2026-03-21- Tribeca mit Susanne – Fasten interreligiös – Augsburg, Stammtisch, Peergruppe, Aetas und Villa Dante
Sonntag früh 6:08 morgens habe ich schon Moleskine-Hefte im Warenkorb. Gottlob nochmal den Vorrat gesichtet. Der reicht bis 2036. Krieg und Frieden bei süßem Milchkaffee. Soweit ist es schon wieder. Vielleicht gehe ich heute ins Konzert der Vorgängerin unseres Chorleiters. Vielleicht pflücke ich bei Martina Bärlauch. Vielleicht benutze ich zur Erdung meine Füße. Vielleicht schaffe ich es, nur noch morgens den Blog zu bespielen als an euch gerichtetes Selbstgespräch und Erinnerungsbuch.
Montag. Aus keinem meiner Vielleichts ist etwas geworden. Nachher treffe ich Susanne zum Vergleich der Übersetzungen von Anna Karenina – Tietze vs. Scholz. Keine Lust zum Spazierengehen, weil’s regnet. Zum drittenmal den Antrag auf Familienversicherung für Michael, jeweils mit sämtlichen Unterlagen, diesmal digital UND per Einschreiben/Rückschein, abgeschickt. Bisher kommt jedesmal -wie bei Kafka – dergleiche Brief mit identischen Aufforderungen zurück. – Vielleicht gehe ich heute Abend zum interreligiösen Dialog zum Thema Fasten: drei Vertreter der abrahamitischen Religionen im Trafo.
Als ich mit Susanne am Zusammenpacken war betrat Martha das Tribeca: verabredet mit Renate. Beinah wären wir Wilhelminen komplett gewesen. Da Susanne und ich aber nach drei Stunden erledigt waren, gab es fliegenden Wechsel. Abends im Schneegestöber zu den „Nymphenburger Gesprächen“. Die Muslima feinsinnig und tief innerlich. Die Jüdin temperamentvoll, schillernd und den sprichwörtlich jüdischen Witz verkörpernd. Jede(r) sollte zunächst ein 10-minütiges Statement abgeben. Der christlich-orthodoxe Professor machte daraus einen etwa 40-minütigen Vortrag, kam vom Hundersten ins Tausendste, was sich im Podiumsgespräch fortsetzte und dieses zur Qual machte. Der Moderator griff nicht ein. Ich hätte platzen können. Vorher Gebetsruf. Fastenbrechen. Ohne den Alleswisser, der angab, vorwiegend zuhören zu wollen und wiederholt ankündigte, gleich zum Ende zu kommen, wäre es ein interessanter Abend gewesen. Zufällig habe ich eine entfernte Kollegin aus Beratungsstellenzeit getroffen, die ich seit 2004 nicht mehr gesehen hatte.
Dienstag. Telefonat mit Frau Erschow, die einen öffentlich nicht zugänglichen Tolstoi-Film einer Forscherin vorführen wird und uns anbietet, dazuzukommen. „Passagier des Zuges Nr 12“. Whatsapp an alle TolstojanerInnen, die prompt großteils zusagen. – Drittletzte Chorprobe vor Ostern. – Eiskalt draußen.
Mittwoch trotz Streiks problemlos nach Augsburg gekommen, um den Gutachter zu treffen, der nochmal meine Wohnung einschätzen sollte. Meine Mieterin hat die Wohnung sehr heimelig gemacht, fühlt sich wohl, auch ich finde die Umgebung und alles hübsch. Hinterher – wie immer – zum Milchberg essen gegangen. Immer aber will ich von Augsburg gleich weg. In München „die entsetzliche Lücke“ angeschaut, die mich in mehrfacher Hinsicht berührt, ohne dass ich alle Superlative bemühen würde, die um den Film kreisen. Auf dem Heimweg kam eine Tram, wenn auch schnell überfüllt. Einen Gehbehinderten mit Rollator nimmt die tippende und telefonierende Welt nicht wahr, sodass ich aufstehe und mit den Massen hin- und hergeschleudert werde. Der Trambahnfahrer scheint seine Wut, am Streiktag fahren zu müssen (?), über den Fahrstil auszuleben.
Donnerstag. Endlich mein Zimmer aufgeräumt, Bett bezogen. Wie staubt man millionenfaches Papier ab? Schon liegt mir das Treffen mit den ExkollegInnen im Magen. Immer schwerer fallen mir diese allgemeinen Gespräche, die zufälligen Sitznachbarschaften, der Geräuschpegel. Und dann? War es sehr nett. Ich hatte die Chance, mich wunschgemäß zu platzieren. Ira, dement noch direkter und störrischer als früher, werde ich jedesmal zuviel. Zuviel Energie, zuviel Feuer. Sagt sie freundlich. Sie zieht sich dann zurück wie eine alte Katze. – Freitag. Ich backe für unsere Peergruppe bei Alexandra. Ein dichter Abend mit schweren Momenten. – Samstag Aetas-Schnuppergruppe. Ich habe verschlafen und lege einen Salto Motale hin. Die einzigen beiden TNinnen zeigen sich schreibgeübt, tiefsinnig, lyrisch. Ein bereichernder Vormittag. Eine war schonmal bei Dasein bei mir – genoss den vergleichsweise schöneren Ort und die Intimität der Kleinstrunde. Hinterher mit Frau E. in der Villa Dante gespeist. Wieder ein herrliches Buch von ihr bekommen.
Du schreibst jeden Tag in deinen Blogbeitrag, das sollte ich vielleicht auch machen, da ich ansonsten wie jetzt, am Sonntag dasitze und nicht mehr weiß, was am Anfang der Woche wichtig war. Die Erfahrung mit dem Professor, der sich nicht kurzfassen kann, erinnert etwas an die Anrufer im Radio, die nicht erst mal ihre Lebensgeschichte erzählen, was völlig unpassend ist, denn das Format ist dafür ausgelegt, dass die Anrufer nur eine Frage stellen oder einen Kurzbeitrag machen sollen. Die Moderatoren müssen dann eingreifen, sonst ufert es aus. Im Islam ist die Fastenzeit vorbei, wir müssen noch etwas durchhalten. Ich mache auch viele Ausnahmen, zuletzt bei der Peergruppe mit deinen mitgebrachten Schokoküchlein. Lecker.
Die Anrufer, die ihre Lebensgeschichte erzählen, wollte ich schreiben.