2025-03-22- Erlösung im Chor + Szenische Lesung – eine Jammerkranke – Widerstand bei Dasein + Frühlingserwachen

Sonntag Gräue soweit das Auge reicht. Für Fastenzeit arg üppig gespeist. Michi hatte in Köln gelitten, er hat Nachholbedarf an richtigem Kochen. Jetzt gibt es herrliche Sachen. Zudem macht er und jetzt auch ich eine „Behandlung“ mit Haferkleie, 3 x tgl 15g. Die soll für alles gut sein von Zucker bis Cholesterin. Leider bin ich den ganzen Tag davon pappsatt.

Montags Erleichterung im Chor. Die Querulantin blieb weg. Von dem, was diejenigen neben ihr erzählten, hatte ich gar nichts mitbekommen. Ein regelrecht böser Mensch. Jetzt sind es noch drei Neue, sie machen es uns leicht, auf sie zuzugehen. Meine neue Nachbarin sagte, sie habe die ganze Woche gute Laune gehabt. Da sie auch ein Stimm(lippen)problem hat bringe ich nächstes Mal LaxVox mit. Gruppendynamisch interessant, WIE jemand dazukommt. – Szenische Lesung mit Susanne in der Akademie der Schönen Künste: Briefwechsel Ingeborg Bachmann/Max Frisch mit Barbara Petrisch und Nicolas Brieger; Einführung Stefan Hunstein. – Haikukreis ausgelassen.

Bei den Kammerspielen Rücküberweisung der entfallenen Vorstellung veranlasst. Online nicht geklappt. Jetzt stimmt der Betrag nicht. – Unser früheres „Dienstmädchen“, wie man damals sagte, getroffen. Sie ist treu wie Gold, hing an meiner Mutter und verehrte sie. Ich kenne keinen verbitterteren Menschen. Die DiabetesDiagnose der Tochter liegt vierzig Jahre zurück, sie sieht top und strahlend aus („ja, mei, nach außen tut sie so!“), deren Scheidung fünfzehn Jahre (eine nicht zu überwindende Schande und „wenn der neue Mann gerade am gedeckten Tisch sitzt muss er weg, weil er bei der Feuerwehr ist“); dass der Sohn auf dem Land gebaut hatte vor dreißig Jahren („im Alter sitzt er dann allein in dem Haus!“) – alles gilt als Schicksalsschlag erster Güte, als sei es gestern erst eingetreten. Der Hader charakterisiert ihr Denken, 0 Anpassung an die Lebenswege ihrer Kinder. Gleichzeitig die Welt schwarz sehen, an allem leiden und am Leben kleben (oft genug im Hospiz erlebt!). Soll ihr Mann wegen der Herzklappe mit 83 Jahren operiert werden („noch keine Probleme, aber bald kommen die garantiert!“). Die Ausländer…der Müll…die Männer… heute wird die Wiese betreten, statt den Weg außenrum zu nehmen… puh!!! Simon hat schon vor Jahren eine dramatische Szene skizziert: „Die Magd, die nicht über den Tod der Herrschaft hinwegkommt“. Auch darüber seufzt sie wie über einen ungerechten Verlust. Eine psychische Erkrankung in einem sozialen Gefüge, in dem es dafür weder Worte, Aufmerksamkeit noch Toleranz gibt. Vor lauter Gejammere vergisst man den furchtbaren Schwindel, die Hilflosigkeit ihrer Ärzte – Qualen über Qualen.

„Freie“ Tage. Mittwoch mit Michael im Englischen Garten. Donnerstag zufällig Gabriele getroffen, Ratsch am Bürgersteig, Floristenschule, Grab bissel bepflanzt, mit Michi in der Sonne gesessen – so still kann ich nur mit ihm. Ein Strauß Anemonen – von wem nur? Mit Fabian Synchronizitäten.

Am Samstag erste Einheit bei Dasein zu acht. Zwei fehlten. Inhaltlich vorbereiten, am Freitag Schlüssel holen, Raum herrichten, Getränke; die erste kommt eine Stunde zu früh. Aufgrund ausgeprägter, wenn auch freundlicher (nicht stummer!) Abwehr gegen FastenImpulse („Gott, kirchlich“) Programm modifiziert. Die Hauptakteurin des Widerstandes (aus Film/Fernsehen, Regisseurin, Autorin, Redakteurin – nicht allzu dick aufgetragen, aber überdeutlich) weiß, was sie will, verteidigt ihre blinden Flecken – selbsterfahrungsfreier Kosmos nach „ich-bin-bombig-drauf-Motto“. „Religiöse Neurosen“ sind ein gängiges Phänomen – hier aber ist nichts zu machen. Es könnte so ergiebig sein! Eine andere, bekennend psychisch kranke Frau, sensibel, etwas leicht irritierbar und „eigen“, bringt ihre Bedürfnisse bewusst ein. Sie war schonmal bei mir; nutzt viele kreative Angebote. Ansonsten sympatische Runde – allerdings fordert Widerstand bekanntlich seinen Tribut. Ich spüre die Nachwehen, arbeite nach Betäubungsschlaf endlos nach: Skript an alle, Fotos, Abweichungen erläutern. Dieses Muster ist mir (von mir) bekannt. Zusätzliche Klimmzüge. – Frühlingserwachen. Für die „Mitte“ hatte ich Forsythienzweige, die unser Hausmeister geköpft hatte. Im Raum blühen sie schnell auf.

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das mit der Haferkleie muss ich mir merken. Den Effekt, dann den ganzen Tag satt zu sein, würde ich gar nicht schlecht finden. Du hast in deinen Gruppen immer wieder ganz schöne Herausforderungen durch so manche Teilnehmerin. Ich bewundere, wie du damit umgehst. Und schön, wie du mit Michael sein kannst. Das ist ein guter Ausgleich zu den vielen Frauen, die so viel zu reden haben.

  2. Beate sagt:

    Die Gruppe war sehr speziell- ich saß auch dabei- mir ging diese eine Teilnehmerin sehr nach, ich wachte mit den Gedanken über sie heute Morgen auf. Deine Impulse wurden zum Teil von ihr missverstanden und sie wusste alles besser

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