Arbeit, unfit und Konzert
Viel zu tun im Hospiz. Die Zusammenarbeit mit Sonja klappt gut. Sie kann problemlos abgeben an mich. Seltsam war mir am Anfang zumute in dieser Konstellation. Inzwischen habe ich mich eingefunden. War diese Woche an einigen Tagen so kaputt, dachte schon ich werde krank. Zu Hause geschont und Ferrante gelesen. Erster Band bald fertig. Ich habe mich an diesen komischen Schreibstil gewöhnt. Dienstag, mit Gegenwind zu Mama geradelt. Ich blieb nicht so lange, denn am Abend hatte ich Karten für Philippe Jaroussky, den Countertenor, mit Brigitte und Michael. Ich habe ihn schon auf CD gehört und bin eine große Bewunderin von ihm. Er wurde begleitet vom Ensemble L‘ Arpeggiata, das von Christina Pluhar, einer österreichischen Komponistin geleitet wurde. Ich mag diese alten Instrumente sehr. Einen Sänger so hautnah zu sehen, wir saßen in der dritten Reihe, war für mich keine Freude. Ich genoss mit geschlossenen Augen. Spaziergang mit Inge, die sich um eine Wohnung beworben hat und sehr hofft sie zu kriegen. Heute wieder bei Muttern. Eva war bis heute in Kroatien, so dass ich beide Besuche bei Mama übernahm. Spaziergang mit Magdalena und Mama, die sich nach längerem Gehen in den Rollstuhl setzte. Wie sich die Situation doch verändert hat. Noch vor kurzem kam das für Mama nicht in Frage.
Dass du müde bist…wen sollte es wundern!? So banal wie der erste Band ist dann m. E. keiner mehr in dieser krassen Form. Entweder man gewöhnt sich dran oder es wird besser. Dass die Protagonistin allerdings bis zu Ende immer und immer wieder die eigenen Leistungen hervorheben muss, scheint in einem hartnäckigen Komplex zu wurzeln. Dennoch – es liest sich doch wie geschmiert, oder? Eva in Kroatien? Unermüdlich.
Jetzt liest du also auch die Ferrante-Bücher. Ich fand den Schreibstil echt schlecht, aber man bleibt dran. Musik kann ich auch besser ohne den Anblick der Künstler hören. Ansonsten bin ich vom Äußeren sehr abgelenkt. Das Krankwerden hast du erfolgreich abgewendet. Vielleicht solltest du etwas mehr Pausen einlegen.
Unglaublich, wie voll gepackt Deine Tage sind! Und Du musstest Dich im Hospiz auf neue Herausforderungen einlassen- alle Achtung!
Die Ferrante konnte ich nicht so gut lesen, aber gelesen von Eva Mattes hat sich die Geschichte gut angehört. Na ja, das Ende … ich will nicht spoilern. Außer dem von Heike benannten Komplex regt mich die Blindheit der Protagonistin auf: Was für einem Menschen jagt sie hinterher? Wo bleibt da ihr Verstand, auf den sie so stolz ist?