2023-01-08-Florierendes soziales Leben und Dosierungsversuch – aus 2 mach 1 = Räumen

Diesmal habe ich peu á peu die ganze Woche kontinuierlich gebloggt und es aufbewahrt, bis ich „darf“.

Neuer Aufschwung setzt sich fort. Freundliche Begegnungen. Vor der Tür eine dement gewordene, ehemals attraktive Frau getroffen, die ich schon mit Peter vor 30 Jahren bestaunt habe, wenn sie nackt auf dem Balkon des angrenzenden Hauses sonnengebadet hat. Jetzt Mitte achzig. Sah meine AlnaturaTasche, zog sofort ihren Chardonnay aus der Tasche, den gebe es nur dort. Falls ich mal Besuch bekäme, der sei erstklassig. Man bekäme gute Gedanken dabei. –  Sensation: Ich habe das Wohnzimmerfenster geputzt, das die Vormittagssonne kaum mehr durchgelassen hat.

Fabian – nach wüsten Ausschreitungen, die ich für die letzten zwischen uns gehalten hatte, strömt über vor Liebe. Nicht nur zu Jesus, sondern auch zu mir. Wir haben eine Ebene gefunden, uns gegenseitig ellenlang in Gedichtform zu überbieten. Das knüpft an seinen langen Atem und sein Textverständins beim Lesen früher an. Zwischendurch bricht der permanente Zustrom wieder abrupt ab.

Wir versuchen, uns fresstechnisch umzustellen. Vielleicht gelingt es? Wer wagt bei unserem Format noch Vorsätze?

Montag mit Heike Ritter zu heißem Wasser verabredet. Sie isst sowieso nichts; ich nahm ihren Besuch zum Anlass, mich zu kasteien. Als die Teatime überschritten und ich dem Verhungern nahe war, habe ich mir etwas vom Vortag aufgewärmt: Sie speiste eine Birne. Bis spät abends getagt. Jetzt – danach – nehme ich es nochmal mit Ferrante auf.

Telefonat mit den Hamburgern, dann mit Gertrud. Mittags zu zweit zur Brillenreparatur; dann nebenan Mittagsmahl im Zitronengras, gefroren wie die Schneider – Blasenentzündung flammt sofort neu auf. Über Müllermarkt (Massagebälle) erstmals wieder Physio, wo mir an Geräten der Kreislauf absackte. Ich wurde mit Flatterpuls kreidebleich hingelegt. Weil mein Abend-Date schon im Mariandl saß hatte ich Druck, pünktlich auf die Füße zu kommen, mit Traubenzucker versorgt. Renate F., ehemalige Angehörige – war über Weihnachten zum Hundesitting in London, um (vergeblich) ihrer Trauer zu entfliehen. Wir wollten nach Ratsch in eine Taizéandacht, disponierten aber um, weil eine Gruppe, Familie (?) bis incl. 90-jähriger Oma das Lokal betrat, Instrumente auspackte und begann Wiener Schmankerl aufzuspielen, eine schräge Szenerie ganz aus der Zeit. Bedient wurden wir von einer gepiercten, tätowierten Frau. Rastalocken bis zum Boden schleiften wie eine Schleppe hinter ihr her.

Jetzt muss ich umschwenken. Mein sozialer Aufschwung artet aus. Mein Maß an Kapazitäten füllt sich und ich muss mir was einfallen lassen, um zu fokussieren. Eigentlich will ich nur Wenige. Die sollen eng, echt, zugänglich, anregend, treu, tief und vor allem vertraut sein. Gerade ist es ein Rausch. Gerade findet all das statt, was ich sonst übers Jahr verteile oder jahrelang ausfallen ließ. In dieser Intensität geht das nicht weiter – lang „angestaut“ explodiert es plötzlich. Mit all den Flammen ringsum verbrenne ich, ich sehe es kommen. Ab sofort „ohne alles“. Strengste Ruhe, so der Plan.

