2024-11-23-1xSaubande + 2xKammerspiele, 3xLesung + Singen – Mietvertrag, Privates, internationaler Haftbefehl + Banane für 6,5 Mio

Letzten SonntagVolkstheater – Matinée: Beates Saubande rührt in musikalischer, kabarettistischer und sprachkünstlerischer Vielfalt zum Lachen und zu Tränen! Hinterher Einladung ins Schmock – für Auge und Gaumen köstlich-bunter jüdischer Vorspeisenteller + Tiramisu. Rundum erfüllt und zutiefst befriedigt – ein toller Tag! – Dort zufällig Gabriele getroffen, deren Anruf mich auf dem abendlichen Heimweg erreicht. Ob ich am Montag mit in die Probe zu Ibsens „Baumeister Solness“ in die Kammerspiele komme? Das passt zu meinen HamletProben. Gabriele, Lioba und eine Barbara – die ich, wie sich herausstellt – auch kenne. Das war lohnend und klang bei angeregtem Gespräch im Blauen Haus aus. Am Ende zur Trambahn gewetzt – ein Bild für Götter, gerade noch geschafft, keuchend und unbändig lachend! – Beim Chor, mit Ines‘ SportlichkeitsVergleich im Ohr, höre ich von einer Mitsängerin, dass sie Yoga, Contemporary Dance, Zumba und Qigong macht. Hat sie kein Privatleben? Ist Tanzen Sport, Pflicht, Kür oder Vergnügen? Körper ist privat. Auch im öffentlichen Raum? „Privat“ im Sinn von „geraubt, abgesondert“. Etwas, das ich dem Öffentlichen entziehe? Körper als Leistungsprojekt – das müsste privat nicht sein. Eine Performance drehte sich auch im Theater der selbstgeißelnden Körperoptimierung. – Dienstag Vormittag Mietvertrag vorbereitet – danach Renate im Alex getroffen (Café Gudrun leider geschlossen), wo wir uns lebhaft unterhalten, lecker gegessen (leicht überfressen) und gleichzeitig die dort allgegenwärtigen rumänischen Bettlerinnen beobachtet und „reflektiert“ haben, über exakt die ich am Vortag eine ARD Reportage von 2019 gesehen hatte! Danach zu Beate – Auto holen.- MIttwoch Wecker 5:30, um die Elekriker in Augsburg reinzulassen (neun Stunden zu zweit= 2600,40€). Schneegestöber unterwegs. Mit meiner Mieterin – pünktlich, ohne Kind – im Café Laxgang Mietvertrag gemacht; ins Gespräch gekommen. Thema Ängste bei ihr, beim Kind V.a. Autismus. Mir scheint sie sympatisch, sensibel, nix „alles-gut“. – Abends Buchvorstellung der Historikerin Marita Kraus über „Feldafing und der Nationalsozialismus“ im ausverkauften Werkraum. Stefan Merki und Anja Signitzer lasen die Zitate, Viola Hasselberg moderierte. 2025 soll dazu ein Theaterstück entstehen. Wenn ich geahnt hätte, welcher Schreckensort Feldafing war! Bei aller Bildungsbeflissenheit meiner Eltern – darüber wurde kaum gesprochen. Hätte man sich das schöne Leben etwa versauen wollen? Dass auch Elmau, wo sie sich kennengelernt haben, Ort für Diplaced Persons war, wurde thematisiert, wenn auch damals die Bedeutung meinen Horizont überschritt. Wird man es jemals zur Gänze ermessen? – Donnerstag Autorückgabe – mit Beate bei ihren Vietnamesen wunderbar gespeist; nachher gemütlich Tee aus „meiner“ Pfauentasse in „meinem“ Lieblingssessel. Sonntagsgefühl – bis ich in der Tram lese: Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehl gegen Netanjahu erlassen. Das ist Antisemitismus!  Die Tagesschau zeigt die Banane für 6.5 Mio. Das ist Kunst! – Freitag tagsüber Papierkram; abends Lesung Borstei – auf Interviews von Anfang der 2000er Jahre mit alteingesessenen BewohnerInnen basierend und in jüngerer Zeit transkribiert. Eine der Leserinnen Schauspielerin, ihre Schwester, die die Gespräche geführt hatte, bei den Kammerspielen, (wo sie mir zufällig im Sommer über den Weg gelaufen ist). Wieder ein Kindergartenkontakt! Mit dem Silberstaub der Jahrzehnte überzuckert erblühen alte Zeiten neu. Herzliche Begegnungen, tolle Pausengespräche – auch mit „Fremden“. Heimweg durch eisigen Wind und Schnee. – Samstag mit Michi bei Eva Mattes im Künstlerhaus – Zadeks Königin und Mutter Hamlets – ein MUSS! Kaschnitz, Auster u.a., sehr besondere Musikauswahl (Klavier, Cello, Geige). Muchsmäuschenstille Aufmerksamkeit!

