23-02-05-Improtheater – neuer Exzess mit Fabian – Corinnas Tod – Beates Valentin-Podcast – Herrn Wilmsens Geburtstag und ich als schlechte Teamplayerin

Nach extremem Leseexzess wieder Stippvisite von Fabian. Wieder sage ich, ab jetzt kommt er mir nicht mehr ins Haus. Wie immer sofort bei Michael angerufen. Er fühlt sich mit Recht an Gewaltbeziehungen erinnert. Nie habe ich begriffen, was Menschen bewegt, in etwas zu verharren, was sich trügerisch temporär zu bessern scheint und immer wiederkehrt. Immer denke ich, es ist etwas anderes, den eigenen Sohn aus dem Leben zu sperren. Nichts destotrotz bin ich danach in den Schlachthof zu meiner Verabredung mit vier Ex-Caritas-Kolleginnen gegangen. Essen und Improtheater. Ich fand das gut, hatte aber mit noch mehr Begeisterung gerechnet. Mit den Vieren war es nett, Unterhaltung wegen Geräuschkulisse nur bedingt möglich. Hinterher ließ mich die neueste Katastrophe bis drei Uhr nicht schlafen. Lesen half. Darf das sein? Langsam mache ich mir um mein Leseverhalten Gedanken. Gibt es Lesesucht? Wikipedia hilft mir nicht weiter. Ferrante – heißt es – wirke wie eine Droge. Merkwürdig, mir ist tatsächlich, als schade mir das auf Dauer. Gott sei Dank wird es in Kürze ein Ende damit haben, dann verhalte ich mich wieder völlig anders zu meinem „Stoff“.

Schließlich hat mich eine Email von Gregor erreicht, dass unsere (Ex)Kollegin Corinna auf der Palli liege, sich rapide verschlechtere. Am Dienstag, dass sie über Nacht gestorben sei. Seitdem schickt er auch mir diese Nachrichten an alle. Der Ton bezogen auf Corinna ist warm, aber zueinander distanziert bis kalt. Immerhin bekomme ich die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Jetzt kommen Whatsapps, auch von anderen, die sich vergewissern, ob ich Bescheid weiß.

Donnerstag. Draußen stürmt und regnet es. Heute wäre die Übergabe unseres gigantischen Korbes mit in diversen Küchen hergestellten Köstlichkeiten im Anschluss ans Morgengebet: Pfarrer Wilmsens 80.. Ich wollte hingehen, war aber angenervt und habe mich gedrückt wegen des Theaters um die Karte, die unbedingt Irene gestalten wollte. Als ich zur Goldschmiedin kam, bei der alles lagerte, war aber nichts gestaltet, sondern lediglich einzelne Namen über die Karte verteilt. So haben wir bei Irene angerufen, sie machte Vorschläge wie „herzlichen Glückwunsch“ oder Ähnliches; da haben wir stattdessen (m)einen Goethe draufgeschrieben und uns dann schlecht gefühlt. Das zweite mal Regie durch sie, aber kein Inhalt. Ich sollte mir das nicht mehr antun. Gebet ja, drumrum eher nein. Zudem habe ich viel Zeit auf Oma Renates Geburtstag vertan. Gibt es etwas Schwereres, als jemandem etwas schenken oder – noch schlimmer – schreiben zu wollen, die sich für nichts interessiert? Ganz zu schweigen von der Wahl des Kartenmotivs?

Alles ist untermalt von Trauerfeier und Beerdigung von Corinna. Ich würde keinen Moment zögern, aber habe keine Ahnung, wie ich Gregor begegnen soll. Dieser Krampf überschattet jetzt alles. So kann die Zeit, die ich jetzt habe, auch Schaden anrichten. Wäre ich zwangsweise abgelenkt, wäre das alles überdeckt. Es wird überdeutlich, welchen Schaden dieses Ende auf meinen gesamten Austritt aus dem Berufsleben nimmt.

Eine ehemalige Kindergartenmutter in der Tram getroffen, freudig verabredet. Am Samstag nach harmloser Besorgung in Schwabing habe ich mein Fahrrad abgeholt, vergebens versucht, spontan Frida Kahlo zu besuchen (aus Abneigung gegen langwierige Vorausplanung) und mich dann den Rest des Tages mit mörderischen Fußschmerzen abgequält.  Sonntagsfrühstück bei einem Podcast, von Beate empfohlen, über Valentin: der Bayerische Patient. Er hatte am Ende 48kg. Sehr anregend, die künstlerische Verarbeitung der zur Diskussion gestellten, aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten „Hypochondrie“. Fantastisch aufbereitet durch die verschiedenen Stimmen von Ringswandl (als Arzt), O-Töne, Beates Freundin aus dem Musäum u.v.a.

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3 Antworten

  1. Beate sagt:

    Dass Fabian es dir so schwer macht. Ich habe im Umgang mit Rainer ja eine vergleichbare Herausforderung gefunden: ob ich jene Mischung aus Verschwörungstheorien und Esoterik ertragen kann, ertragen will. Aber er ist nicht mein Sohn und somit nicht mein Schicksal, unkündbares. Könntest Du Dich schützen, wenn Du ihn nicht mehr in Deine Wohnung lässt? Würde er dann nicht mehr kommen? Es scheint auch keine Aussicht auf Veränderung zu geben, da er von seinem Weltbild überzeugt ist. Aber Michaels Einschätzung teile ich: wenn selbst kurze Begegnungen, Stippvisiten, mit Fabian so massiv ablaufen, ist der Boden eines gewaltfreien Miteinanders verlassen.

  2. Ines sagt:

    Der Tod von Corinna bereitet den Weg für eine erste kleine Kontaktaufnahme mit Gregor. Der Ton auf sie bezogen ist warm, immerhin. Die regelmäßigen Eskalationen mit Fabian müssen sehr belastend sein. Den Kontakt zum Sohn ganz abzubrechen, um dich zu schützen, wäre ein gewaltiger Schritt. Meines Erachtens nicht möglich. Dass Lesen eine Sucht ist, kannte ich nur bei wenigen Büchern. Ich würde es eher als Leidenschaft bezeichnen. Sucht hat doch einen pathologischen Beigeschmack und ist definiert durch Entzugserscheinungen und dass man immer mehr Stoff braucht. Bei welchem der Ferrante Bücher bist du den inzwischen angekommen?

  3. Renate sagt:

    Ich kann aus meiner Geschichte durchaus verstehen wie es ist, in einer Situation zu verharren, die sich scheinbar verbessert und sich dann doch wieder zum Negativen wandelt. Die Situation mit meinem Sohn hatte andere Gründe und ähneln sich doch sehr. Dein Leseverhalten hat schon etwas Exzessives. Was wäre wenn du eine Lesepause machen würdest? Hättest du Entzugserscheinungen, oder würden sich ganz neue Dinge auftun?

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