbaby, das sich am Grab ins kleine Bäumchen einnistet. Im Gerner eingekehrt. Soeben meine Werke an Yuko geschickt für den allmonatlichen spielerischen Wettbewerb, der nach alter Tradition und uralten Regeln stattfindet, ob in Präsenz, per Zoom oder – fürchterlich – Hybrid. Nachmittags Simons Zimmer ausprobiert. Endlich mal wieder habe ich mit diesen taufrisch herausgegebenen „Haiku aus fünf Jahrhunderten“ ein Buch so erhebend, dass es schmerzt. Es ist eine hohe Kunst, unerreichbar, doch erstrebenswert. Dazu Kommentare voller Wissen, Weisheit; es werden Verbindungen hergestellt zu allerhand, was ich schon gelesen habe. Riesengroße Freude und Erbauung! Dabei eingeschlummert. Bei einem Haiku (Ruf des Fasans und was er in Japan verkörpert!) fiel mir Ariane ein, mit ihr etliche Whatsapps ausgetauscht. Gerade ein Stück Mohnkuchen verspeist. Jetzt sollte ich noch einige Schals bügeln, damit das Bügelbrett wegkommt. Was kostet mich das Überwindung! – Wie unsagbar gut tut es mir, hier so in Stille, ungestört zu sein und doch nie einsam, weil ich nicht allein auf der Welt bin.
Geruhsam und doch hattest du einen reichhaltigen Tag.
Dass du das stille Alleinsein genießt, kann ich gut nachvollziehen. Die Leidenschaft für Haikus weniger. Einen schönen neuen Teppich hast du. Vielleicht fühlt es sich besser an sich in dem Zimmer jetzt aufzuhalten.