22-04-11-CoTaBu-Thomas‘ Theorie – indische Panaden – einfallslos im Traum + Wilhelms theatralische Sendung
Am Freitag Thomas getroffen. Schön wie immer und doch nicht so. Er hatte eine Theorie über Spiel. Da sie entscheidend von meinen Überzeugungen abwich konnte ich sie keinen Moment behalten. Thomas ist so positiv und gewährend. Daraus folgt, dass alles in seinen Augen ok ist. Wenn ich aber für mich in etwas keineswegs ok bin wird es schwierig, kann zur Bagatellisierung, zur Verharmlosung geraten. Er weiß, dass ich das nicht mag und bemüht sich. Leichter haben wir es miteinander, wenn ich spiritueller gelagert bin als gerade der Fall. Im Traum wurde ich nach einem Textbeitrag gefragt. Ich hatte ihn „schon weggeräumt“ (bezogen auf meinen Auszug aus dem Hospiz). Selber schreiben wollte diese Konstellation nicht. Ich erinnerte nichts. Es fiel mir nichts zu. – Abends Peergruppe. Vollkommen unterschiedliche Leben, Gewichtungen; auch was wir als Probleme ansehen und als Lösungsstrategien! Samstag Frühstück mit Jakob; „für Ursula“ aufräumen; abends Ikea; Essen beim Inder. All das panierte Zeug, kaum gewürzt, nur scharf. Werde ich gleich in eine Garnele oder in Blumenkohl, in Lamm, Huhn oder eine Zwiebel beißen? Nichts für uns. Den Sessel baute Michael – selbst das ein Act – gestern bei mir auf, während Beate und ich frühstückten und wir uns gegenseitig neun Kapitel aus Wilhelm Meisters theatralischer Sendung vortrugen. Der Vorteil: zu zweit konnten wir jederzeit unterbrechen. Soviele Erinnerungen und Assoziationen! An unsere Kindheiten; auch auf unsere literarischen Biografien bezogen. Manches davon kam gar nicht zur Sprache. Z.B. eine kürzlich gesehene Sendung auf Arte über einen ukrainischen Puppenspieler, der sich einer kleinen Truppe angeschlossen hatte! Eigene Einnerungen an Theateraufführungen im Wohnzimmer in Feldafing. Den Rest des Tages ein wenig gelesen und wieder verschlafen. – Ich verschreibe mich ständig. Wörter entfallen. Eine Telefonverabredung mit Pisarksi steht wie ein Berg vor mir. Den Artikel für die Misericordia nicht zu Papier gebracht. Jetzt muss es als Interview laufen, wenig verlockend in meinen Augen.
Wie sitzt es sich in dem neuen Sessel? Ein Foto wäre schön. Vielleicht verschreibst du dich, aber ich habe noch nie einen Fehler in deinen Beiträgen gesehen. Das heißt dann ja, dass du es merkst und dich korrigierst. Was du über das Gespräch mit Thomas schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Manchmal ist eben nicht alles okay. Er scheint dich ja auch schon gut zu kennen, und „bemüht“ sich, wie du schreibst, auf deine Einstellung Rücksicht zu nehmen, was ja auch schon wieder von viel Toleranz zeugt.