22-05-29- Weiter Entzug – Traum ohne Hose + Woche mit Chor, Konzert und Jakobs Event

Auch wenn ich mit diesem Format nicht glücklich bin, mich des Schreibens ganz entwöhne, es ständig auslasse oder im Zweifel bin, wohin damit – auf Wochenzettel oder ins Heft?, erwarte ich den Sonntag. Nicht nur des Schreibens, sondern auch der Fülle der Resonanzen muss ich mich entwöhnen.

Unterwegs vom Bahnhof Tutzing runter zur Schule begegnet mir – täglich – Alain Delon. Er folgt mir, fragt mich, warum ich nie eine Hose anhabe. Einmal muss er noch was vergessen haben, ich versuche, ihn abzuhängen, er holt aber auf.

Sonntags Chor mit Heike R. mit richtig Stimmbildung und dollem Programm. Negativ: ein zunächst abstoßender Chorleiter mit MaximalADHS, der sich wie verrückt gebärdet, herumhampelt, grimassiert und (symptomatisch) Zeit vertut, bis er alle platziert hat, sich nachher aber als genial herausstellt, auf den Flügel einhämmert, herumimprovisiert und irrste Harmonien hervorbringt. So spät: 19:00 – bis 22:00. Am Montag Konzert Sheku Kanneh-Mason/ Cello mit seiner Schwester Isata/Klavier, wunderbar! Fertig von zwei langen Abenden in der Folgenacht elf Stunden geschlafen. Dann stand alles unter Vorbereitungsstress von Jakobs Veranstaltung, wofür ich am Donnerstag stundenlang geräumt und geputzt habe, oh Gott, der Rücken! Freitag früh Hautarztpraxis (offene Sprechstunde!) – man kommt telefonisch entweder nirgendwo durch oder kriegt vor Ende August keinen Termin. Aufstriche zubereitet, tablettweise Häppchen geschmiert. Vierzig oder fünfzig Leute, queere Szenerie, angeregteste Unterhaltungen über Dinge, die uns verschlossen sind. Aufgrund von IN-München drei Schnorrer, die sich wohl überall reinkrallen, sattessen, trinken und sich im Gespräch als unerwünscht entpuppen. Eine davon präsentierte sich als Vertreterin des Sozialreferats, an anderer Stelle nannte stellte sie sich Botschafterin Polens; es schälten sich rassistische und antisemitische Ansichten heraus und man kehrte sich ab. Michael war drauf und dran, sie rauszuschmeißen, er hat längst einen Riecher für Biedermanns Brandstifter. Ansonsten ziemlich homogene Gesellschaft aus Künstlernetzwerken. Anna kam – ebenso ihr (reizender) Bruder und dessen Freundin aus Rotterdam. Gestern gemeinsam gefrühstückt; abends eiskalt im fast ausgestorbenen Taxis gesessen. Außer Brezen und Getränken gab es dort nichts. Gottlob hatte Michael einen Korb gepackt. Überhaupt regt ihn diese Gesellschaft offenbar an, er entpuppt sich in dieser Konstellation als überaus geistreicher Unterhalter, an dessen Lippen alle hängen. Ich hinke mit meinem Englisch etwas hinterher. Allzuviel Sozialleben vertrage ich nicht mehr, ich brauche tagelang, um mich zu erholen. Da reicht nicht ein Spaziergang durchs Grüne. Als alle wegwaren, haben Michi und ich eine halbe Stunde gemeinsam in die Stille gelauscht. Ein ganz besonderer Moment.

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3 Antworten

  1. Renate sagt:

    Du hast bewegte Tage hinter dir. Full house bei Michael, mit 40 bis 50 Personen. Verständlich, dass du nach soviel Trubel, Kontakten und Gesprächen satt warst.

  2. Beate sagt:

    ..und ich dachte, Michael würde sein neuestes Werk vorstellen, aber es war Jakob’s Abend! Es scheint ja eine ganze Bandbreite an Herausforderungen dabei gewesen zu sein- von der neuen (Künstler-)Generation bis zu einer Begegnung, die man darunter gerne vermieden hätte. Eine ganz eigene Welt. Das scheint auch auf den neuen Chor zuzutreffen, der samt Leitung spannend klingt

  3. Ines sagt:

    Erst dachte ich, Jakobs Veranstaltung fand in deiner Wohnung statt. Aus Renates Kommentar entnehme ich, dass sie in der Pension stattfand. Was immer es für eine Veranstaltung war, hoffe ich, Jakob hatte eine gute Resonanz in der Künstlerszene. Schön zu lesen, wie Michael auflebt in dieser Szene. Fühlt er sich im Englischen sicher? Ist der beschriebene Chor etwas einmaliges oder regelmäßig?

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