Literarisch lande ich nach Hamlet beim letzten Teil der 3-teiligen KafkaBiografie von Rainer Stach – „die frühen Jahre“. Eigentlich passt es gerade nicht, aber das lang gesuchte Buch lag letztens in der Stadtbibliothek griffbereit! So bin ich beim Prager Fenstersturz in der Geschichte Böhmens, Mährens, der Habsburger und des Judentums gestrandet. – Mit kulturellen Veranstaltungen geht es wie beim Lesen. Ich muss nichts mehr (aus-)suchen – viel fällt mir zunehmend in den Schoß. Wer es zuwirft kennt und teilt meine Neigungen. Manchmal muss ich zu etwas Unwiderstehlichem nein sagen, weil ich schon zu etwas anderem Unwiderstehlichen ja gesagt habe. Das Pensum beginnt mir langsam über den Kopf zu wachsen. Noch aber erlebe ich es als HOCH-ZEIT, als Blüte, als unsagbaren Schatz, zu dem der verlorene Schlüssel wiedergefunden ist und der nach jahrzehntelangem Schlummer wieder blinzelt und die Glieder reckt. Fabian, dem ich die Frage nach meinem Befinden entsprechend beantworte – mit der Einschränkung „Körper“ -schreibt: Das klingt gut! Da zieht der Körper bestimmt bald nach. Schöner Gedanke!

 

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5 Antworten

  1. Beate sagt:

    Eine Woche voller kultureller Höhenflüge! Und Ernüchterung, das damalige heile Bild der Jugend über den Ort Feldafing betreffend. Ist die Banane, mit einem Stück Klebeband an der Wand befestigt und einer Anleitung, wie sie ersetzt werden kann, wenn sie faul zu Boden fällt, Kunst?

  2. Ines sagt:

    Mir wird ganz schwindelig von deinem Pensum. Selbst wenn ich nicht arbeiten würde, bräuchte ich zwischen den kulturellen Ereignissen mindestens einen Tag Pause. Aber toll, wenn du es als Hoch-Zeit empfindest und das alles genießen und in dir verarbeiten und integrieren kannst. So wie für mich eine bis zwei Stunden Bewegung am Tag ein integraler Bestandteil des Lebens wie essen und schlafen ist, sind es bei dir die kulturellen Veranstaltungen. Das ist bei mir ein Highlight, das ich einmal im Viertel Jahr schaffe. Am Mittwoch bei dem Schneegestöber habe ich an dich gedacht, weil ich ja wusste, dass du mit dem Auto nach Augsburg fahren willst. Hat ja gut geklappt.

    • Heike sagt:

      Das mit dem Schwindel kann ich verstehen – du musst aber einbeziehen, dass es alles organisch ineinanderfließt und lauter Bezüge zueinander hat – es ist nicht „irgendwas Beliebiges“, sondern ergibt sich aus, dem. wovon ohnehin alles durchwoben ist.

  3. Renate sagt:

    Von außen betrachtet ist es ein Mammutprogramm, dass du absolviert hast. Wenn es, wie du schreibst ineinanderfließt, macht es ein ganz anderes Gefühl. Die Banane wird ausgetauscht wenn sie verfault ist. Mir fehlt der Sinn für solche Kunstwerke.

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