2025-02-15- Mein kleines Leben angesichts von Weltlage, Attentat. Tod von Mutter und Kind

Wie gehabt: Totenstille. Keine Menschenseele rührt sich. Diese Woche standen zwar verabredete Zusammenkünfte bevor; aber spontan kein Lebenszeichen weit und breit. Gibt es mich überhaupt noch für die Welt? Ich habe – bevor ich anfing, endgültig einzuschnappen, Abhilfe geschaffen und die Sache selber in die Hand genommen. Geht doch! Schon zu lange herumgehangen, gekruschtelt, ziellos herumgelesen. Da fallen mir dumme Sachen ein. Über nebenan.de eine Schreibmaschine gekauft. Da sie schwer war ist Michael geradelt, um sie zu holen.15,00 € ist nicht viel, aber zu viel für ein Schimmel stinkendes Gerät, bei dem viele Buchstaben hängen. Auch der Koffer ist geruchstechnisch nicht zu gebrauchen – also wird es ein Schlepp zum Sperrmüll. – Letzten Freitag war ich bei Yuko Murato, weil die Haikugruppe, die ich seit Jahren meide, eine Anthologie zum 25-jährigen Bestehen herausgegeben hat. Jetzt will ich, nach dem Plausch mit ihr, nächsten Montag nach Augsburg fahren, um die dortige Gruppe auszuprobieren (die auch Lollos war). Das ist eine Reaktion darauf, dass ich Yuko sagte, mir sei das hier zu akademisch, (ich habe nicht gesagt zu „haarspalterisch“). Die Augsburger wollen das offenbar auch nicht; und so meinte sie, das könnte mir gefallen. Der Chor hat gerade Ferien. Ohnehin muss sich erst meine Kehle erholen. Michaels Physiotherapeut behandelt auch „solche Dinge“. Er findet ihn einen Zauberer. Zunächst brauche ich eine Diagnose; dann muss ich es mich 130,00€ kosten lassen. Mich fliegt zwischendurch die Möglichkeit an, die Stimme zu „verlieren“, stelle mir das als schweren Verlust vor. Von außen merkt man noch nichts. – Montag Aetas-Schreibgruppe. – Dienstag Augenärztin nach Ewigkeiten. Wunderschöne junge Afrikanerin, dem Akzent nach nicht hier aufgewachsen. Alles ok; grauer Star altersbedingt „normal“, kein Handlungsbedarf. Ich sollte, statt mit der Gleitsichtbrillle, mit einer von Rossmann lesen. Kein Grund, Unsummen in neue Brillen zu investieren. – Auf der Suche nach einer kleinen Butterdose habe ich zwei gekauft, süß, aber keineswegs dem gewünschten Format  entsprechend. Im Kräutergarten wollte ich bei Nga (Schreibgruppe) Schwedenkräuter kaufen – sie nicht da. Dann Grünzeug fürs Frühstück mit Birgitta. Meine Favoriten mag oder verträgt sie nicht – gut, dass ich sie nicht überrascht habe. Es soll Hasenfutter werden. – Abends Hospiz-Ehemaligen-Treff. Nicht alle Ehemaligen dürfen kommen und nicht alle sind ehemalig. Da ich nach Tetanus-Impfung abends leicht schüttelfrostig war habe ich – wieder – abgesagt. Auch am Freitag – relativ spontan und sehr willkommen – Frühstücksbesuch. Sturmfrei ist eine endliche Angelegenheit, die genutzt werden will.

Samstag Schreibgruppe bei Alexandra. Die Vorbereitung hat sich extrem schwer dargestellt. Die neuesten Entwicklungen und Geschehnisse – das Attentat, die Weltlage, der Einbruch Amerikas in unsere Welt mit für mich unerwarteter Härte – es war zuviel, um umzuschalten. So hatte ich zwar mit übermäßigem Aufwand etwas Resourcen-orientiertes zurechtgelegt, aber der Redebedarf war groß; Bedrückung, ja geradezu Depression herrschten vor. Mein Anspruch, dass wir positiv aus so einer Einheit rausgehen, war zu hoch gegriffen. Alles Schreiben kam bei diesen Themen raus, aber wir haben uns nachher gestärkt und irgendwie erleichtert gefühlt durch das Verbundensein. In diese innere Verfasstheit und ein großes Ruhebedürfnis meinerseits kam dann – wie die Faust aufs Auge – Katerina zum Putzen, obwohl es so sauber war wie selten. Da kam die furchtbare Nachricht von Tod der jungen Mutter und ihres Kindes. Welche Tragödie! Die Bitte der trauernden Familie, das nicht politisch zu instrumentalisieren und zum Schüren neuen Hasses zu nutzen – in den Wind geschlagen.

In dieser Woche ist zu viel passiert, als dass es sich aushalten, abstreifen, wegschlafen, verarbeiten, wegrationalisieren ließe. Ich empfinde die Belastung so übermächtig wie noch nie und weiß nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Jetzt bräuchte ich Michael.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Mit geht es auch so, dass sich die Geschehnisse, insbesondere der Tod von Mutter und Kind durch den Anschlag nicht wegschicken lassen. Es greift in unser Leben, unsere Gespräche und Gedanken und lässt sich nicht verdrängen. Gerade weil die Tat so unverständlich ist. Deshalb fällt es mir schwer noch mehr zu deinem Beitrag zu kommentieren.

  2. Ines sagt:

    Mit geht es auch so, dass sich die Geschehnisse, insbesondere der Tod von Mutter und Kind durch den Anschlag alles überschattet. Es greift in unser Leben, unsere Gespräche und Gedanken und lässt sich nicht verdrängen. Gerade weil die Tat so unverständlich ist. Deshalb fällt es mir schwer noch mehr zu deinem Beitrag zu kommentieren.

  3. Renate sagt:

    Ich habe deinen Beitrag gelesen. Trauer und Unverständnis überall.

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