23-11-26-Fußschmerzen – Michaels Leben unterwegs zu mir und nach Afrika – Besuch, Schreibgruppe und Lebkuchen
Die Füße tun Besorgnis erregend weh. Wieso knicke ich so oft um? Ist es Überarbeitung? Manchmal fürchte ich, dass sie nicht mehr zu retten sind. Oder war es der neue Sturz?
Die Woche rückwärts. Heute bei Michael Frühstück. Um 10:00 kam meine afrikanische Nachbarin, sodass ich nicht weiter nur auf Verdacht Sachen beiseite räume. Sehr ergiebig. Sie weiß was sie braucht und will. Bettdecken, Kissen, Matratzen, Bettgestelle; Fernseher, Ventilatoren; Kühlschrank ja, Gefrierschrank ihre Cousine (die kommt nächste Woche); ein Teil der Küche, Mikrowelle, Staubsauger, Mixer, Toaster, Zauberstab, Föhne… Geschirr nicht. Problem nur, sie muss es lagern bis zur nächsten Fuhre (im April) nach Mosambik. Ihr Speicher ist so klein wie meiner. Jetzt heißt sie Lina und ich Heike. Einen Bollerwagen mit Pfannen/(Schnell-) Kochtöpfen/Sektkübel usw. haben wir ihr gleich vor die Speichertür gestellt; viel holt sie am 8.12. mit Transporter ab. Die Räumungsfirma (am 12.12.) verlangt pro Mann pro Stunde 70€uro plus 70€ pro Kubikmeter. Insofern ist es bei Lina und ihren Freundinnen gut aufgehoben. Sie spart, um den Transport zu bezahlen – wir werden evtl. etwas dazugeben.
Am Samstag Schreibgruppe in Alexandras Praxis. Diese Gruppen, Inbegriff von Erbauung und Erfüllung, binden mich mit Haut und Haar. Da vergesse ich meine Sorgen und Anstrengungen. Da eine bei Dasein Hoszpizbegleiterin ist/wird kam das dortige Märchenseminar zur Sprache. „Wie kann es sein, dass wir das nicht erfahren?“ Bis auf eine, die in der morgendlichen Hektik gestürzt war und ausfiel wollen alle ein Märchen WE auf der Fraueninsel oder in einem anderen Kloster. Wie’s mich freut! Mittags hat mich Michael mit Nudeln Carbonara empfangen – was Erinnerungen an Peter mobilisiert und bewusst gemacht macht, dass Zusammenleben ein ganz neues Einlassen bedeutet. Ich werde nie vergessen, wie es war, nach dem Licht zu schauen, ob es brennt und zeigt, dass er da ist – und dann brennt das Licht nie wieder und er ist nie wieder da. Natürlich wird auch einer von uns – wie bei jedem Paar – eines Tages allein zurückbleiben.
Nachmittags kam Beate nach Langem zu Tee und Lebkuchen. Wir betrachteten unser Gewordensein aus neuer Warte. Alles Vertrautsein und umeinander Wissen verdichtete sich. Märchenlesen wie geplant, Füßekraulen wie gewohnt – diesmal nicht.
Neuen Literaturkreis-Versuch am Freitag sausen lassen. Stattdessen Lebkuchen gebacken!
Am Donnerstag „Kleinst-Stammtisch“. Am Dienstag Renate zu Tee und Nusskuchen – ins Gespräch vertieft bis zur Dunkelheit – Sichtung restlicher Spielsachen vom Speicher auf eventuelle Tauglichkeit für Luis.
Manchmal lese oder höre ich etwas Sehens- oder Hörenswertes, aber alles wird absorbiert von der Räumung. Gerade haben wir uns – nach der Aktion mit „Lina“ – herrlich Ente mit Blaukraut und Knödeln gekocht, nebenbei Küchengerät aufs Neue gesichtet und ausgedünnt – jeder hat ja Messer, Schäler, Mörser ….die ihm besonders gut in der Hand liegen. So durchmischen wir nach und nach unsere Leben. Erstaunlich viel schluckt meine Wohnung! Diese Woche ist Michaels großer, schwerer Teppich in sein Zimmer (das „goldene“?) gewandert, der herrliche rote dafür ins Wohnzimmer – behaglich!!
Ist das toll, dass Michaels Sachen nach Mosambik geschickt werden, wo sie wirklich noch gebraucht werden Spontan hatte ich die Idee, dass ich auch einen Geldbeitrag zu dem Transport beisteuern will. Weihnachtsgeld für einen guten Zweck. Deine Fußschmerzen oweh. Was kannst du tun, damit es besser wird? Herr Diener, oder die Physiotherapeutin zu Rate ziehen.? Das Zusammenziehen in fortgeschrittenem Lebensalter ist schon ein gewaltiger Schritt und wie lange das gemeinsame Leben noch anhält, steht in den Sternen. Ich wünsche dir viele Tage, an denen du das Licht brennen siehst. Die Schreibgruppe bei Alexandra scheint ja wirklich sehr begeistert zu sein. Jubel. Von den herrlichen Speisen, die es bei dir und euch gibt, läuft mir das Wasser im Mund. Hoffentlich bekommen wir von den Lebkuchen eine kleine Kostprobe.
Dass deine Nachbarin eine Menge gebrauchen kann ist gut für beide Seiten. Ihr habt sicher noch genug für die Räumungsfirma übrig. Dein umknicken ist sonderbar. Herr Diemer weiß sicher Rat. Bald wirst du deine Wohnung mit Michael teilen, ein enorme Umstellung für Euch, mit der Hoffnung dass das Licht noch lange brennen wird.