23-02-25- „Frida versus Etel“ – Baby Felix – Zuckerfasten? – Mond & Sterne – Briefe meines Vaters – Literarisches

Eigentlich wollte ich es wieder wöchentlich versuchen. Was aber nicht unter „besondere Ereignisse“ fällt, gleitet durch die Finger. „Das Besondere“ ja keineswegs zwangsläufig „das Wesentliche“.

Montag: letzte Physio. Dienstag: mit Jakob Frida Kahlo. Nie wieder eine „immersive“ Ausstellung. Wozu der Karussel-Effekt? Müssen Bilder durcheinanderwirbeln, muss der ruhende, ernst forschende Blick durch Augenrollen Aufmerksamkeit erheischen? Mich hat der spanische Akzent in seiner aufdringlichen Intonation regelrecht abgestoßen. Nichs von allem spräche Frida selbst nicht aufschlussreicher, wahrhaftiger und vor allem mit ureigener Stimme aus meinem Buch zu mir. Ein überflüssiges Event der Superlative als für mich fragwürdige Form der Kunstvermittlung. Was mir nicht bewusst war: ihre Bekanntschaft mit Breton und wie sie sich zu den Surrealisten positioniert. Jakob sagt, man brauche das, weil kein Mensch mehr vor einem Bild stehen könne, ohne sich sofort zu langweilen.

Faschingsdienstag bei Jonas (Häring) und Lily und zuckersüßem Baby Felix, das wir reihum (Oma Petra war auch da!) auf dem Arm halten durften. Lily ist eine sehr Sympatische, die ich besonders mag. Und der liebe Jonas! Beide sind ungewöhnlich natürlich. Was mir angenehm aufgefallen ist waren die Ungewissheiten. Lily: Vielleicht bleibt Felix ja unser einziges Kind. Oder: Wir wissen ja nicht, ob noch eines dazukommt. Und: Ich lasse mir jetzt erstmal zehn Monate Zeit und dann schauen wir. Will BabySchwimmen, Massage – alles ausgebucht. Sagt: Ich habe ja Zeit. Gelassenheit, Freiheit von „Planungssicherheit“ nach Problemschwangerschaft, Schwerstgeburt und anfänglichen Schwierigkeiten, in denen das Baby MaximalBehandlung brauchte! Eine Familie, kein Projekt. Ich habe gelernt, dass es heute Känguruh-Führungen in Museen mit Trink- und Wickelpausen gibt.

Am Aschermittwoch nach jüngsten Extrarationen an Kuchen und Krapfen jetzt voll guten Willens, vorerst auf Zucker zu verzichten. Mir graut vor Suchtdruck, hoffe, ihn alsbald zu überwinden. Kein Aschekreuz auf der Stirn. Die letzten Tage beim Zappen manchmal auf Karneval gelandet. Was ich früher verachtet habe rührt mich jetzt manchmal. Die lachenden Gesichter, hier das Hütchen, da die rote Nase! Diese Bereitschaft, fröhlich zu sein! Etwas haben die, was mir fehlt. – Nach Monaten Singpause Seidlvilla, diesmal wenig erbaulich. Hoher Altersdurchschnitt. Die Begleitung kannte sich auf dem Klavier nur mäßig aus; keine Stimmbildung.

Gregors (Ex-) Ines musste kurzfristig absagen. Jakob übernahm ihre Karte für Etel Adnan, (vormittags nach Jahrzehnten Bad gestrichen!). Von dieser Ausstellung hatte ich tausendmal mehr als von Frida. Da gab es was zu entdecken; interessante Texte mit geistvollen Zitaten, Schriftkunstbilder, Leporellos. („Etliche meiner Teppichentwürfe wurden aus meinen Schubladen und damit aus dem Schlaf befreit, in dem sie seit vielen Jahren schlummerten.“ – „Ich freute mich an Feder, Tinte, Seite und wie die Wörter eines nach dem anderen daherkamen.“). Und diese Farben! Danach spektakulärer Sichelmond mit blinkender Venus und Jupiter am westlichen Abendhimmel.

Im Zuge von PapierRäumereien habe ich seitenlange, 1962/1963 Maschine geschriebene Briefe meines Vaters an „meine lieben, guten Eltern“ nach Leipzig zur Zeit des Eisernen Vorhangs gefunden, in denen auch „wir Kinder“  vorkommen. Ansonsten vorwiegend kenntnisreiche, detaillierte, kurzweilige Berichte über Schweizreisen mit meiner Mutter. Am Rande trete ich als Vierjährige „mit der Gelehrsamkeit eines Papageis“ auf, die ganze Bücher auswendig „vorliest“. Und wie Bine und ich zueinander stehen. Ich als „Traumsuse“. „ZeitZeugnisse“ aus seiner Hand sind extrem rar – meine Mutter hat fast alles verschwinden lassen. Ihre Sicht der Dinge herrscht vor.

Über Nacht auf Samstag Neuschnee, Eiseskälte. Margots Käthchen-Programmheft gelesen; „Die Unschärfe der Welt“; Felix Krull liegt bereit. An den muss ich immer denken bzgl. Gregor. Vorbereitung auf mein kreativ-Lese-Angebot: „Wo du erzählst, wird Himmel“ (Else L.-S.). Obwohl Jakob viel unterwegs ist lese ich deutlich weniger exzessiv.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Sehr spannend finde ich die alten Briefe, in denen du von deinem Vater beschrieben wirst. Schade, dass nicht mehr davon übrig ist. Deine Kritik über die Frida Ausstellung hält mich davon ab, sie mir noch anzuschauen. Mit Jakob kann man bestimmt gut ins Museum gehen, der langweilt sich bestimmt nicht so schnell vor einem unbewegten Bild. Hat Jakob dein Bad gestrichen? Die junge Familie, die du besucht hast, macht es richtig. Das klingt nach viel Ruhe und ausreichend Zeit. Schön. Ich verzichte auch auf Zucker in der Fastenzeit, esse dann statt dessen Nüsse oder Cracker, wenn ich was brauche. Dass du bei Karnevalssendungen hängen bleibst, ist allein schon sehr lustig.

  2. Renate sagt:

    Das Faschingsgen fehlt auch mir. Mir gefällt, wie dir, wie ausgelassen die Leute sind und über was sie lachen können. Ich fand Frida K. nicht so übel. Van Gogh fand ich allerdings wesentlich besser. Gut, dass die Krapfenzeit vorbei ist, der Kuchen bleibt. Es wird zunehmend schwerer Pfunde loszuwerden. Am besten ist, so meine Erfahrung, der totale Verzicht von Süßem. Dass du die Briefe deines Vaters gefunden hast klingt wie aus einem Roman.

  3. Beate sagt:

    Über die Frida und die Etel haben wir ja schon gesprochen! Diese an Farben, Schnelligkeit und Lautstärke nicht zu übertreffende neue Art der Ausstellung ist die reinste Zumutung ! Und, lustig, ich habe diesmal auch Faschingstreiben im Fernsehen verfolgt. Ein Augenschmaus. Aber die Krönung war Strack-Zimmermann als Hexe

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