lange Spaziergänge in Hannover und ein mörderisches Straßenpflaster danach

Maren wohnt in einer wunderschönen Villa.. in München wäre diese Wohnung unbezahlbar. Ich habe die Tage dort sehr genossen, vor allem die langen Spaziergänge, wenn man nämlich die Straße vor dem Haus überquert, ist man in der Eilenriede. Mit Maren die Zeit zu verbringen, war unterhaltsam, sie ist unglaublich lustig und an den richtigen Stellen scharfzüngig und bissig. Wir waren im historischen Museum, beim Shoppen und mit Ihrer Tochter Emmi und ihrem Freund  italienisch essen. Emmi ist so alt wie Alina und auf der Ziellinie, ihr Arztstudium abzuschließen. Damals, als sie noch in Bayern wohnten, eine Musterschülerin, ist sie heute noch beeindruckend strebsam, dabei aber sehr zurückhaltend und schüchtern. Alina hat sich von ihr entfernt, sie findet, Emmi sei gähnend langweilig. Als ich am Dienstag in den Zug Richtung Warendorf stieg, setzte sich eine junge Ärztin neben mich, Emmi in Aussehen und Habitus nicht unähnlich. Wir unterhielten uns, bis wir beide umsteigen mussten und ich erfuhr viel über Vergiftung durch Rauchen und Alkoholgenuss und kam mir sehr alt und unangebracht, sprich selbstzerstörerisch, hedonistisch vor.

Warendorf ist eine Stadt der Pferdemillionäre. Trotzdem gibt es viele Löcher im Asphalt und ais ich am Dienstag abends alleine eine dunkle Strasse lang ging, trat ich in eines und fiel wie ein gespitzter Bleistift um. Das Ergebnis schicke ich Euch per WhatsApp. Eine einzige Frau kam mir entgegen und sagte: „Sie bluten auf der Nase!“ Ich blutete auch aus der Nase und später sah ich, was auch meine Kleider so einiges vom Sturz abbekommen hatten. Ich hatte dann am nächsten Tag eine erste Abiturklasse im Planspiel. Die Schüler waren nicht verwundert über meine Pflaster auf der Nase und schimpften über das Straßenpflaster, das nicht ausgebessert wird . Die drei Tage, die ich arbeitete, waren ein einziger Genuss, dabei auch noch bestens bezahlt, sodass ich mich auf die kommenden Zeiten freue.

Die Heimfahrt war lang, ich las die ganze Zeit und fand schöne Stellen in meinem Buch, wie „Im Japanischen, fiel mir ein, heißt sterben: in die Stille gehen.“ In die Stille gehen. Wie soll das gehen bei all der Unruhe, die ich in mir habe.

 

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Ich bräuchte jetzt noch eine Erklärung, was die Eilenriede ist. Was lässt dein Text in mir anklingen? Dass Marens Tochter für Alina „gähnend langweilig“ ist lässt mein Ferrante-Ohr aufhorchen bzgl. der ewig konkorrierenden, komplizierten Frauenbeziehungen. Dass die junge Ärztin im Zug Emmi ähnelt – auch das hat etwas bei bei getroffen. Mir scheinen die jungen MedizinerInnen alle aus einem Guss und tatsächlich wie austauschbar, verwechselbar. Dein Sturz scheint noch halbwegs glimpflich abgegangen zu sein und dein Buch mit dem Satz, den ich als Japanisch-Interessierte noch nie gehört habe, interessiert mich gleich.

    • Beate sagt:

      Die Eilenriede ist ein großes Waldgebiet, das sich durch Hannover zieht. Zusammen mit weiteren Parks die grüne Lunge der Stadt! Und ja, mein Sturz hätte schlimmer ausgehen können, so war er nur mit einem Schreck und Pflaster gleich wieder vergessen.

  2. Ines sagt:

    Was sind denn das für Straßen!!! Scheinbar hat sich niemand gewundert, dass du hingefallen bist. Gerade so als würde das täglich irgendwem passieren. Ich fand das erste Foto, das du geschickt hast, schon ganz schön heftig. Wie Heike schreibt, finde ich auch die jungen Medizinstudentinnen untereinander sehr ähnlich. Das geht mir auch mit den Psychologiestudentinnen so. Alle sehr strebsam, sehr hübsch und angepasst. Hannover ist schöner als sein Ruf. Das Haus von Maren ist wirklich eine Wucht.

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