Hüttenabenteuer

Wir kommen gerade aus dem Biergarten und ich liege auf dem Sofa. Das Hüttenabenteuer von Donnerstag bis Sonntag liegt schon wieder in der Vergangenheit. Sehr schnell habe ich mich wieder an das Luxusleben gewöhnt, nachdem es auf der Hütte ganz einfach zuging. Die Hütte liegt mitten in den Bergen bei Brannenburg und gehört einer der 3 Frauen, mit denen ich dort war ( meine „spirituelle“ Gruppe). Man muss das Auto an einer Stelle im Wald abstellen und zu Fuß mit Sack und Pack eine halbe Stunde den Berg steil hoch laufen. Oben gibt es kein fließendes Wasser und nur minimal Strom über einen kleinen Sonnenkollektor. Trinkwasser kommt aus der Quelle, die 50 Meter entfernt fließt und duschen muss man draußen mit Regenwasser aus einer Schüssel. Das Klo ist ein kleines Häusl etwas entfernt und besteht aus einem Brett mit Loch. Vor der Hütte grasen Pferde und belagern oft das im Schatten gelegene Klohäusl. Anfangs musste ich mich sehr an dieses einfachste Leben gewöhnen. Besonders das Nicht-Vorhandensein eines Badezimmers und der Umgang mit den Pferden fand ich sehr herausfordernd. Nachts und auch zwischen durch hab ich auf die Wiese hinterm Haus gepieselt, weil es mich gegruselt hat zu diesem Häusl zu gehen. Die Tage waren geprägt von vielen Gesprächen, zum Teil mit Struktur, einmal auch Meditieren, Wandern und die Organisation rund ums Essen und was damit einhergeht, insbesondere immer wieder Feuer im Ofen machen fürs Kochen und für heißes Wasser. Am Ende habe ich mich nicht nur gewöhnt, sondern konnte das Freiheitsgefühl spüren, das entsteht, wenn man so eng mit der Natur lebt. Dennoch hab ich mich riesig auf eine normale Toilette und Dusche daheim gefreut. Ich bin eher ein Stadtmensch und fürchte mich vor so vielem in der Natur. Montag und heute wieder gearbeitet. Nachmittags wird es brutal heiß in meinem Büro. Gestern das vorerst letzte Mal Linedance gehabt, ziemlich sicher mache ich im Oktober weiter, wenn der nächste Kurs los geht. Und heute nach der Arbeit Biergarten mit Hubert. Irgendwie hab ich mich etwas von ihm entfernt. Wir finden nicht so leicht ins Gespräch, brauchen vielleicht wieder ein Wochenende zusammen. Ich war sehr dankbar, dass er für meine Kleingruppe einmal am Donnerstag gekocht hat, als sie mich vom Schliersee für die Hüttentour abgeholt haben. Da fällt mir ein, dass ihr im August auch zum Schreiben an den Schliersee kommt, das freut mich. Der Sommer ist schon ziemlich durchgeplant, viele Wochenenden belegt, was ich zwiespältig finde. Wir haben vor, mit dem 9 Euro-Ticket öfters mal unter der Woche zum Schliersee zu pendeln, mal sehen, ob wir das durchziehen.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Diese Erfahrung mit dem allereinfachsten Leben haben wir, als Michael „neu“ war, mehrmals in der Toskana gemacht. Ohne Klohäusl (Albtraum kindlicher Sommerfrischen früher), mussten in den „Wald“, wo Mistkäfer sofort ihre Arbeit aufnahmen. Man brauchte den halben Tag für Verrichtungen wie Wasser kochen, um abspülen zu können. Es braucht unheimlich viel Zeit – Hausarbeit wird Tagesinhalt. Dort allerdings konnte man – weit weg – Essen gehen. Klingt für mich sehr aufregend, aber ich teile deine Furcht vor manchem in der Natur- Insekten, Wildschweine und am schlimmsten Klos, die nicht richtig sind. – Momente der Entfernung in der Beziehung können etwas in Frage stellen. Ein unbehagliches Gefühl. Ich hatte das nach dem Heiraten.

  2. Renate sagt:

    So ein Hüttenerlebnis hatte ich auch vor Jahren. Das Cloabenteuer habe ich, wie du, öfter vermieden. Die Angst vor zuviel Natur, speziell vor einigem Getier ist auch mir nicht fremd. Deine Fotos sind wunderbar und der Blick vom Clohäusl auf die Pferde wildromantisch. Die Verrichtung einfacher Arbeiten, für uns in der Zivilisation selbstverständlich, erdet und zeigt wie kommod wir leben.

  3. Heike sagt:

    Ich verstehe nicht, wohin mein Kommentar verschwunden ist. Ich weiß noch genau…Wie kann das sein? Ich hatte geschrieben, dass ich solch allerprimitivste Behausungen von den ersten Ferien mit Michael kannte, in denen wir uns praktisch erstmals nahe kamen und bei denen die alltäglichsten Verrichtungen mindestens halbtagesfüllend waren. Unvergessliche, wildromantische Erinnerung, Gott sei Dank ohne Klohäusl, sondern mit Wald und Mistkäfern, die sofort aufmarscheirt sind und sich ans Werk gemacht haben. Und dieses Entfernen in der Beziehung. Ich wiederhole mich: Ich hatte das zuletzt nach der Heirat.

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