2025-07-27-Vorerst letzter Chor – Orthopädisches – Besuch von Bine in Harmonie – Susan Sontag be-schrieben und Carmina Burana

Der letzte Chor vor den Ferien. Mittlerweile ist die Stimmung so aufgelockert, dass viel gequatscht wird. Karl-Heinz, der einzige Mann, ist etwas außen vor. Post für Anna fertigmachen, die diese Woche Geburtstag hat. – Dienstag Orthopäde – jung genug, um für den Rest meines Lebens zu dienen; nicht, dass er sonderlich interessiert wirkte, aber freundlich, sympatisch, ein „von“; unterscheidet sich wenig von den jungen Kraftprotzen, die wegen wiederkehrender Sportverletzungen in Behandlung kommen und gegenseitig angeben, woher die aktuellste Verletzung stammt. Der inzwischen zum He-Man testosteronte türkische Arzthelfer – Sonnenschein und wahrer Chef der Praxis – passt genau ins Bild. Er hat sich sehr gefreut, als ich ihm meine Wahrnehmung über seine Fortschritte (am Bizeps usw) mitteilte. Alte Mütterleins, Babys und Sportfanatiker, das ist die Klientel. Auf ihre Art sind die Sportler in meinen Augen „außer sich“. Ich mit meinem ohnehin dicken, jetzt noch dickeren Bein etwas fehl am Platz. Es sollen die Nerven sein; die brauchen 1 cm pro Monat; entsprechend kann es ein halbes oder ganzes Jahr dauern. Von meinem türkischen Teddy habe ich einen Verband bekommen. Vorher zwei Röntgenbilder. Als ich kam, war der Flur eine ganze Weile voll Wartender, kein Ansprechpartner weit und breit. Wie eine Geisterpraxis. Imselben Haus habe ich Physio, musste mich aber erst noch ausgiebig herumtreiben, bis der Sturm so stark war, dass ich lieber lesend warten wollte. Zufällig fiel jemand aus und ich wurde vorgezogen. – Mittwoch „homeoffice“. In Vorbereitung auf den erstmaligen Lohnsteuerhilfeverein konnte ich, nachdem endlich die Abrechnung für Augsburg kam, die Steuerunterlagen für die dortige Steuerberaterin vorbereiten. Bine ist immer sehr hinterher und ich bin sehr zahm, weil sie extra aus Berlin kommt, um die Eigentümerversammlung zu besuchen, vor der mir so graut. Ich kriege, sobald ich an sowas denke, Zustände, Widerstände, Ängste, Schwäche, fühlt sich wie Depression an, hat m.E. mittlerweile Krankheitswert. Ich mache tausend Fußfälle, dass Bine sich reinhängt. Im Gegenzug wollte ich aufräumen, putzen, das Verwöhnprogramm kulinarischer Art hier vorbereiten, da kam die Steuer dazwischen. Währenddessen packt mich nochmal die Wut, weil ich wieder schwarz auf weiß habe, wie dumm ich war – aus Konfliktscheu und mangels Geschäftssinn habe ich 1390€ Nachzahlung nicht eingeklagt, drei Monatsmieten Kündigungsfrist erlassen, den Saustall der letzten Mieterin auf meine Kosten reparieren lassen. So ätzend! Bine lässt Werner, den sie ja ohnehin viel telefonisch dirigiert, bei sich allein und kommt deshalb nur zwei Tage. Sie ist eigentlich – auch wenn sie nicht zusammenwohnen – in einer einzigen Zitterpartie mit ihm verbunden. Auch wenn wir telefonieren ruft er währenddessen mehrmals bei ihr an. Ich höre sie dann freundlich erklären, dass er jetzt die blaue Tablette aus der Schatulle nehmen soll, sie wartet, bis er dazu einen Schluck Wasser getrunken hat und ja, er soll nur gleich ins Bett gehen, es ist 19:00 und nein, nein, sie geht nicht weg, sie bleibt da. Sie ist immer froh, wenn ihn nicht die Polizei aufgegriffen hat, nichts verkohlt ist, kein Schlüssel verschwunden ist.- Inzwischen habe ich Bine in Augsburg getroffen, später zu Hause empfangen, die hat alles wunderbar gemacht, mich vertreten; schreibt jetzt im Nachhinein, die vermisst uns und das Tischlein-deck-dich. Wir waren spazieren, haben miteinander gesungen, gelesen, geredet – es war perfekt. Am Samstag ist sie gefahren. – Sonntag wunderbare Schreibgruppe im Literaturhaus, neue Erfahrung nach Susan Sontag im Luitpold. Kurz zu Hause ausgeruht, dann mit Michi eine herrliche Carmina Burana in der Christuskirche – wir sind beide begeistert. Auf dem Rückweg eine ehemalige Nachbarin getroffen, die leider zwar geschwärmt hat, aber von allen möglichen Aufführungen reden wollte – ein bissschen wie die Urlaubsbekanntschaft, die an einem Strand von einem anderen erzählt. Meine Stimme ist so beansprucht, die Kehle schmerzt fast – als hätte ich höchstpersönlich gesungen und nicht nur gelauscht!

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Über den Kosenamen türkischer Teddy (sehr süß) würde er sich wahrscheinlich weniger freuen als über die Anerkennung der Bizepsgröße. Meine Einschätzung zu Dianose hatte ich dir schon geschrieben. Jetzt weißt du wenigstens, woran du bist. Wie harmonisch es diesesmal mit Bine war, freut mich. Wir kennen ja auch anderes. Sie hat mit ihrem Werner eine Aufgabe, Respekt. Vielleicht ist die Stimme vom lauten Reden im Café Leopold angeschlagen.

  2. Ines sagt:

    Der Mann in eurem Chor tut mir Leid. Er muss seine Stimmlage wahrscheinlich alleine singen und wird beim Quatschen zwischendurch nicht integriert. Ein Mann in einem reinen Frauenchor ist einer zuviel. Das hatten wir auch zeitweise und ehrlicherweise hörte es sich nicht gut an.

    • Heike sagt:

      Nein nein!!! Ich bin sehr „nett“ zu ihm, aber er ist eben etwas steif und zurückhaltend. Ich habe mich schon gefragt, ob es damit zu tun hat, dass jeder freundliche Mann heutzutage gleich unter Verdacht gerät. Ich singe sogar seine Tonlage mit, teilweise eine Oktave höher, neuerdings noch zwei andere Frauen, die auch so tief wie ich singen. Er ist stimmlich keineswegs allein. Er bedauert sehr, dass die anderen Männer seit längerem wegbleiben. Er nimmt sogar Einzelstunden, um seine Stimme zu üben und zu pflegen. Es geht ihm genauso, wie ich es von „Vätern“ in Familien kenne. Er wird nicht ganz ausgelassen….aber eben nicht mittendrin. Wir sind alle sehr nett zu ihm, auch die Chorleiterin. Sein Name wird oft genannt.

  3. Renate sagt:

    Wie gut dass deine Schwester den Augsburgtermin übernommen hat. Weniger gut die Kosten die dir aus diversen Gründen entstanden sind. Dieser Besuch verlief harmonisch, auch das ist gut.

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