2024-06-30-NachBerlinWoche- Knochendichte, MRT+WM – Hochzeit ohne Ehe und ein Minenfeld von Triggern

Herrlich, wieder zu Hause zu sein! Ich lümmele herum, schlafe, wenn ich nicht lese. SamstagsGruppe schwingt nach – SeelenFutter. Da die Fußblase fast bis auf den Knochen wehtat habe ich mit Schuhen pausiert. Heilt das wegen ASS so schlecht? – Am Montag per Fahrrad zum Singen; nach Halbzeit zur KnochenDichteMessung. Abgesehen von den Kühen am Einlass, die die Köpfe kaum heben, reibungslose Sache mit positivem Ergebnis. Die Ärztin sagte so nett, wenn man „etwas korpulenter“ sei produziere man Östrogen – gut für die Knochendichte. Und „viel Bewegung“! – wir haben beide gelacht. Sie war so taktvoll, nicht nach meinen Sportarten zu fragen. Am Nachmittag letzter Obstjoghurt – Henkersmahlzeit vor dem MRT am Folgetag bei den Barmherzigen Brüdern – atmosphärisch ein Unterschied. Die Damen sitzen zwar unschön im Raum ohne Fenster, reagieren aber, wenn jemand den Raum betritt, sind entgegenkommend, auch am Telefon, wo jemand störrisch scheint: Ich verstehe, was Sie meinen… Welche Wohltat. Da ist es halb so schlimm, dass ich zur Durchführung eine Derbe ohne Feingefühl und notwendige Expertise im Umgang mit Patienten bekomme, z.B. bzgl. notwendiger Einweisung, die ihren Finger in meine marode Schulter bohrt und mir beim Abnehmen des Kopfhörers ein Büschel Haare ausreißt. Auch hier ein netter Arzt – Befund ohne Beurunhigendes, allerdings sollte Darmspiegelung folgen (Divertikel evtl. entzündet). – Im nachmittäglichen LeseKreis nennen gleich drei eine empfehlenswerte Praxis. Ich hab’s nicht eilig. In Gabrieles Gartenlaube vorzüglich getagt, nicht zu heiß, nicht zu kalt, absolut geschützt, als wären wir allein auf der Welt. Wilhelm Meister spielte diesmal bei Frühlingsspaziergang unter einer Eiche – das entsprach dem Lesen im Grünen. Langsam klingt mein permanentes Kopfweh ab, das evtl. durch Kontrastmittel oder durch abnormes Atmen und Luftanhalten beim MRT verschärft war.

Literarisch schweife ich momentan im Internet, lese Beiträge des Gefängnistheaters. – „Kibogos Himmelfahrt“ von Bine (skrupellose Missionierung in Ruanda, Hunger, Dürre). – Dann Pamuks „Museum der Unschuld“. Wenngleich es „jung“ ist mutet der Blick des Protagonisten auf Frauen etwas schal an. In einer Zeit, in der Gomringers Gedicht über schöne Frauen nach jahrelangem Prozess von einer Hochschul-Fassade getilgt werden musste, klingen solche Töne, (auch wenn ich die Genderthematik nicht mehr hören kann), wie aus der Zeit gefallen. „Man“ schreibt heute so nicht mehr. Wann wird Pamuk wohl dafür an die Wand genagelt?

Am Freitag traf Jakob ein. Michael krank; also treten nur Jakob und ich die „Reise“ nach Beuron an. Die Hochzeit – für mich wichtig, mit etlichen bekannten Gesichtern und schönen Gesprächen – hat mich allerdings bis zum Abend so mitgenommen, dass ich gehen wollte/musste. Letzter Auslöser war Stefans Reaktion, als ich sagte, ich sei ja die Vertretung für Simon. Sein Gesichtsausdruck, wie er mir erzählte, dass sie bei Emilians Geburtstag um 5:00 morgens in der Küche saßen und weinten, wie er mich in den Arm nahm, das hat einen regelrechten Ausbruch ausgelöst. Ich wollte verschwinden, aber Stefan schleppte mich zu Emilian, der gleich mitgeweint hat und seinerseits Jana dazuholen wollte (dabei kann genau das eigentlich nur der engste Kreis teilen). So verlief mein Abgang nicht sang- und klanglos, denn einige haben das mitgekriegt, so war es nunmal, sie haben es verstanden, es ginge ihnen genauso. Jakob hat mich zum Bahnhof begleitet, ich in den erstbesten Zug gestiegen – von Hausen nach Beuron, nach einer Stunde nach Ulm, nach einer halben Stunde bei Mückenüberfall in von Franzosen überfüllten Zug Richtung München. Ich war so erledigt, konnte keine Zeile lesen. – Sehr schön bunt waren Emilian und Jana, Jana in einer Art Unterrock mit mutmaßlich selbstgenähtem gelbem Tüllfummel drüber, dazu unelegante Sandalen und ein gelbes Tülltüchlein, mit Haarklammern ins Schnittlauchhaar geklemmt als Schleier – sehr originell und cool. – Ein Partnerschaftsvertrag, von Jonas aufgesetzt (nach seinen Worten ohne rechtliche Relevanz) – extrem emanzipiert, nicht auf gemeinsamer Couch sitzend, sondern jeder auf eigenem Sessel. Adrian hat moderiert, ein Auftritt der drei Geschwister (Emilian, Adrian, Lorena) der Band, die sie vor zwanzig Jahren waren, eine Freundin sang Bossa Nova; Onkel und Cousins aus Brasilien, teils aus Sao Paulo, teils aus Liverpool, alles dreisprachig. Tolles Ambiente, sehr alternativ. Ein schönes Fest und keine einzige triggerfreie Ecke. Da war irgendwann das Maß voll. – Die Heimkehr niederschmetternd: ein von Bierleichen, Scherben und grölenden Proleten gesäumter Slalom durch eine meine verwüstete, geliebte Heimatstadt.

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2 Antworten

  1. Beate sagt:

    Ach diese wunderbare, bunte Hochzeit! So die Liebe feiern, die verbindet, das gemeinsame Leben, dieser Tag des Glücks mit Freundinnen und Freunden, ich habe sehr geweint, als ich deine Zeilen las- dass Simon gefehlt hat, dass ihr miteinander weinen konntet, wie kostbar ist diese Verbindung, die mit dir an seinem Grab stehen annähernd in jedem Jahr

  2. Ines sagt:

    Also erst mal toll, dass die Knochen dicht sind und das MRT überstanden und nichts Schlimmes zu sehen ist. Darmspiegelung ist jetzt nicht mehr schlimm.
    Hochzeiten sind ja eh emotional. In dem Fall der Hochzeit von Simons Freunden kann ich es mir vorstellen, wie es dich mitgenommen hat. Die Freunde beeindrucken mich immer durch ihre Einfühlsamkeit. Jetzt kannst du dich zu Hause wieder etwas davon erholen. Michael hat hoffentlich auch nichts langwieriges.

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