Gesagt, getan. Nach Gespräch mit Heike erneut Ferrantes „geniale Freundin“ ausgeliehen; das hatte ich schonmal nach der ersten Seite verworfen, nach dem zweiten Anlauf im Bücherschrank entsorgt. Was soll dieser Hype? Jetzt versuche ich es nochmal und weiß nicht, wie mir geschieht. Kein „gutes Buch“, passt auch keineswegs in mein Leseprofil. Ich lese „ohne Stift“, es ist nichts hervorzuheben. Tatsache aber ist, dass ich es innerhalb von 2 1/2 Tagen mit seinen 420 Seiten intus habe. Bin also gerade „in Neapel“, warte ungeduldig auf die nächsten Folgen per Booklooker. – Mein selbstgebackenes Brot ist verschimmelt; ich war verwundert, woher der seifige Geschmack. Gerade ist ein neues im Ofen. Diesmal mehr Salz, ein Schuss Essig; mit Cashews, Walnüssen, Cranberries, Kürbis- und Sonnenblumenkernen. Wieder Physio – diesmal 1 Std. 55 Minuten. Das lohnt sich! Natürlich werde ich an den Geräten nicht minütlich betreut.

Alles dreht sich um Vorbereitungen auf unsere Veränderungen. Ich sortiere die ein oder andere Schublade, das ein oder andere Fach. Schaffe hier und dort eine Handbreit Luft. Bald Gespräch mit Michis Verpächtern, sie kommen inspizieren, fotografieren. Eine Marschrichtung muss festgelegt werden. Haus räumen? Mieter alle auf die Straße setzen? Hoffentlich nicht! Drin lassen und jemand anders macht weiter? Wir sollten das baldestmöglich erfahren. Unterschiedliche Anforderungen ergeben sich daraus. Inzwischen spinnen und verwerfen wir Ideen. Gottlob haben wir Zeit. Leider viel zu viel „Zeug“. In Vorbereitung auf die Inspektion – und im Zuge dessen auch für uns – geht jetzt auch in der Pension wieder die Schufterei los. Den halben Sonntag geräumt, geputzt – ein Tropfen auf den heißen Stein.

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3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Ich komme gar nicht mehr mit, soviele Menschen triffst du. Deine Wegwerfaktionen schon telefonisch erfahren. Geniale Freundin habe ich nicht gepackt, habe das Buch weggegeben. Brot backen scheint in zu sein. Muss ich doch auch mal probieren. Die Pension auszuräumen ist wahrlich eine Mammutaufgabe. Euer Zusammenziehen nimmt immer konkretere Formen an.

  2. Beate sagt:

    Alle Zeichen stehen auf Umbruch. Und mittenrein Kontakte, Kontakte. das kenne ich gar nicht von Dir! Kontaktüberfluss, hoffentlich keine Kontaktbullemie. Die Fernante hat wirklich keine hohe Literatur geschrieben, ich habe ihre Bücher dennoch in einem Happs verschlungen, als sie raus kamen. Inzwischen ist seit geraumer Zeit der Podcast im BR. Ich höre ihn dauernd vorm Einschlafen. Die Schwerpunkte, die da gesetzt werden, überzeugen mich: die unglückliche Liebe von Elena, die schwierige Freundschaft von Elena und Lila und die Auflösung als Plot, der sich durch alle Bände zieht. Aber noch besser als der Podcast hat mir die Lesung von Eva Mattes gefallen.

  3. Ines sagt:

    Ich hätte nie gedacht, dass Ferrantes Geniale Freundin deine Kritik übersteht. Ich hab die Bücher auch gelesen und fand sie von Band zu Band trivialer, aber der erste Band, in dem sich die Kinderfreundschaft anbahnt, hat mich auch in den Bann gezogen. Freu dich, dass du soziale Kontakte hast. Wenn es Menschen sind, mit denen du echte Gespräche hast, ist das ein großer Schatz. Ist in deinem Brot auch kein Mehl drin? Im Mariandl hatte ich auch mal so eine überraschend schöne Musikdarbietung erlebt. Gut dass ihr da geblieben seid.

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