22-03-09-CoTaBu- Das Geschäft mit der Angst + 25-jährig ALLES wissend

Wird unsere Welt durch unablässige Nachrichten besser? Erst rund um die Uhr Corona, jetzt Krieg, Krieg und nochmal Krieg. Es ist das Geschäft mit der Angst. Angst, Platz machen zu müssen, Angst, Licht oder Heizung könnten ausgehen, Angst vor nuklearer Katastrophe, Angst davor, auf die schädlichste aller Energien bauen zu müssen, Angst, Sicherheiten und Wohlstand einzubüßen. Mir scheint, all diese Ängste wehren die eigentliche Angst ab – die ums nackte Überleben. Wie gut hat es da getan, als wir gestern auf Bitte der Trauzeugin einer Kollegin eine kurze Tanzeinlage filmten. Wir wollten uns alle drücken, jede wollte filmen, nicht gefilmt werden, aber dann haben wir gelacht wie lange nicht. – Heute hat mich eine Kollegin aus dem Ambulanten Hospiz besucht. Ein lächelndes Mädchen von allenfalls 25 Jahren, die ALLES wusste; kein Lebensumstand von Trauer über LBGT, von ADHS bis Suizidalität, auf dem sie nicht schon Expertin ist. Sie findet alles „spannend“. Auch Demenz. So spannend. Und alles ein Grund für verschmitztes, wissendes Lächeln. Seit zwei Monaten an der Stelle, hebt sie bereits einen Vorbereitungskurs für Ehrenamtliche mit einer anderen aus der Taufe, die ich auch noch als Anfängerin betrachte. Diese jungen Leute trauen sich heute alles zu. An einer Stelle fragte sie naseweis: „Und was macht das mit dir?“ Ich hatte mir damals fünf Jahre Zeit gelassen, bis ich mich gerüstet fühlte, andere in diese Dinge einzuführen. Zuerst, so meine Überzeugung, musste ich selber gewisse Erfahrungen verkörpern. – Gestern hat mich eine alte, warmherzige Dame besucht, die vor fünf Jahren einen Kurs mitgemacht hat, an dem ich beteiligt war. Mit ihr war es tiefsinnig, lustig, lebensweise. An Aussagen wie „Männer wollen Sex“ oder „das ganze Leben ist ein einziges Loslassen“ habe ich bewusst innerlich Toleranz geübt. Insgesamt aber spüre ich, trotz manchem Unbill, wie ge-löst ich im Hospiz werde. Schrittweise.

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2 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Brigitte hat mir gestern von euren Showeinlagen für das Video erzählt. Diese junge Kollegin vom Ambulanten leidet stark an Selbstüberschätzung. Etwas Demut und Zurückhaltung würden ihr gut tun und eine gehörige Portion an Erfahrungen.

  2. Ines sagt:

    Herrliche Vorstellung, eure Tanzeinlage begleitet von Lachanfällen. Es tut so gut in dieser Zeit. Mit 25 Jahren trauen sich die Mädels so viel zu, weil sie noch keine Erfahrung haben. Hätten sie Erfahrung, würden sie mehr Respekt vor der Aufgabe haben.

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