23-04-16-Krönungsmesse in langen Unterhosen, alberne Lola und allein in Gesellschaft bei Wagner

Am Sonntag konnte dank Schießlers Krönungsmesse, seiner Entertainmants, schmissiger Interpretation des kirchlichen Liedgutes und des Wortes Gottes inmitten seiner queeren Gemeinde und manchen Vierbeiners Ostern werden. Beate und ich in langen Unterhosen, Hosen unter Wollröcken, Mänteln, Schals, Beate gar in Mütze froren wir wie die Schneider*innen. Hinterher Lesestündchen und Osterlamm daheim. Daran wollten wir am Montag anknüpfen. Leider kam aber bei mir die feiertägliche Depression und so haben wir den zweiten Akt vertagt. Vielleicht wurde das Umkippen der Stimmung durch Margots Sprachnachricht mit der unverhofften Frage nach Gregor begünstigt? Mir hat sich gleich der Magen umgedreht. Dass ich mich gerne darüber auslassen möchte, aber nicht darauf angesprochen werden will – ist das vermittelbar? Allein, um das zu rechtfertigen war ich wieder mittendrin. Den Rest des strahlenden Tages und den Folgetag Decke über den Kopf gezogen. Michael fragte, ob ich von ihm nichts mehr wissen wolle, weil ich 24 Stunden kaum ansprechbar war. Dienstag nachmittags habe ich mir einen Tritt verpasst und bin zu Birgitta zum Kaffeeklatsch gegangen, seit Wochen ausgemacht. Erwartungsgemäß hat sich die Stimmung aufgehellt. Sonst literarisch intensiv mit Wagner beschäftigt. In meinem Tran allerdings auch ziellos herumgegoogelt und – ohne Anlass – im Handy den Fall Vera Brühne mit Corinna Harfouch angeschaut. Die Leichen, für deren Mord Brühne mutmaßlich unschuldig achtzehn Jahre einsaß, wurden einst am Dienstag nach Ostern aufgefunden. Hat da mein Unterbewusstsein mitgearbeitet? Uns FeldafingerInnen wandelte damals dieser Kriminalfall hautnah und unheimlich an.

Abgesehen von einem Spontanbesuch von Heike R. am Samstag Vormittag stand die Restwoche unter dem Zeichen zweier Theaterbesuche. Am Freitag Cuvilliés: Ringsgwandls konzertante, musicalartige Lola Montez. Da wurden eineinhalb Stunden lang; überalbern seine Dichtung, abstoßend abgewrackt er in der Rolle Ludwigs I.; klamaukig. Gesang und manche Darstellung durchaus gelungen, aber insgesamt nichts für uns. Ist er eine solche Institution, dass man alles von ihm „gut“ findet? – Dann  Wagner. Michael fuhr es Stunden vorher in den Rücken, er konnte unmöglich fünf Stunden sitzen. Wie bereits beim Puppentheater vergebliche Blitzsuche: Beate in Frankfurt, Renate Rücken und kein Wagner-Fan, Heike abends auf Geburtstag. Brigitte Schulter, Katharina (Ex-Kollegin, von der mir Renate die Nummer gab), unterwegs zum Ehrenamt. Margot in Töging usw. Manche kann man nicht fragen. Wenn noch nie ein Interesse an Musik thematisiert wurde, kann ich nicht mit Wagner kommen. Also alleine. Eine Frau stand mit „Karte gesucht“ vor der Oper, wollte aber nur 10€ zahlen, ausgesprochen unfreundlich. Wäre sie nett gewesen, hätte sie mir gar nichts zahlen müssen. Aber so jemand wollte ich nicht neben mir haben. Dann: ein Hoch auf meine Vorbereitung! Ich war derart präpariert, dass mir wider Erwarten sogar die Musik einging. Die Darstellung bei Wagner ist bei faktischer Handlungsarmut schwierig. Die Stimmen überwältigend, unschön nur diese Erscheinungsbilder: Brangänes Statur erinnerte an Ricarda Lang, Isolde ein Fass, Tristan ein Koloss. Sie mussten liegen, begehrlich sein und konnten sich kaum rühren. Meine letzte Wagneroper liegt fünfundvierzig Jahre zurück. Vielleicht sollte es jetzt doch nicht die letzte in meinem Leben gewesen sein? Gefallen ist das falsche Wort, aber ich bin stark beeindruckt. Die Dichtung des Meisters eine Katastrophe, hatte ich beim Libretto schon gemerkt; auch schwer singbar. Mein Nachbar sagte, er läse in Englisch mit, das sei verständlicher. Das stimmte! Nette, lustige Nachbarschaft im Parkett! Theater geht prima alleine.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Sehr amüsant, die Vorstellung, wie sich die mehrgewichtigen SängerInnen begehrlich liegend auf der Bühne räkeln. Da solltest du dann vielleicht auch, wie Renate, die Augen schließen und die Stimmen genießen. Super, dass sich die Vorbereitung auf die Wagner-Oper ausgezahlt hat. Und die Erfahrung, etwas alleine zu machen und es gut zu finden, ist wertvoll. Allerdings armer Michael. Erst deine durch den depressiven Einbruch Unansprechbarkeit, dann Rücken. Schön, dass du wieder aufgetaucht bist aus den Stimmungstief. Diesen Priester Schießler werde ich mir mal merken. Die Beschreibung der Ostermesse weckt Sehnsucht bei mir, mal wieder einem Gottesdienst beizuwohnen und mich von der Stimmung berühren zu lassen.

    • Heike sagt:

      Wir können das nächste Mal bescheid sagen, wenn wir dahin gehen. Allerdings immer eher adhoc. Und unbedingt extrem warm einpacken.

  2. Renate sagt:

    Wagnersänger- und Sängerinnen sind immer sehr üppig, warum das so ist weiß ich nicht. Ohne Vorbereitung geht eine Wagneroper nicht und du hast dich darauf eingelassen. Mit Widerstand sind 5 Stunden eine Qual.

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