90 Jahre, Platz schaffen und der Motettenchor
Zu früh einen Friseurtermin ausgemacht, denn die Frisur saß noch ganz gut. Absagen ollte ich den Termin nicht. Wenig wurde abgeschnitten. Kurzbesuch im Hospiz. Erstens um meine bestellten Sachen von Prima Vera zu holen, zweitens um ein paar Worte mit dem Nachfolger von Sonja zu wechseln, drittens Termine für Januar mit ihm zu machen. Herr S. erinnert mich sehr an Benni, ein ehemaliger Ehrenamtlicher. Ein sehr aufgeschlossener, redseliger, (Benni) netter, junger Mann. 90. Geburtstag von Mama. Eva kam und brachte die Geschenke, ging aber nicht ins Haus, weil Andrea Corona hat und Eva Angst hatte uns anzustecken. Eva und ich machten mit Mama deswegen einen Spaziergang. Zurück, hatte Sylvie den Tisch gedeckt. Ich habe Schokoladenbrot gebacken, dem Mama sehr zugesprochen hat. Anruf von Tante Marianne, 93 Jahre, glasklar im Kopf, immer noch aktiv im Altenclub. Mich machte das traurig, dass unsere Mutter dement ist und wir keine Möglichkeit mehr haben ein Gespräch über jetzt und früher zu führen. Es kamen noch mehrere Anrufe, von Linda ein Video von ihrer Familie, die, eingebettet in eine kleine Choreographie ein Geburtstagslied sangen. Am nächsten Tag schrieb Sylvie, dass Mama in der Nacht die Fensterläden auf und wieder zugemacht hat und ewig rumgegeistert ist. War ihr, wie es scheint alles zuviel. Das Tanzprojekt, zu dem ich mit Gabi gehen wollte, seinlassen. Fühlte mich gar nicht gut, so dass ich den ganzen Samstag auf der Couch liegend verbrachte. Test negativ. Schubladen mit Fotos, Papier, Schleifen, Ansichtskarten, Geschenkpapier, Texten gesichtet und großzügig ausgedünnt. Eine Riesenkiste mit Geburtstagskarten steht noch im Wohnzimmer und will noch durchgeschaut werden. Am Abend in die Matthäuskirche, auf ein Konzert des Motettenchors, mit Gabi gegangen, Christian, ein Freund von Gabi, den ich auch kenne, singt schon sehr lange in diesem Chor. Ein starker Chor. Gefiel mir sehr gut.
Zuerst habe ich Mottenchor gelesen und dachte auwei! Das Ausdünnen muss ich mir abschauen – wie nur? Schon bei manchen Preziosen wie Möbeln gibt es gerade mit Jakob Diskussion. Jetzt ist es zu spät. Dass es traurig ist, über früher nicht mehr sprechen zu können erinnert mich an meine Mutter. Mit fortschreitender Demenz wollte sie zuletzt nichtmal mehr etwas von ihrer eigenen, jahrelang angefertigten Chronik wissen. – Herr Sailer erinnert wie Benni? Das macht mich gespannt!
Ich war auch oft traurig, als mein Vater zunehmend dement wurde. So vieles, das nicht mehr gefragt werden kann, dann das Entrücktsein und du hast das Gefühl „jetzt komme ich gar nicht mehr an ihn ran“. Trotz alledem führst Du unbeirrt Dein Leben, das find ich sehr stark!.