22-04-08-CoTaBu- Nestwärme – „Die jungen Leute wissen halt alles besser“ + „Ham`s für mi a oane?“
Durch Renate hatte ich gestern die Chance, nach langer Zeit in die Übergabe zu gehen. Das hat mir ein wenig Lebenselixier zurück gegeben. Entsprechend den wenigen Patienten kleine Runde, auch nicht meine FavoritInnen (außer Davor), aber es gab Muffins und war ein Brutkasten an Menschlichkeit. – Michael hatte gestern ein Treffen bei Anni mit unserer „Vertrauensschwester“ (von meiner Mutter her die Beste), Dr. Schnur; der Pflegedienstleiter, der Wichtigtuer, den Michael angeschrieen hatte, war unabkömmlich. Auch die Hausleitung, die jetzt dauernd reingeht, war gottlob nicht da. Alles wurde besprochen. In dieser Konstellation kein Problem, bis der nächste alles auf den Kopf stellt. Der Nachtdienst muss Anni wecken für Zusatzmedikation und Toilettengang; dann hat sie Schmerzen. Die aber sind verboten! Wenn nichts dagegen hilft muss man Michael verrückt machen. Hausarzt, Psychiaterin, ein auf Drängen des Pflegedienstleiters herbeigezwungener zusätzlicher Orthopäde: alle sind einig über die Medikation. Das Krankenhaus ebenso. Dann kommt irgendwer und zweifelt alles an. Nur ein Holzkopf kann behaupten, dass das Märchen von der Schmerzfreiheit auf jeden Menschen zutrifft. Schwester Brigitte, der Michael das Leid klagte, dass ihm ein brandneue, ca. 30-jährige Schwester regelrecht gedroht habe „wenn das so weitergeht…“ und „Ihrer Mutter geht es seeeehr“ schlecht“ (während er sie fröhlich Milchreis löffelnd in ihrem Bett antraf) sagte in ihrer wunderbaren Ruhe: „Die jungen Leute wissen halt alles besser. Das ist einfach so.“ Als Michael vor dem Haus auf Dr. Schnur traf sagte Michael, er habe schon eine Tavor genommen. Dr. Schnur: „Ham`s für mi a oane?“ Ihn nervt natürlich dieser ganze Aufruhr auch und wie er tausendmal angerufen wird. – Die Aussicht auf Wilhelm Meister belebt mich. Ob ich Monika Manz dazu einladen soll? Ich habe nachgeschaut. Die Lehr- und Wanderjahre habe ich 2002 fünfhundert Seiten lang gelesen, gespickt mit Notizen. Die restlichen zweihundert sind blank. Auch fehlt mir die gesamte „theatralische Sendung“. Ich freue mich auf ein Wiedererkennen. Hoffentlich. Die Vergessliche erlebt alle Freuden neu.
Mir scheint, nicht nur die Kommunikation des Heimpersonals untereinander, sondern auch der Austausch zwischen betreuenden Ärzten und Heimpersonal ist so gut wie nicht vorhanden. Und Michael steht zwischen den unterschiedlichen Fronten. Dr. Schnur hat Humor, das gefällt mir. Ob Monika Manz deiner Einladung folgen würde? Sie sieht sehr bodenständig aus auf den Fotos, die man im Netz findet. Schön, wie du dich auf die Lesung freust.