Chemotherapie, Freudentränen und ein Wochenende am See

Am Montag besuchte ich nach der Arbeit Florence und ihren Freund. Ich hatte schon erwähnt, dass ihr Freund Michael vor kurzem eine Krebsdiagnose bekommen hat. Inzwischen weiß man, dass er auch eine inoperable Metastase in der Lunge hat. Er hatte seine erste Chemotherapie 3 Tage bevor ich zu Besuch kam. Zuerst war ich überrascht, wie munter er auf dem Sofa hockte und wie lebhaft er am Gespräch teilnahm. Allerdings hatte er keinen Hunger und Flo und ich aßen alleine, während er unter der Decke auf dem Sofa sukzessive abbaute. Kurz bevor ich ging bekam er starken Schüttelfrost und es wurde ihm so schlecht, dass er sich übergeben musste.  Beim Gang zum Bad musste er gestützt werden und da sah ich auch, dass er schon massiv abgenommen hatte. Die Nebenwirkungen der Chemo, von denen er die Tage davor noch verschont war, schlugen richtig stark zu. Mir tut es so Leid, was die beiden jetzt durchmachen und natürlich die Ungewissheit, ob er es überhaupt überleben wird. Sie haben sich erst spät im Leben gefunden und er ist gerade erst zu ihr gezogen und nun steht ihnen diese schwere Zeit bevor. Florence geht super damit um. Sie ist auch Psychologin und arbeitet mit Schwerstkranken, die auf eine Transplantation warten, insofern ist sie gewohnt mit Krankheit umzugehen. Ich wäre aufgeschmissen.

Am Dienstag nichts Besonderes. Fitnessstudio nach der Arbeit ist schon eine Routine. Oft treffe ich dort auf Hubert, der seinen Trainingsrhythmus meinem angepasst hat. Am Mittwoch das letzte Mal Yoga vor der Sommerpause. Maja hatte sich außer der Reihe angesagt, uns am Abend besuchen zu kommen. Als wir ihr ein Glas Wein anboten, lehnte sie ab und sagte, dass sie jetzt länger keinen Alkohol mehr trinken würde und da war klar, dass sie schwanger ist. Ich war so berührt im ersten Moment, dass mir die Tränen kamen und ihr dann auch gleich. Bei uns beiden ist das immer so, dass die Tränen der einen auch bei der anderen zu Tränen führen. Der Rest des Abends war natürlich die Schwangerschaft Thema, die ich im Übrigen noch nicht weiter erzählen darf aber im Blog gelten andere Regeln, denke ich. Später kam auch Bernd noch dazu und wir saßen lange draußen und freuten uns über die schöne Nachricht. Ich werde also Oma (wenn alles gut geht, sie ist noch ganz am Anfang). Ganz anders als ich damals, macht man sich heute unmittelbar über alles kundig. Die beiden haben sich gleich für die Entbindung im 3. Orden angemeldet und eine Hebamme organisiert. Maja hat schon klare Vorgaben, was sie jetzt essen sollte und was nicht, damit das Baby sich gut entwickelt, also auch hier die Optimierungswelle, die überall zu finden ist. Ich überlege jetzt schon, was ich mit dem Kind machen möchte und was ich ihm beibringen kann. Geburtstermin soll der 4. März sein.

Freitag fuhren wir nach Schliersee. Ich war so kaputt von der Woche, war auch nochmal beim Training nach der Arbeit, dass ich mich nur ausruhen wollte. Abends kochen und auf den See schauen und später noch im Fernsehen die spektakuläre Eröffnungsfeier der Olympische Spiele in Paris angeschaut. Samstag nach dem Einkauf, kleine Radltour und dann das erste mal in diesem Jahr Baden im Schliersee. Am frühen Abend kamen Maja und Bernd mit ihrem Besuch aus Hamburg (ein Paar, das extra für das Konzert heute von Taylor Swift angereist war). Der Mann ist riesig groß und ein echter Taylor Swift Fan, kaum zu glauben. Die Frau ist Influencerin und verdient ihr Geld, indem sie Produkte auf einer Internetplattform ihren Followern näher bringt.  Eigentlich hat sie einen richtigen Beruf aber als Influencerin verdient sie viel mehr. Man könnte denken, dass die beiden total doof sind, aber ich muss sagen, dass es ein wunderschöner, interessanter und unterhaltsamer Abend mit den 4 jungen Leuten war. Es war 21.30 Uhr als sie zur BOB aufbrachen. In der Nacht brach dann der Regen los. Inzwischen sind wir wieder in München. Heute mal nur daheim. Lediglich Wäsche und Bügeln ist angesagt. Tanzen hat auch schon Sommerpause.

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Ich hatte vergessen, was du von Florences Mann berichtet hattest. Eine schwere Aufgabe! Manche Chemos gehen tagelang gut, dann erst kommen diese Einbrüche. Weiß der Himmel… – Durch Direktkontakt hast du die Chance, Menschen wie den Hamburgern gegenüber was anderes als Befremden und Verachtung zu spüren, wie ich sie empfinde. Für mich stinkt es einfach nach scham- und skrupellosem Geschäft. – Dagegen: was für eine schöne Nachricht! Ihr bis heute und wie eh und je in dieser gegenseitigen Resonanz! Ich bin berührt und geehrt, dass hier „andere Regeln gelten“ – und so hüten wir das Geheimnis!

  2. Renate sagt:

    Zur Zeit höre ich oft von Krebsdiagnosen und Chemotherapien. Trügerisch diese Chemos. Wie schnell sich der Zustand verändern kann. Die Nachricht von neuem Leben das sich ankündigt, wunderbar.

  3. Beate sagt:

    Wie nah diese beiden Nachrichten zeitlich gelegen sind! Als ich wegen der Niederkunft mit Alina auf dem Weg zum Krankenhaus war, begegnete mir eine Freundin, die gerade einem Freund beim Sterben beigestanden hatte – daran erinnert mich das!
    Herzlichen Glückwunsch für die Aussicht, Oma zu werden! Wunderbar!
    Taylor Swift habe ich akustisch sehr nah mitbekommen: All die Massen in Glitzerkleidung, die in unserer Siedlung hindurch geströmt sind! Ihre Songs kamen aber nur verzerrt, laut rüber! Ich finde diese ja eher belanglos, ihre Texte werden gefeiert. Ich finde es schön, dass sie politisch auf der „richtigen Seite“ steht, dass sie ein Vorbild ist, das weder raucht noch trinkt. Nur: Warum tritt sie eigentlich immer im Badeanzug auf?

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