Telefonische Überfälle und meine letzte WG

Wenn ich für eine Weile weg bin, freue ich mich stets sehr auf ruhige Tage nach meiner Rückkehr. Diesmal waren sie mir nicht vergönnt. Zwei Briefe flatterten auf den Tisch, ich muss Nachweise für meine neue Situation als Rentnerin beibringen, die ich schon als „erledigt“ abgehakt hatte. Die Gärtnerin aus Penzberg rief ständig an. Sie kümmert sich seit Jahren um die Pflege des Grabes meiner Eltern und hatte tausend Fragen, hinter denen nur eine steht: Ob ich sie weiterhin. beschäftigen will (ich war nämlich im Sommer mal dort gewesen und fand das Grab in liederlichem Zustand vor. Sie versprach, bald was Neues zu pflanzen, deshalb hätte es ausnahmsweise nicht so gepflegt ausgesehen als sonst). Frau Schneider ist eine Ratschkattel und nahm auch gleich die Gelegenheit mich an der Strippe zu wissen wahr, um den neuen PenzbergerTratsch loszulassen.. Die nächste war Haira, nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Sibenik bei ihrer Mutter zurückgekehrt, mit den genauen Wucherpreisen in den Lokalen ihrer Heimat.(Was? Kroatien inzwischen teuerer als München?). Schließlich landeten wir dabei, wie sie ihren Mann, meinen Freund Reinhard, ausstaffiert, damit er in seinen feinen Kreisen der Rotarier und Pappenheimer was hermacht. Er sei nämlich faul und habe keinen Geschmack. ich warf ein, er sei einer der schönsten Männer, die mir über den Weg gelaufen sind (was stimmt), worauf sie im Detail ausführte, dass er keine Krawatten tragen soll, dazu sei sein Gesicht „zu knochig“….Telefon abstellen und Zeit gewinnen!

Eine wirklich wichtige Veränderung: Jania zieht in Alinas Zimmer ein. Es scheint fast, als wolle sie den Rest ihrer Jugend bei mir verbringen: Das Zimmer muss leer sein, nur das Bett und das Klavier sind geduldet Alles andere will sie nach ihrem Geschmack gestalten, was für mich komplett zu einem Auszug  aus meinem Arbeitszimmer geführt hat: Berge von Büchern im Schlaf- und Wohnzimmer, allerhand anderes obendrein. Der Schreibtisch, mein Juwel, kommt ins Wohnzimmer, wo er nicht hin passt usw. Derweil war es als Zwischenlösung gedacht, auch weil Sirena berufliche Veränderungen vor sich hat. Damit sie ein zweites Zuhause hat, bedeutet für Janni: Keine Kompromisse mit der Einrichtung! In dem Alter und auch später, ja bis heute, bin ich komplett anders gestrickt.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Dass dir die ruhigen Tage nicht vergönnt waren kommt mir bekannt vor. War es nicht nach der letzten Reise genauso – als Alina und ihr Simon schon bereit saßen? Die Telefonate zum „Ablass“ fremden Quatsches, furchtbar – habe ich schon seit vielen Jahren abgeschafft. Irgendwann ruft dann auch wirklich fast niemand mehr an. Zum Brüllen, die Themen. Anstatt dass du dein – wie es schön abgedroschen heißt – wohlverdientes Altenteil jetzt mal genießen kannst, Pustekuchen! Unvorstellbar für mich – aber ich hab ja auch keine Enkelin.

  2. Ines sagt:

    Da hast du echt eine Bombe platzen lassen, als du darüber geschrieben hast, dass Janni bei dir einzieht. Und das jetzt, wo du die neue Freiheit hast und dein Leben ohne große Verpflichtungen hättest genießen können. Dass du es scheinbar gerne machst und dich darauf freust, mit einer Jugendlichen zusammen zu wohnen, bewundere ich. Ich bin gespannt, wie sich eure Beziehung entwickelt.

  3. Renate sagt:

    Die Telefonate, die dich nicht zur Ruhe kommen ließen, strengen schon beim Lesen an. Dass du deine Enkelin bei dir aufnimmst, ist, im Hinblick auf deinen neuen gerade begonnenen Lebensabschnitt, sehr großmütig.

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