Pflegeheim, viele Schritte und Deutsche Eiche
Auch ich habe nach der Schreibgruppe nicht mehr geschrieben. Hier ein kleiner Nachtrag: Eva ist, was sehr selten vorkommt, richtig ausgerastet. Weil Magdalena sich doch die Kniescheibe gebrochen hat, hat Eva Sylvie gefragt ob sie nach einer Woche in Tschechien wieder zu Mama kommen könnte. Sylvie wollte mehr Geld, was Eva vehement abgelehnt hat und war nicht bereit uns in irgendeiner Weise entgegen zu kommen. Willi springt ein. Eva und ich haben uns drei Pflegeheime angeschaut. Wir haben in den 7 Jahren insgesamt 11 Pflegerinnen gehabt und wollen keine Neuen mehr. Das Haus in Wolfratshausen würde uns sehr zusagen, da es eine geschlossene Einrichtung ist brauchen wir die gesetzliche Betreuung. Das dauert. Zusammensuchen sämtlicher Unterlagen. Zu Luis musste ich nicht, da er wegen seiner Platzwunde nicht in die Schule durfte. Schreibgruppe bei Heike. Dadaistisches sollten wir schreiben, gar nicht so einfach. Selbst Unsinnsgedichte sind schwer zu verfassen. Abends mit Heike, Beate und Eva in die Oper „Werther“, toll gesungen, gefiel mir ausgesprochen gut. Nach Lenggries gefahren um die Betreuungsanforderung für Eva und mich auszufüllen. Mittwoch wurden die Fäden gezogen (Implantat), danach mit Inge von der Brudermühlstrasse bis zur Universität gegangen, mit Zwischenstopp in der Frau im Mond. Mit dem Rad am Donnerstag nach Milbertshofen, Arztbrief von Mamas Ärztin abholen, der uns für Dienstag versprochen war. Brief war nicht geschrieben, nach 15 Minuten warten bin ich, mit Wut im Bauch, gegangen, denn ich musste Luis abholen. Also heimgeradelt, kurz was gegessen und wieder los. Hausaufgaben, dann in den Hof. Luis hatte das Thema Vogelhaus, bzw. Vogelfutter. Damit war er einige Zeit beschäftigt. Ohne Fußballspielen gings dann doch nicht, aber nur passen, meinte er. Also hin und herschießen und auf keinen Fall hohe Bälle. Ich hielt mich dran… Führung in der „Deutschen Eiche“ am Freitag. Ich habe noch nie so eine riesige Sauna, soviele Kabinen, soviele Liegen und Nischen gesehen. Ein Labyrinth aus Gängen, die der Begegnung oder Nichtbegegnung dienen. Was es an Gerätschaften für die Lust schwuler Männer gibt, war mir unbekannt. Einer der Besitzer der Dt. Eiche zeigte uns auch das Hotel, die Terrasse (für Jede und Jeden zugänglich), die Wirtschaftsräume. Er wusste sehr viel über die Münchner Geschichte. Ein lebhafter, lustiger Vormittag. Danach fuhr ich zu Mama. Willi musste heim und ich blieb über Nacht bei Mama. Als ich kam stand Mama an der Terrassentüre, mit der Stirn an der Scheibe und schlief. Ich hatte große Bedenken wegen Mamas Inkontinenz, konnte aber ganz gut damit umgehen. Am Samstag brachte Eva Willi mit seinen zwei Katzen, da er bis 24.4. bleibt und Eva, die seine Katzen immer versorgt, wenn er bei Mama ist, in Urlaub fährt. Eva und ich haben heute beschlossen unseren Schottland-Urlaub zu stornieren. Den Flug haben wir umgebucht, natürlich mit Verlust, nach Bologna im Oktober. Die Wohnungen in Edinburgh und Perth konnte Eva stornieren ohne Kosten.
Ach schade, aber vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt für diese Reise – jetzt steht was anderes an. Wenn ich das so lese, scheint es mehr als fällig, dass die Aufgaben etwas abnehmen, hoffentlich spürbar. Was dich in der Deutschen Eiche erwartet hat, das überrascht mich auch! Die Oper hatte ich inzwischen ganz vergessen, so abgetaucht wie ich war.
Ich hoffe sehr, dass das Heim in Wolfratshausen ein guter Ort für deine Mutter wird und du und deine Schwester entlastet werdet. Die Dt Eiche kenne ich nicht. Müsste man das als Münchnerin kennen?