2025-11-08- Bedingt aktiv bei sturmfrei – Dauerbrenner Innenleben schön und verzehrend – Lilly ist geboren!

Ich kann es nicht glauben. Nichts in meinen Entwürfen? Ich komme nichtmal zum kontinuierlichen Bloggen! Also muss ich rekonstruieren, versuchsweise auswendig; sehe hinterher im Kalender: Frühstück mit Birgitta. Sie kommt, wenn ich allein bin, wie auch sie bei sich für Ungestörtheit sorgt. Wie kann ich das vergessen? Weil es „unspeziell“ ist und wir nichts „Brennendes“ (in meinem Sinn) behandeln? Eben einfach „schön“.

Durch meinen Berlinausfall müsste ich „Zeit gewonnen“ haben – zu diesem Phänomen ist der Zauberberg als wahre Fundgrube zu empfehlen. Ich erinnere mich weder an vermeintlich „gewonnene Zeit“, noch, was stattdessen entstand. Ruhe?

Abreise Michael Dienstag Richtung Hamburg, dann Köln. -Treffen mit Beatrix. Unterwegs steckte ich 25 Minuten in einer Menschenmasse fest, die wie ich wegen der ausfallenden S-Bahn den Regionalzug nahm, um nach Pasing zu kommen. Hunderte in die Gänge des stehenden Zuges gepfercht, stumm wie Lämmer vor der Schlachtbank. Pasinger Fabrik im Sonnenschein. Am Nebentisch eine Frau, die sich, als Beatrix mal verschwand, als Russin zu erkennen gab, sie hätte uns über Tolstoi sprechen hören – jetzt hat sie meinen Zettel! So bevölkert sich mein Leben mit literarischen und realen Figuren. Anruf von Frau Erschow, ob sie mein Angebot in ihren Newsletter aufnehmen darf! Inzwischen „teste“ ich (nach allen möglichen Lektüren) Dostojewskis „Erniedrigte und Beleidigte“, was mich derartig packt, dass sich mir schier mein Herz verstolpert! Zudem der spannende Jahresbericht der Tolstoibibliothek – was habe ich alles versäumt! – Am Mittwoch eine Ehrenamtliche aus dem Ambulanten Hospiz getroffen (nach Zufallsbegegnung im Sommer). Gehaltvoller Mittagstisch: literarisch, spirituell, lustig. Auf ihre Anregung abends Chor-Mitsing-Konzert in Herz-Jesu, Hunderte Menschen, gesungene Friedensgebete, erhebend. Vorher oder nachher wieder einer meiner Hospizträume. – Freitag Peergruppe mit intensiven Stunden und einem klärenden Gespräch. – Heute, Samstag, angeschlagen, etwas flau und Kopfweh; Verabredung mit Heike R. abgesagt. Vielleicht passt das gerade nicht? „Es“ arbeitet ja in mir, innerlich, äußerlich, unablässig; alles will unter den einen Nenner. Bewusst wird mir der „familiäre Auftrag“; was meine Familie, von der ich mich distanziert glaubte, in mich hineingelegt hat. Auf diesem Blatt stehen meine unübersichtlich weitverzweigten Notate, mein Getriebensein. Wofür? Für mich? Für Mami? Ich versteige mich in tausend Dinge. – Heute wäre Susa gekommen. Sie ist noch nicht fit, jetzt die Augen, vielleicht doch Corona? So haben wir stattdessen drei Stunden telefoniert! Anregend, dadurch aufputschend – über Lesen, Schreiben, ihr Museum, ihre Puppen, ihre Stoffe, Wabisabi und Kintsugi, über meine „Sachen“, Kindheit, Erinnerung, Verzeihung oder was es stattdessen sein könnte, Kränkungen, Würdigung, Partnerschaft, Älterwerden, Eigenbrötlerei. Allein das ein Füllhorn, nichts davon verhallt, alles schägt Wellen. Hatte ich nicht gerade bedauert, niemanden aus dieser Zeit „mitgenommen“ zu haben – jetzt diese schillernde, packende, anstrengende, übergreifende Person mit tausendfältigen Interessen, Empfindlichkeiten, Herzlichkeit, Schroffheit. Wir beide zusammen – hochexplosiv! Der Drahl glüht.

Das Wichtigste aber ist „Beates Baby“. Ich habe doch sehr mitgefiebert. Da spüren wir die gemeinsamen Jahre; als hätte ich ein wenig mitgeboren – ja, so ist mir gerade. Beate nach nächtlicher Zugfahrt und dem ersten Kennenlernen der Kleinen und in-Augenscheinnahme ihrer Mutter-gewordenen-Tochter und allen Turbulenzen gerädert – im Tribeca sind wir ein Stündchen zusammen gesessen. Ich konnte die „neugeborene Oma“ anschauen und spüren, bevor ich an den Herd musste.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Intensive Gespräche und Begegnungen, innere Arbeit und die Idee der Lesegruppe verbreitet sich. Es pulsiert, innerlich und äußerlich bei dir. Beneidenswert, aber auch anstrengend.

  2. Renate sagt:

    Die neue Idee nimmt Fahrt auf. Der Newsletter, eine Russin sprach dich an, es verdichtet sich.
    Das lange Gespräch am Telefon, mit existenziellen Themen, die nachwirken.

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