Zwei Hochzeiten, Urlaub in Haarlem und ein Gerhard Richter

Wo fange ich nur an. Zunächst das große bewegende Ereignis: Die Hochzeit von Maja und Bernd. Alles rund um die Feier war so unglaublich perfekt und schön. Allen voran meine Tochter. Zum Standesamt wurde das Brautpaar mit einem Oldtimer gebracht. Als ich Maja vor dem Standesamt gesehen habe, konnte ich nichts sagen, weil ich so mit meinen Gefühlen beschäftigt war und nicht gleich am Anfang schon weinen wollte. Die Standesbeamtin hat in dem von Majas Freundinnen wunderschön geschmückten Standesamt eine sehr bewegende Trauung vollzogen, bei der dann wirklich einige Tränen flossen, nicht nur bei mir. Ich saß zwischen Sören rechts von mir und Hubert links von mir und Jaron neben Sören. Das war stimmig. Die schönen Freundinnen in den Sommerkleidern waren eine Augenweide. Viele kenne ich schon als Kinder. Sie riesigen Burschen aus Bernds Freundeskreis, einer hatte einen dolleren Anzug an als der andere. Mein Vater meinte danach, er hat noch nie so eine schöne Standesamtliche Trauung erlebt und so viele schöne Menschen. Danach gings in das Strandlokal am Dümmersee. Maja und Bernd wurden mit einem Boot dorthin gefahren und am Steg von den Gästen erwartet. Nach dem Essen war zunächst die Ansprache von Maja und Bernd und danach die Rede von Sören und mir. Sie scheint gut angekommen zu sein. Jedenfalls hatte ich ein gutes Gefühl und viele haben sich bedankt und die Rede gelobt. Sören und ich hatten die Aufteilung so, dass ich nach hinten in die Vergangenheit und das Gewordensein von Maja geschaut habe und er in die Zukunft und über das „Wesen“ der Ehe geredet hat. Ich hatte die Rede komplett vorformuliert, er hat frei gesprochen. So hat es für uns beide gestimmt. Gegen späten Nachmittag wurde der Tanz vom Brautpaar auf der Seeterrasse eröffnet, zum Glück kam dann auch ein kühleres Lüftchen in dem ansonsten megaheißen Tag. Wir tanzten im Sonnenuntergang bis Mitternacht, es wurde ein rauschendes Fest. Lustigerweise standen Hubert und Sören ziemlich oft zusammen und haben geredet. Irgendwie hat es die beiden immer wieder zueinander hingezogen. Sie waren auch die einzigen in der Altersgruppe. Die Eltern von Bernd sind ca 10 Jahr älter. Dafür, dass es nur die „kleine Hochzeit“ war und die eigentliche „große Trauung“ erst nächstes Jahr stattfinden soll, war es eine große, runde und gelungene Feier, die aus meiner Sicht nicht zu überbieten ist. Am nächsten Tag war Frühschoppen bei Bernds Eltern im Garten mit vielen Gästen. Bei den Eltern hatten wir uns am Vortag der Hochzeit auch schon einmal zum Kennenlernen getroffen, nur Familie Grigat und Familie Bley. Hubert hat sich die Zeit am See vertrieben, wofür ich ihm dankbar bin. Maja ist übrigens jetzt eine Frau Bley. Bernds Eltern wohnen in einem großen Haus mit riesigem Garten sehr ländlich. Er war Lehrer und ist jetzt im Ruhestand, körperlich ziemlich angeschlagen, redet viel und gerne. Die Mutter war Universitätssekretärin und ist seit kurzem auch in Rente. Sie ist eher still und steht nicht gerne im Mittelpunkt, beide sind schon zusammen seit sie 17 sind.

