23-10-07 – Letzter Seegang? – Hafteindrücke – Lesen, Schreiben + ein Leben in Vorbereitungen

Außer Lesen und Schwimmen im inzwischen eiskalten Feldmochinger wenig geboten. Das wohl letzte Mal am 3. Oktober. Nach fesselndem Ortheil`schen Klavierbuch hat sich  – erwartungsgemäß – ein Loch aufgetan. Welches Lesevorhaben soll jetzt standhalten? – Für 4,50€ „Verkörperungen“ bei Booklooker verkauft – stundenlang Anstreichungen ausradiert – um dann zu  erfahren, dass es vergriffen ist und inzwischen ab 59 € angeboten wird. Abwechslungsreiches Werk über Systemik, das die Spiritualität nicht vernachlässigt, von dem ich mich schwer trenne. 4 cm gewonnen, gleichzeitig allerhand Nachschub unterwegs – u. a. Fosse aus aktuellem Anlass.

Am Montag erneut Zürich, diesmal wieder Bus, pünktlich auf die Minute. Bei Fabian war es „schön“. Allerdings schlägt mich seine manische, manipulative, hyperaktive Art in Bann. Hinterher frage ich mich, ob ich all die Aufträge erfüllen, mit Gott-weiß-wem Kontakt aufnehmen will, wer alles für ihn „spenden“ könnte, damit er weiß-der-Teufel-was kaufen kann; ob es wirklich notwendig ist, alles „Notwendige“ sofort zu bekommen vom Gerät zum Abspielen von Meditationen nach bestimmter Methode, über Lesestoff (die Bibel will er bereits gelesen haben (?); ein Riesenbuch über Bach; jetzt Platon – dafür gibt ein befreundeter Anwalt Geld incl. Bestell-Liste ab) bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln. Mit Ingo Zahnarztmahnungen von 2830€ übenommen; Fabian ist (natürlich) nicht krankenversichert. Er freut sich, springt euphorisch in unser Kabuff. Und die Puppen tanzen. Er steht als erster morgens Schlange, um den Putzfeudel zu holen, steht angeblich um 5:30 auf, um Sonne, Mond, Sterne, Süden, Osten usw. zu begrüßen, hat eine Sportmatte aufgetan, die er in seinen 7-8 qm zwischen Bett, Klo und Tisch auslegt, braucht die meisten Zitronen, wenn 1 x wö. der „Laden“ öffnet, weil er morgens Zitrone trinken muss. Er braucht, braucht, braucht…. nimmt sich aber auch eines anderen an, der den Blick nicht mehr vom Boden hebt, oder anderer, die nie Besuch bekommen, webt Netze, versucht auszublenden, dass manche an Türen rütteln, schreien oder streiten. Ich habe die 5kg genehmigter „Gaben“ angeschleppt. Nicht so einfach ohne Metall und Glas, alles original eingeschweißt. Süßigkeiten wären ok, Fabian lehnt aber „alles, was dick und faul macht“, ab. Er frohlockt, wie wir uns austauschen – Familienzusammenführung á la Fabian unter systemisch pikanten Umständen. – Nebenbei höre ich, dass jemand schon 15 Monate dort ist – ganz im Ungewissen. Krasse Ungleichheit – wie im echten Leben. – Wieder Brief an Fabian. Whatsapp und Telefonat mit seiner Mitbewohnerin, ausgesprochen nett und vernünftig.

Michael hat im x-ten Anlauf versucht, das Flurregal weiter zu bauen. Diesmal war der Schreiner zum Zusägen im Baumarkt, die Bretter aber erst wieder in zwei Wochen lieferbar. Dafür konnte er einen Regalboden im Bad versetzen – zwei zusätzliche Fächer – Freude!! Für eine Aufbewahrungslösung im Bad entschieden statt todschickem Spiegelschrank, der zu uns nicht passt. Ganz zu schweigen von passenden Formaten – nichts als Kompromisse. „Eigentliches“ vertagen wir oder es geht schief. – Auf einmal lässt sich seine Haustür nicht mehr öffnen und schließen, man ist ein- bzw. ausgesperrt. Sind nicht Schlüssel DAS Symbol für den Zutritt zum Selbst? Er legt selbst Hand an, vergeblich. Der Schlüsseldienst kommt – eine halbe Stunde später dasgleiche Problem wieder. 1-2 x wö. Begehungen des Maklers mit Kaufinteressenten. Eine Zumutung. Michael bekommt jetzt manchmal aus dem Nichts Nervenattacken.

Einstimmung, Vorbereitung und Nachklang der (Psycho-) Schreibgruppe, diesmal wieder Borstei. Die Entwicklung dieser frauenbewegten, vielbeschäftigten Damen als Gruppe stimmt freudig. B., unsere Älteste, hat eine kleine Textsammlung in wochenlanger Arbeit gestaltet – ein wahres Kunstwerk! – Allein mit mir bin ich in dieses Leben – durchwoben von Papier – vertieft. Herbstliches Leuchten als Begleitmusik.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Fabian lebt das Extreme, sogar in U-Haft. Seine Euphorie scheint nicht nachzulassen. Erstaunlich, wie diszipliniert er ist. Gleichzeitig blendet er aus und verdrängt. Wird er diesen Zustand aufrechterhalten, wenn er lange dort bleiben muss? Die Schlüsselgeschichte ist mysteriös? Scheint keine Erklärung dafür zu geben. In kleinen Schritten und vielen Rückschlägen bastelt ihr an eurem gemeinsamen Zuhause. Jetzt wird es langsam ernst.

  2. Beate sagt:

    Wie erstaunlich ist es doch, dass Fabian selbst in diesem kargen, auf ein Minimum reduzierten Raum so viel Kreativität entfaltet, Ziele, Wünsche hat und seine Tage gestaltet!

  3. Renate sagt:

    Deine Schilderung von Fabian macht mich atemlos. Diese Geschwindigkeit, dieses Maßlose….
    anstrengend. Michael muss immer noch die Begehungen erdulden, dann noch die Schlüsselproblematik. Nicht mehr raus- bzw. reinzukommen, könnte auch ganz schlicht gedeutet werden.

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