23-09-30- Zug verpasst – Handy-Sprechstunde – Liedtexte – Sexismus -„Freude!“ – Ortheil, Seen+Begegnung

Zuletzt hatte ich am Donnerstag Morgen Hoffnung in der Tram. Nach etlichen Ausfällen kam sie mit 1/4 Stunde Verspätung, kroch im Schneckentempo Richtung HBF. Eine Frau bemerkte meine Anspannung und sagte, alles werde gut; ich hätte sie gern erwürgt. Meinen Zug nach Zürich, der leicht verspätet abfuhr, habe ich gerade noch von hinten gesehen. Mein Wochentermin und 100€ futsch, denn MVV und DB haben „nichts miteinander zu tun“; so ist das mein Problem. Der nächste Zug – eine Stunde später, fährt zwei Stunden länger – um diese Zeit wäre die Besuchszeit vorbei. Ingo sagte, wer weiß, wofürs gut ist. Ich war mit Haut und Haar darauf eingestellt – der Tag im Eimer und ich tagelang geliefert; ist doch die Planung allein schon eine Anspannung, die im Zugverpassen eskaliert. Neuer Termin: Montag. Damit bringe ich bei einem Besuchskontingent von 1 x wöchentlich unseren Plan durcheinander, was inzwischen geregelt werden konnte zwischen Simon (Zepter), Ingo und Bine. Zum Thema Hoffnung zitiere ich „man kann nicht nicht hoffen“  eine Philosophin. Auf „wir sind zum Hoffen verdammt“, stoße ich weiterhin googelnd. – Später wollte ich mir einen Tritt geben und meinen Absturz durch Schwimmen abmildern und strandete nach 1/3 Strecke mit einem Platten – erst Schlingern, dann das typische Rumpeln auf der Felge.

Montag „Handysprechstunde“ im ASZ Obermenzing. Der Fachmann weniger logorrhöisch als telefonisch. Dann der Fahrradschlüssel weg, weil ich abgehetzt/kopflos dort angekommen war. Am nächsten Tag mit vier Verkehrsmitteln, die den Anschlusssuchenden jeweils vor der Nase wegfuhren, wieder hingefahren, nachdem der Schlüssel dort aufgetaucht war.

Erbaulich dagegen der Austausch mit dem Ex-Kollegen und Musiker A.. Öfters bekomme ich Foto-, Text- oder Musiknachrichten, die ich detailliert kommentiere. Gestern haben wir nach gründlichem Hin und Her telefoniert. Da hat er eine meiner „Prosa“ – Whatsapps rhythmisiert vertont! Eines gab das andere; so entstand in der Resonanz auf ihn meinerseits ein kurzes Gedicht, aus dem er wiederum ein Lied gemacht hat, das mich jetzt – da ich zerknirscht bin, aufbaut, zum Lachen und Weinen bringt.

Unterwegs einen Muskelmann mit Sonnenbrille gesehen, leicht bekleidet in kurzem Höschen und Trägershirt. Wenn ein Mann sich so zeigt grenzt das für mich an Belästigung. Warum aber sollte er das nicht? An seinem abstoßenden und ungewohnten Anblick wurden mir die unterschiedlichen Maßstäbe bewusst, die wir inzwischen gesellschaftlich anlegen. Für ihn ziehe ich exhibitionistische Attitüden in Betracht. Vergleichbare Beobachtungen bezogen auf Mädchen und Frauen empfinde ich aber auch als grenzüberschreitende Zumutung  – fühle mich damit ziemlich allein. Besonders kotzen mich zurzeit die neckischen Auftritte Richtung Wiesn an; ebenfalls, etwas „abstrakter“, die sexistischen Werbetafeln, die H&M beispielsweise derzeit präsentiert. Männliche Fantasien? Alles nur „patriarchale Machtstrukturen“? Mag sein. Ohne Frauen, die so posieren, ginge es allerdings auch nicht.

Gestern Abend allein in „Freude!“ mit Monika Manz; meine Partnerin coronakrank. Das Stück (ohne Worte) so quälend, das Publikum so klein, dass ich mich nicht gewagt habe, abzuhauen. Innere Widerstände verursachen mir immer Zwerchfellkrämpfe; ich konnte es kaum durchstehen. 14 von insgesamt 17 ZuschauerInnen waren Gehörlose, die sich im Foyer lebhaft in Gebärdensprache unterhalten hatten. So interessiert ich „zugehört“ habe, ich war Luft. So muss sich jemand mit Handycap fühlen, vollkommen abseits. Was aber auffliel, abgesehen von höchst unterschiedlichen Temperamenten: diese wunderbare Ruhe im Gegensatz zur lauten Welt draußen!!

Ortheills „Stift und das Papier“ zu Ende gelesen, für mich ein „Leib&Seele-Buch“. Jetzt ist „wie ich Klavierspielen lernte“ dran. – 3 x Schwimmen in Feldmoching und Possenhofen. Ich hatte gerade von Erwin Olafs Tod nach Lungentransplantation geredet, da begegnete Michael Evas Sohn auf der Bank am Steg, als ich im Wasser war. Auch sie war unmittelbar nach „gelungener“ Transplantation gestorben.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Wieviel Pech kann man haben, insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So ärgerlich, dass du diesen wichtigen Besuch in Zürich dadurch verpasst hast. Und dann dieser furchtbare Kommentar, dass „alles gut wird“, grrr. Und dazu noch der platte Reifen und der verlorenen Schlüssel. Richtig viel Pech auf einmal. Deine Theaterstückerfahrung mit den Gehörlose sehr interessant, wenngleich anstrengend. Auf die H&M Werbung muss ich mal achten, ich blende so etwas aus. Und was verbirgt sich hinter dieser Handysprechstunde? Erklärt dir jemand, wie das Handy funktioniert? Ich sehe schon, dass ich dem Ortheil nochmal eine Chance geben muss, nachdem ich ihn nach mehreren Büchern regelrecht über hatte.

    • Heike sagt:

      Ortheil lese ich aus einem anderen als dem literarischen Interesse. Manches von ihm ist unerträglich. Ich „studiere“ ihn als einsame Psyche (deshalb auch meine „diagnostische“ Frage an dich) voll zwanghafter Gewohnheiten, lebensfremder Systematiken – einfach als detailliertes Journal der Überlebensstrategie eines tragischen Familienkonglomerats.

  2. Beate sagt:

    leichtbekleidete Muskelmänner, Dirndlschönheiten mit allzutiefen Ausschnitten, Spätsommereindrücke aus München, die mir Gottlob zwei Wochen lang erspart blieben. Zur Wiesnzeit meide ich den öffentlichen Raum so gut es geht. Dass Du dazu das Pech einer dahin schleichenden Tram hattest und den Zug nach Zürich verpasst hast, gehört fast zusammen. alles ist doch durcheinander in dieser aufgehetzten Zeit.jetzt ist die Wiesn zu Ende. Aufatmen

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