Mit Jaron im Gepäck ging es dann nach Holland. Wir in den Ort Haarlem und Jaron nach Amsterdam, was nur ein paar Minuten von Haarlem entfernt ist. Von den Niederländern und insbesondere von der wunderschönen Stadt Haarlem war ich positiv überrascht. Die Menschen sind unglaublich gelassen, gut gelaunt, freundlich und halten sich gerne im Freien auf. Da sie dort keine Gärten und meist keine Balkone haben, sitzen viele Menschen vor ihren Häusern auf der Bank. Einmal sind wir mit geliehenen Hollandrädern ans Meer gefahren, einmal nach Amsterdam, wo wir Jaron getroffen haben. Einmal haben uns Maja und Bernd in Haarlem besucht. Witzigerweise haben wir die Zeit zwischen den beiden Hochzeiten alle in Holland verbracht. Mit Hubert Urlaub machen ist inzwischen sehr vertraut. Wir finden schnell unsere Routinen und das Gleichgewicht zwischen Unternehmungen und Erholung.

Nach 5 Tagen Holland fuhren wir schließlich nach Bad Salzuflen, was in der Nähe von Bielefeld liegt. Dort das Hotel bezogen, in dem am nächsten Tag die Hochzeitsfeier meiner Nichte stattfinden sollte. Was für ein Kontrast war das zunächst gegenüber dem Ambiente von Maja. Ich fand sowohl die Umgebung hässlich als auch das Hotel bieder und gar nicht schön. Hinzu kam, dass es am Samstag Morgen grau und regnerisch war. Aber das alles hat am Ende nicht gestört. Die freie Trauung fand bei meinem Bruder auf der großen Wiese statt und in dem Moment, wo die Braut über die Wiese zu ihrem Bräutigam lief, riss der Himmel auf und alles, was danach kam, war rundum schön und feierlich. Auch dort bis spät in die Nacht getanzt und gefeiert. Mich hat gefreut, dass Hubert auch Spaß am Tanzen hatte und dass mein Neffe Benedikt seine Freundin dabei hatte, die ich so super unkonventionell und sprühend vor Energie fand. Auch Jaron war ganz angetan. Er, der Stille, kommt auf Feiern sehr aus sich heraus und ist immer auf der Tanzfläche und einer der letzten, die ins Bett gehen.

Gestern, am Sonntag, ging es wieder nach München. Am Abend waren wir noch mit allen, inklusive Sören, im Faun zum Essen. Obwohl Sören ja nicht auf der Hochzeit in Bad Salzuflen dabei war, hatten wir ihn gestern Abend dazu eingeladen und er hat sofort zugestimmt. Verrückt, wenn man sich vorstellt, dass diese Familienzusammenführung von 3 Wochen noch eine riesige Sache war. Er erzählte, dass die Räumung von Urmilas Wohnung nun kurz bevor steht und dass er vor ein paar Tagen das Originalbild von Gerhard Richter gefunden hat, von dem Urmila immer nur Andeutungen gemacht hat, aber was nach ihrem Tod nicht auffindbar war. Fast wäre es mit dem ganzen Plunder auf dem Müll gelandet.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Ich fange am Schluss an: Mit dem Richterbild dürfte Sören auf einen Schlag zum Millionär werden, ein echter Knüller! – Wahnsinn, wie du eure Feierfreude und deine Gefühle zu den Hochzeiten beschreibst. Deine tiefe Liebe, darf ich es „Vergötterung“ nennen (?) für Maja hat sich gehalten von klein auf: was du in ihr siehst, wie einverstanden du mit ihr bist. Für mich so schön: wie dein altes und neues Leben jetzt zueinander finden.

  2. Beate sagt:

    Ich bin auch ganz und gar aus dem Häuschen: Ein Gerhard Richter! Wie kam er in ihren Besitz? Es ist sehr schön, von der Hochzeit zu lesen und von der Zeit danach: Ein großes Zusammenspiel von Harmonie und Freude. Alle Beteiligten überwinden zuvor befürchtete Grenzen und feiern zusammen das Leben.

  3. Renate sagt:

    Der Himmel riss auf, als die Braut auf ihren Bräutigam zulief. Ein schönes Bild. Die Hochzeit deiner Tochter rundum gelungen. Ein Bild von Richter. Gut dass er es noch entdeckt hat. Kaum auszuhalten wenn es im Müll gelandet wäre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert