2025-08-23-Highlight Schrebergarten – Phlebologie – blauer See, sintflutartige Güsse, Bettelbanden und Herumhängen vor erschreckender Weltbühne

Ein fader Sonntag mit Lust zu nichts dreht sich, als Renate mich fragt, ob ich in den Schrebergarten kommen will. Wie war das beschaulich, vertraut und gemütlich! Wie unterschiedlich sind auch diese Gärten, selbst das Sitzen entsprechend der Blickrichtung, der Bepflanzung und dem Gefühl von „Geschütztsein“! Hat mir sehr gut getan. Abends gab es Salat aus den dortigen Beständen und morgens Tomätchen und Spitzpaprika.

Montag ist der Himmel wieder blau. Nachgeburtstags-Telefonat mit Beate, auch zum Thema Lindau. Ob ich doch mal wieder an der Tagung teilnehmen sollte? Der Kampf um die Unterkünfte hatte es mir verleidet. Mittags Phlebologie. Auf Plakaten und Stellwänden mit strahlenden jungen Schönheiten geht es um Behandlung von Krampadern, Falten, Besenreisern und krankhaftem Schwitzen, Laser und Botox. Bin ich im falschen Film? Letztlich aber gibt es einen Venenultraschall: hier also liegt nicht die Ursache für die schlimmen Beine, unter denen ich leide. Es läuft auf das gefürchtete, unheilbare, scheußliche – hmhmhm – ich mag es nicht aussprechen – hinaus. Ich befürchte das schon lange. Jetzt ist es amtlich. Da gibt es, wie Großer Tiger sagen würde, keine Hilfe. Immerhin mit dem Fahrrad hingefahren; netter Weg vorbei an einladenden Schanigärten in Maxvorstadt/Schwabing. Danach mit Michi beim Italiener, dann Betäubungsschläfchen. Die Weltbühne – ganz nebenbei – bietet ein schauerliches Spektakel.

Dienstag raus aus den Federn zum Feldmochinger See, den wir früh für uns alleine haben. Das Wasser glatt und klar, der Himmel knallblau, die Luft so frisch! Dass man auf dem Hinterteil reinrutschen und unelegant rauskrabbeln muss hat keiner gesehen. Danach zur Belohung Frühstück mit Wimmersemmeln, Rührei und restlichem Gartengrünzeug auf dem Balkon. Abends vor der Glotze versumpft (Trainings-Foltermethoden in der Sportjugend; Katarina Witt; Whitney Houston – alles sehenswert und schonmal gesehen).

Am Mittwoch verschlafen, so fällt Schwimmen aus. Nach langer Zeit abends mit Margot verabredet – schwankend zwischen Neuem Rex und Poetry Slam am Olympiasee. Unterwegs zu ersterem schüttet es sintflutartig, sodass wir aus zwei Richtungen kommend bereits auf halber Strecke durchnässt sind und dank Whatsapp die Sache abblasen.

Donnerstag essen, schlafen, lesen, sonst nüscht – es sei denn, ich lasse ineffektives Hin- und Herräumen zuvielen Papier-, Karten- und Textmaterials als „etwas“ gelten. Ein der Sabotage an der Nordstream verdächtiger Ukrainer wurde bei Rimini festgesetzt. Was wird das für Folgen haben?

Freitag kleiner Spaziergang, Besorgungen. Müdigkeit.

Samstag Besorgungen am Rotkreuzplatz, v.a. zum Gemüsestand. Eine der angestammten Bettlerinnen ist stark auseinandergegangen, vielleicht ist wieder ein Kind unterwegs? In einer Reportage vor einiger Zeit wurde an ihrem Beispiel thematisiert, wie ihre enorme Kinderschar in Bulgarien ohne festes Zuhause in der Verwandtschaft herumgereicht wird, jederzeit ungewiss, wo das eine oder andere heute schläft. Die junge Mutter saß an ihrem Stammplatz ausgerechnet vor heutigen Schlagzeile: WUT AUF BETTELBANDEN. Erst kürzlich sammelte eine andere, alte Romafrau ungeniert – lediglich ein paar Blicke um sich werfend und ohne sich stören zu lassen – am Friedhof ein, was nicht niet- und nagelfest war und schleppte das Diebesgut in großen Taschen von Grab zu Grab. Mich überfielen Gefühle von Abneigung, Empörung und Resignation. Soweit ich weiß ist dieses Problems auch vonseiten der Stadt nicht Herr zu werden. Dass diese Leute busweise herangekarrt und täglich mehrmals von ihren Chefs abkassiert werden ist bedrückend. Immer ist es das Thema der Würde, das mich in diesem Zusammenhang beschäftigt und quält. Das Hineingeborenwerden in ein Leben, in dem das „normal“ ist und als Beruf gilt.

Ist so eine tatenarme Woche gut oder schlecht? Legitim? „Soziales Pflichtjahr für Rentner“ stand auch auf einer Seite… Bei Oskar Maria Graf ruht man nur aus, wenn man todkrank ist oder stirbt. – Jetzt bereite ich Eiersalat vor. Schreiben zu dritt – eine Herausforderung und etwas einschüchternd! Wir nehmen die Hürde im vollen Bewusstsein, WIE anders das ist und nehmen leichtes Hinken in Kauf.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Doof mit dem mhmhmh. Radeln und Schwimmen und kleine Spaziergänge gehen zum Glück. So eine tatenarme Woche darf sein, wenn du sie dann auch genießen kannst. Ich finde es schwer, die Leere auszuhalten, wenn sich gar nichts rührt. Das Schreiben zu Dritt war einfacher als vorher angenommen, anders als mit der Peergruppe wo es ja bislang gar nicht zu Dritt geht. Die Bettlerbanden versuche ich zu ignorieren, so gut es geht. Die Frau aus Bulgarien tut mir Leid, ebenso due vielen Kinder, aber Geld zu geben würde eher das Gegenteil bewirken.

  2. Beate sagt:

    Ist das Wasser in der Früh noch warm genug? Und die Luft erst…tapfer seid Ihr, Chapeau! Ich bin ab und an auch auf dem Rotkreuzplatz, vertrage den Anblick der Bettelnden nicht gut, gebe auch nie was, es ist mit den Almosen wie mit den Tauben, man ernährt die Falschen- ist der Vergleich zu krass?

    • Heike sagt:

      Ich weiß nicht, ob der Vergleich zu krass ist. Aber zu „geben“ ist für alle Beteiligten entwürdigend, am meisten für die Bettelnden selbst. Jeder hingeworfene Euro verschärft und verstetigt das Problem und es ist keinem Menschen geholfen.

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