22-11-12-Physio und kompressionsstrumpfige Aussicht – work in progress – familiäre Abgründe
Meine Wochenarbeit bestand in drei Physioterminen, nach denen ich immer ziemlich benommen, ein wenig schwindelig bin. Einmal habe ich Michael danach im Jagdschlössl getroffen, er kam von einer Untersuchung. Wie die Woche sonst verstrich? Lesen, Schreiben und „Vorbereiten“ – ein Kontinuum. Im November kommen noch drei Schreibereignisse, das bei Dasein noch fraglich. Sie machen es nicht unter acht TeilnehmerInnen. Für mich ok unter dem Aspekt, dass ich dort den dreiviertel Tag den Stiefel unten halten müsste und die vielen Stunden sehr anstrengend sind. Schade, weil ich gern mit kleinen Gruppen schreibe und sie immer mehr Leute reinlassen als ich angebe. Mal sehen, wie es diesmal wird. Am Montag Aetas. Ich werde mit der Tram hinfahren und hinterher chauffiert.
Mir graut es schon vor der Physiotherapie, die nach der Lymphdrainage kommt. Hierfür habe ich mir Barfuß-Schuhe bestellt, wenn ich ohne Stiefel „trainieren“ muss; dann soll ich mir laut Therapeutin einen Kompressionsstrumpf verschreiben lassen, sowas trüge sie auch zur Arbeit. Und klären, ob die Krankenkasse dafür Pflegedienst bezahlt. Erschreckende Aussichten! Über einen gesunden Fuß könne man sie selber ziehen, nicht aber über den kranken, der noch empfindlich und geschwollen ist. Ich hoffe, soweit kommt es nicht. Es sei ja „nur für sechs Wochen“.
Jakob ist Anfang Novemver aus seiner WG ausgezogen, ist jetzt wieder halb in München (teilt sich zeitlich mit Emilian in dessen ehemaliger WG das Gästezimmer), schläft vielleicht hin und wieder hier und ist jetzt wieder in Rotterdam.
Das gravierende Ereignis war am Mittwoch. Fabian hatte sich schon mehrfach angekündigt, er komme morgen, er komme am WE, er komme nächste Woche. In Habachtstellung mit angehaltenem Atem: was wird diesmal passieren?! Ich war auf alles gefasst. Auf alles!? Rechne ich schon immer mit dem Schlimmsten: Es kam schlimmer und war schneller vorbei als wir schauen konnten. Welcher Wahnsinn sich hier abgespielt hat, was aus ihm wird, das kann ich nicht ausführen, ohne mir einen Herzinfarkt herbei zu schreiben. Jedes weitere Wort schadet mir, schadet ihm, es ist eine reine Katastrophe. Von diesem Schock versuche ich seitdem, mich zu erholen.
Ansonsten ist es nicht, wie Ines schrieb, dass ich meinen Flyer fertig hätte. Es war ein erster Entwurf, viel hin und her, Gestalterisches, ein Lied ohne Ende. Am Freitag habe ich mich telefonisch mit Alexandra „getroffen“, der Zoomlink hat mich verfehlt (veraltete Mailadresse). Wir konnten viel besprechen. In Manchem richte ich mich ganz nach ihr; sie hat klare Positionen, weiß genau, was sie will. Das ist hilfreich und wir können uns gegenseitig gut einschätzen, was die fachliche Einordnung betrifft. Ein echtes Erlebnis. Ich kannte Renates Hilfe bzgl. Form, gewisser Infos, die ich platzieren musste, einer Einschätzung, wie sie meine Entwürfe fand; von Ariane habe ich etwas über zeitliche Struktur gelernt. Über dieses Fachliche, das Verständnis über das „Systemische“, läuft das zwischen Alexandra und mir jetzt sehr gut an. Sie hört genau hin und es entgeht ihr nichts! Es ist längst nicht über die Bühne. Bis zur Druckreife muss Michael es – mühsam und zeitaufwändig – in Skribus einpflegen, immer stimmt wieder irgendwas nicht, wir bringen viele Stunden am Telefon zu. Dann geht es wieder an Alexandra. Ich brenne!
Michael hat Grippe trotz Impfung. Keine Stimme, Stirn- und Nebenhöhlen, Husten, dazu der Fuß – dass ich überhaupt nicht helfen kann ist jetzt wirklich bitter. – Ich reise momentan mit dem Protagonisten aus Poschmanns „Kieferninseln“ auf Bashos Spuren durch Japan. – Ausgiebig mit Bettina aus dem Ehrenamt telefoniert, deren Mann uns „damals“, am 3.3.2018, nach Hamburg geflogen hat. Sein vertrauter Name an Bord inmitten einer ansonsten laut feiernden Horde. – Novembernebel.
Unfassbar, dass deine Fußgeschichte jetzt auch noch einen Pflegedienst nach sich ziehen soll, der dir den Stützstrumpf morgens anziehen soll. Wie aufwändig das alles ist. Und die Sache mit Fabian scheint ja wirklich schlimm zu sein, wenn du nicht einmal ansatzweise darüber schreiben kannst. Ich erinnere mich, dass es schon mal so eine Kurzbegegnung mit Fabian gab, da hattest du ähnlich geschrieben. Ich kann mir nach unseren kleinen Schreibgruppenzusammenkünften gar nicht vorstellen, wie eine Gruppe mit mindestens 8 TeilnehmerInnen funktionieren soll. Dauert es nicht viel zu lang, bis alle vorgelesen haben? Und natürlich sehr aufregend, die Zusammenarbeit mit Alexandra. Gute Besserung an Michael, der Arme ist ja sehr gebeutelt.
Es ist, wie ich selbst erfahren habe, eine schweißtreibende Arbeit einen Kompressionsstrumpf anzuziehen. Es gibt auch Anziehhilfen. Ich weiß nicht ob das auch bei deinem lädierten Fuß funktioniert. Ich habe im Hospiz und in Armstorf erfahren dass Schreiben und Vorlesen auch in größeren Gruppen geht. Lieber ist mir allerdings unsere Kleingruppe. Gute Besserung auch von mir an Michael.
Die Geschichten mit und über Fabian- so traurig. Es tut mir immer wieder sehr leid, dass Du so belastet bist mit den Sorgen um ihn! Ich verstehe gar nicht, warum du Kompressionsstrümpfe wegen deinem Fuß brauchst? Ich dachte, die soll man bei Venenschwäche tragen? Hoffentlich helfen Dir diese ganzen Maßnahmen, das ist die Hauptsache! Und dennoch gehst/ fährst Du in diesem Monat noch zu gleich drei Schreibereignissen, bei denen Du den Fuß nicht hochlagern kannst- alle Achtung!