E-Mail der Erleichterung und Schrecken des Vergessens
Heute früh kam postwendend die E-Mail von der Kurklinik. Sie habe volles Verständnis, dass ich vor der Hochzeit von Alina die Kur nicht antreten will, ich bekomme einen neuen Termin . Was war ich erleichtert! Tatsächlich habe ich mir auch Gedanken gemacht über den Anlass, eine Kur beantragt zu haben. Es sind Dauerbrenner seit ein paar Jahren, meine Schlafstörungen, mein Kummer wegen meiner Kinder, die keinen Kontakt miteinander pflegen, mein Arbeitsalltag inmitten karrierebewusster Lehrer, die in Arbeitstempo und Eifer mich inzwischen in den Schatten stellen, weit in den Schatten stellen. Apropos habe ich mich seit Tagen mit der Geschichte, Politik, Strukturen der EU beschäftigt und so viel in den zwei Jahren schon wieder vergessen. Manche mögen das Thema sowieso langweilig finden, aber es ist mein Job, und die, die ich bald betreue, sind bestens vorbereitet. Ich bin also unter Druck. Heute Abend fahre ich nach Gerolzheim, das liegt in der Nähe von Memmingen. Reinhard und Haira haben mich eingeladen (er ist der, dessen Mutter Kollegin meiner Mutter war). Ich freue mich schon auf den Besuch, auch auf den gemeinsamen Spaziergang morgen früh. Am Nachmittag fahre ich dann zum Flughafen und hole Sirena und Janni ab.
Es sind alles psychische Beweggründe für die Kur. Ich hatte gehört, dass es einfacher ist, eine Kur mit so einem Schwerpunkt zu beantragen als eine für körperliche Beschwerden. Und wieder packst du dein Köfferchen und fährst über Nacht zu Freunden. In der Beziehung hast du Kraft ohne Ende.
ich bin ein Zugvogel… und froh, dass diese Kraft, immer wieder aufzubrechen, mir nicht abhanden kommt. Und dankbar bin ich für die Menschen, die mich begleiten. So ist es eine andere Lebensform, ein anders in der Welt stehen als in einer Partnerschaft zu leben.
Mein Kommentar bezieht sich auf deine Antwort an Ines. Es ist interessant, dass du diese Lebensform der in einer Partnerschaft gegenüberstellst. Und ich hatte zwei literarisch-spirituelle Assoziationen: das eine ist Augustinus: Mein Herz ist unruhig, bis dass es Ruhe findet in dir. Und: Das Leben der Menschen gleicht Zugvögeln, die (weiter weiß ich gerade nicht, sinngemäß) der ewigen Sehnsucht nach Haus folgen.