23-04-29- Singfreude + Zeitluxus – 49€Ticket – Jakob, Anna+Staatsdiener
Wie sehr ich diese Zeit genieße und intensiv als Luxus erlebe!! Dienstägliche Singfreude – im zweifach besetzten Alt gut angeleitet, auch wenn mich meine Partnerin ignoriert. Die anderen Damen sind teilweise (ur-) alt, aber freundlich-offen. Sie haben keine jungen Stimmen, aber jahrelange Übung. Ich habe Lob eingeheimst. Vielleicht stört das die andere? Sie singt nämlich gut. Man merkt im Umgang mit den Notenblättern, dass sie sich mit Musik auskennt. Ich wurde von der Chorleiterin gefragt, ob ich zu Hause geübt hätte und dass ich wirklich gut sei. Das hat mich natürlich geschmeichelt. Ich habe keine „schöne“ Stimme, aber ich halte Rhythmus und Ton. Die Stimme klingt besser, wenn ich sie „aussinge“ und nicht schüchtern leise herumkrähe. Wir singen herrliche, teils anspruchsvolle Lieder. Die Chorleiterin kann was. Es ist das, was ich will. Kein Riesenanspruch, aber man patzt möglichst auch nicht mit falschen Einsätzen. Ich bin im Nachgang voll mehrstimmigen Gesangs.
Hinterher wollte ich mein Abo auf Deutschlandticket umstellen lassen. Aberhunderte in der Schlange! Nach vielen vergeudeten Stunden am PC aufgerieben. Passwort vergessen? Fordern Sie eine Email an zur Zurücksetzung – vielfach vergeblich – das System heillos überlastet. Schade, dass ich mir zuviel Zeit gelassen habe! Tags darauf also nochmal hin – zwei Stunden im eiskalt-zugigen Untergeschoss am Marienplatz Schlange gestanden. Jetzt habe ich das Deutschlandticket, aber die Umstellung des Abos hat auch dort nicht geklappt. Ich sollte es soundso kündigen – auch gescheitert; jetzt sind Brief und Mail unterwegs.
Den preisgekrönten Roman ihres Bewunderers David Foenkinos über Charlotte Salomon ausgelesen. Spricht mich stilistisch mit vielen abgehackten Halbsätzen nicht sehr an, erweitert aber, bettet ein, rundet ab, was die Ausstellung zeigt und was er bei der Recherche erlebt hat. Er selbst kommt also auch vor. Ein Wahnsinn, die Kombination aus Tod in Auschwitz und ungezählten Selbstmorden in der Familie. Sie selbst muss gegen diese „Bestimmung“ angemalt, angeschrieben haben. Bewusst? Unbewusst? Halbbewusst? Jedenfalls vom Schicksal getrieben.
Mittwoch haben Jakob und Anna für zwei Tage Station gemacht – unablässig in Sachen Kunst unterwegs über Aachen, Köln, (München), dann Frankfurt. Sie sind die zweiten, die in Michaels „Ex-“ Zimmer absteigen. Er hat schon wieder einen Anwärter, der Zuflucht vor seiner Frau sucht. So fängt es beim manchem an, der zuletzt hängenbleibt unter den Gestrandeten. – Donnerstag und Freitag bei Michi opulent gefrühstückt; seine Frühstücke sind auch ein Augenschmaus. Eine Mixtur aus ästhetischem Geschick und ostpreußischer Gastfreundschaft. Ziel dann: gemeinsam Brandhorst. Selten solche Schikane erlebt. Eine junge Mutter wurde so angepampt, dass sie geweint hat; wir mit kleinen Täschchen zurückgewiesen. Ich aber weigere mich ohne Taschentuch, Notizbuch, Handy – gehe auch nicht mit „Papiertüte“, also Geld zurückverlangt. Habe gesagt „was ist das für ein Sauladen“! Ich ginge auf der ganzen Welt mit dieser Tasche! Ist natürlich lächerlich – ich und Welt! Ich solle mich bei Söder beschweren. Schade, es sollte ja was Gemeinsames sein. Michael sagt, da geht er nie wieder hin. Er sollte etwas ausziehen, was zum „Outfit“ gehörte! Wir wollten in die Alte Pinakothek ausweichen. Das dumpe Subjekt an der Kasse hob nichtmal den Kopf. Das Gesicht, das unser bayrischer Staat in diesen Einrichtungen zeigt, die wir alle mitfinanzieren, ist kein Ruhmesblatt. Es erinnert an die Zeit nach 9/11. Bine sagt, es sei den „Klimaklebern“ zu verdanken. So haben wir uns dann im Tresznjewsky verabredet, bevor die beiden ihrer Wege gegangen sind. – Ob ich zur Vernissage „La vie en rose“ gehe – unkenntlich mit Sonnenbrille und Hochfrisur?
Sonntag – evtl. letzte Möglichkeit – Vivace/Anne-Sophie Mutter oder Tár: vermasselt. Wegen Stadtlauf Innenstadt gesperrt und die Trambahn fuhr Gott weiß wohin. Später Backen für Peergruppe am Montag.
Ich war diese Woche einige Male am Marienplatz und habe die Schlangen vor der MVG Stelle gesehen. Unverständlich, warum es dieses Ticket nicht am Automaten gibt. Die Ausstellung im Brandhorst interessiert mich trotzdem. Kleine Taschen dürfen in der Regel mitgenommen werden, was auch immer unter klein verstanden wird. Tár soll sehr gut sein. Ausschnitte in Kulturzeit gesehen. Cate Blanchett einfach toll.
Dieser Chor ist ja wie für dich gemacht. Endlich kannst du auf deinem Gesangsniveau deine Stimme aussingen. Der Umstieg auf das Deutschlandticket war bei mir unkompliziert mit Email und App. Welch doofe Erfahrung im Brandhorst. Nächstes Mal dann mit mikrokleiner Tasche und inkognito.
Deine Schilderungen vom unfreundlichen Verhalten der Kassenleuten im Museum Brandhorst hat mich heute sehr vorsichtig werden lassen, als ich in die Ausstellung im Buchheim Museum ging. Da waren alle sehr entgegenkommend. Das Deutschlandticket besorg ich. erst, wenn der erste Ansturm vorbei ist- ich höre von allen Seiten, wie lange man anstehen muss!
Und wie wunderbar, dass Du einen Chor gefunden hast!