22-06-25-Experimentelle Gruppe – Traum-Urologe – Katastrophenabsage Pisarski und neuer Lichtblick

Diesmal nervt und stört es mich, dass ich nicht täglich schreibe. Ich spüre es nicht mehr als Entzug, sondern als Missstand, schreibe einfach nicht für mich allein. Am Montag wieder Aetas-Schreibgruppe, recht experimentell. Die Gruppe ist sehr offen, ich greife Ideen auf (z.B. gleichzeitiges Lesen wie im Theater oder wie bei Mozart, der die Welt von oben hört), Flüstern, Rhythmisieren, Schreib-Zeichnen. – Gottlob bekam ich einen Termin für gestern online bei einem Urologen. Er hat mir ein Antibiotikum aufgeschrieben; idealerweise aber halte ich es noch aus bis nächsten Mittwoch, bis dahin ist eine genaue Analyse gemacht und ich kann zielgerichtet untersucht und behandelt werden. Am Schluss sagte er: „Es hat mich gefreut!“. So ging es mir auch! Wann sagt mir das schon ein Arzt? Was das bei mir ist kann er nach eben abgeschlossener Antibiotikagabe nicht 100% feststellen. Blasenentzündung ja, aber Ursache? – Michael ist saukrank jetzt. Natürlich habe ich einen Anflug aufgeschnappt, gegen den ich jetzt ankämpfe. Ich huste bisher kaum, spüre es aber deutlich im Anmarsch. Also in jeder Hinsicht Schwimmpause. – Fange unglücklicherweise wieder mit der Haut an. Kenne das ja zur Genüge über die Jahre. Nesselausschlag, Jucken, Brennen und die Aussicht, dass sich das überall ausbreitet – Noch eine gute Woche bis zu Annis Beerdigung. Langsam dürfen Dinge angesprochen werden, sodass da eben nicht NICHTS, sondern in kleinstem, bescheidenen Rahmen doch ETWAS sein wird. – Die Katastrophe dieser Woche: Die letzte KlosterEinkehr meiner Berufslaufbahn mit einem Teil des Teams steht bevor. Ich hatte den Referenten, Waldemar Pisarski – diesmal wollte ich die Gestaltung erstmals abgeben – nach Corona von meiner Erschöpfungsdepression in Kenntnis gesetzt. Wir wollten uns nochmal treffen. Jetzt habe ich ihm dieses oder nächstes WE vorgeschlagen und vielleicht den Fehler gemacht zu schreiben, dass auch einiges an Trauer und Erschöpfung im Team sei und wir ganz auf ihn bauen. Kurz und gut: „Mit großem Bedauern, aber ganz ehrlich“ sagt er mir jetzt ab. Er habe selber einen Impfdurchbruch gehabt mit entsprechenden Folgen (Erschöpfung) und traue es sich unter diesen Umständen gar nicht zu. Wenn er erschöpft ist – wie kann es sein, dass ihm das erst bei Nachfrage einfällt?! Gut, er ist im achzigsten Jahr, allerdings ein erfahrener Mann, Therapeut, Supervisor, Theologe mit viel Traumatherapiererfahrung. Er schlägt Verschieben vor. Ein Kloster muss ich ein Jahr vorher buchen. Außerdem ging es ja gerade punktgenau um meinen Abschied. Das zeigt, dass auch er altersmäßig gerade seinen Tribut zahlt. Ich war also nicht nur enttäuscht, sondern regelrecht angefressen und hatte jetzt zwei Tage (und Nächte!) richtig Stress. Innerlich auf Hochtouren. Was tun!? Absagen? Doch selber gestalten? Mein Gefühl war, ich habe alles, was ich habe, gegeben und will, muss auch abgeben. Ich bin erschöpft und würde mich gern anvertrauen. Beim Gedanken, ob wir das vielleicht gemeinschaftlich gestalten – jeder was er hat – sagte Sonja „ich dachte, wir bekommen diesmal nur“ und sie dachte, ich sei einfach „eine Teilnehmerin wie jede andere“. Letztlich – das ist die fantastische Wendung – habe ich Kontakt aufgenommen zu einer Tübinger Theologin, Musiktherapeutin für altorientalische Musik/Gesang und Pädagogin für Japanisches Heilströmen. Ich hatte diese Frau mit zwei anderen (Karawane) ins Hospiz 2020 ein- und am Ende wegen Corona ausgeladen. Mein Vorschlag, ihr Angebot mit mitgebrachten, von den Teilnehmenden als segensreich empfundenen Kurzlektüren zu verbinden wie kleine Lesungen zwischendurch, griff sie erfreut auf. Wir haben nach einigen nächtlichen Email-Kontakten gestern ausgiebigst und intensiv telefoniert. Sie springt ein! Als erfahrene Hospizfrau kommt sie auch nicht mit Vorstellungen, die mit hospizlichen Realitäten nichts zu tun haben. Ich bin überglücklich. Jetzt muss ich nicht – wofür ich sonst monatelang innerlich „sammle“ – im Turbokraftakt ein eigenes Programm komponieren, sondern kann entspannt ins WE gehen, und sei es, um mich auszukurieren. Oder mich auf die Beerdigung einzustellen….ich brauche ja immer innerlich Vorbereitung und gedanklich-seelische Einstimmung. Hierfür habe ich gerade meine kleine Lesung für Anni verfasst.

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2 Kommentare

  1. Renate sagt:

    In unseren Telefonaten schon allerhand von dir erfahren. Ich hoffe dass der Mittwoch „spurlos“ an dir vorübergeht. Als hätte Herr Pisarski auf ein Zeichen gewartet, um abzusagen. Unterstellung? Ein Glück, dass du dich an diese vielseitige Frau erinnert hast, die nun das Wochenende gestaltet. Wenn es an dir hängengeblieben wäre, hätte ich mir ernsthafte Sorgen um dich gemacht.

  2. Ines sagt:

    Ich kann verstehen, wie dich diese Absage von Herrn Pisarski geärgert und unter Druck gesetzt hat. Vor allem, weil sie erst kam, als du konkret planen wolltest. Was für ein Segen, dass es einen Ersatz gibt und diese Frau scheint ja ein Volltreffer zu sein. Das wünsche ich dir jedenfalls. Und dass Haut und Blase sich wieder beruhigen und ihr Anni gut unter die Erde bringt. Die Erschöpfung ist deinen Texten anzumerken.

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