2024-03-31-Sanftmütiger König + verliebter Wilhelm; kleine Rose + Maising; Joh.-Passion, Resi + Jubelmesse

Nach ergiebiger Palmsonntagsschreibe zum sanftmütigen König und unserem persönlichen Abendmahl bei Renate mit Käsekuchen, Osterfladen, Palmsträußchen Mitfahrgelegenheit bei Ines – komfortabel bei Aprilwetter mit wechselweise Graupelschauern, Regengüssen und Sonnenschein. Kopfschmerzen. Zu Hause ist Beates Klebestift weg – ich verliere momentan viel, u.a. Fahrradschlüssel und Peters silberne Taschenuhr – ein wichtiges Erinnerungsstück. Am Montag bei Boesner Ersatz besorgt – aber es ist doch nicht dasselbe! Am Karsamstag – hinter einem Spiegel wiedergefunden. Wie kann das sein?

Montag früh himmelblau wolkig. Mir gehen unsere Texte und Gespräche nach. Jemand sagte nach einem EinkehrWochenende zur spirituellen Biografie (Titel „Sehnsucht“), diese habe sich als intimer entpuppt als etwa die Geschichte der eigenen Sexualität. Unsere Texte gestern berührend, beinahe „bekenntnishaft“, teils feierlich. Wie tief „diese Dinge“ wurzeln, und sei es als Abwehr, dessen sind wir oft nicht bewusst – bedeutendste Erkenntnis meiner Hospizzeit, der ich in meiner Masterarbeit Gestalt gegeben habe. Eines der wichtigsten Themen überhaupt – darunter alles entscheidende Fragen.

Am Dienstag wieder Wilhelm-Meister. Was ich da erlebe, sprengt bei Weitem, was ich mir davon erhofft habe. Entsprechend könnte ich danach den Keller erleuchten – so rot glüht meine Birne vor Freude und Inspiration. Danach bin ich stundenlang kaum ansprechbar – lebe darin weiter. Mir scheint, ich habe Wilhelm nicht – wie ich dachte – „einfach so“ als irgendein Stück ewig Gültiges gewählt, sondern als späche die Geschichte zu mir persönlich. Sein Brennen fürs Theater, sein alles Geben, damit nur jemand mit ihm spielt, findet seine Entsprechung in mir, wenn ich so unsagbar erfüllt werde mit dieser Erfahrung. Die Vertiefung, Vervielfältigung, Vergründlichung des Leseerlebnisses durch die Gruppe – alles nur aus dem jeweils eigenen Erleben heraus! Wie verderblich war dergleichen doch in der Schule. Endlich, endlich, darf sich eine eigene Form entwickeln. Gestern erstmals Susanne dabei – große Freude. Renate, Gabriele; und erstmals Martha, die etwas Mildes, Gütiges mitbringt.

Die Folgetage „Nacharbeit“ mit Protokoll, Kategorienbildung bzgl. Themen, Nachschlagen fremder Wörter – bei genauerem HInsehen andere Bedeutungen als beim ersten Googeln. Nach- bzw Vorauslesen. GruppenLeseErfahrungen der letzten Jahre gehen mir nach. Ich habe aus Misslingen gelernt – nichts war umsonst, frei nach Beckett: „Try again. Fail again. Fail better.“  – Mittwoch FREI. – Donnerstag „Kleine-Rose-Stammtisch“. – Karfreitag. Fröhlicher Himmel mit …welchen Wolken eigentlich – muss ich Stifter befragen? S-Bahn nach Possenhofen, von dort Bus zur Mailinger Schlucht. Über 1,5 Stunden für einen vier km langen Spaziergang gebraucht – Familien, Kinder auf entwurzelten Bäumen, Wasserrauschen, Vogelsang, Blümelein. Auf dem Rückweg uigurischer Imbiss statt Kochen. Abends, vorbereitet durch den Zeitartikel, Johannes-Passion in der Christuskirche – ergreifend, erhebend zur österlichen Einstimmung. – Karsamstag Vogelführung sausen gelassen. Schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht aufgerafft habe, dafür ein Eichkätzchen gesehen, das sein Junges im Maul schleppte, schwerfällig springend. Heute alles verhangen von Saharastaub. Abends zum zweitenmal – diesmal mit Fanny und Alexandra – Andersens Erzählungen. Wieder einer, der brennt und insbesondere vom „Märchen seines Lebens“ besessen ist – tolle Kostüme, sagenhafte schauspielerische, tänzerische und musikalische Leistung. Es hat uns sehr mitgerissen. Das Haus voll, die Resonanz groß. – Nach Osterfrühstück Christkönig. Predigt und Lesungen über (bunte) Tränen; einen Neuanfang wie Sauerteig; ein junger Vater mit Baby, der zwischen seinen Eltern saß wie ein Kind; Händels Halleluja; Carl Maria von Webers Jubelmesse, die Kirche bis zum letzten Platz besetzt. Statt hinterher Osterbier mit Brezen Michael am Friedhof getroffen. So vielfältig unterfüttert darf es zu Hause profan werden.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Dein Beitrag stotzt vor erfüllter Begeisterung, wie schön ist deine Erfahrung mit der Wilhelm Meister Gruppe. Eine volle Kirche gibt es sonst nur an Weihnachten. Dieser spirituelle Aspekt hat bei mir diese Ostern vollkommen gefehlt. Die von Vermummten mit Spitzhüten begleitete Prozessionen, die man hier mit zwiespältigem Gefühl verfolgen konnte, waren eher Touristenattraktionen.

  2. Beate sagt:

    ich freue mich schon sehr, dass ich im April zur Wilhelm Meister Gruppe hinzu kommen kann! Unser Schreiben am Palmsonntag hat auch mir einen besonders starken Eindruck hinterlassen. Wie „verstopft“ ist doch über Jahre und Jahrzehnte mir der Zugang zu Spiritualität . Wieviel wissen wir da über uns selbst? Spüren wir ein Defizit (wenn es überhaupt eines gibt)? Auf jedem Fall: In den Ostertagen in der Kirche zu sein ist ein erhebendes Erlebnis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert