24-04-20 – Tage mit Fabian + geballte Vergangenheit am Friedhof – „Mariechen“, Knausgard + Seitenstechen

Letzten Samstag um 6:00 Fabian in der Küche getroffen. Er animierte mich zu zweistündigem Morgenspaziergang – hinterher gemeinsames Frühstück mit Michael. – Montag früh Singen – statt der „gellenden“ eine silberklingende Altistin nebendran – Balsam! Fabian unterdessen beim KVR zwecks Anmeldung – was ich nie wieder wollte – notwendig für die Schweiz. – Treffen mit Susanne, die ein Licht-Gebet aus dem Islam für mich dabeihatte. Konnte sie doch nicht wissen, dass Omamas Beerdigung nach isalmischem Ritus ablaufen würde. – Abends Aetas: Thema „zu Hause“; Tränen flossen.

Am Dienstag wurde Omama der Erde übergeben. Aussegnungshalle immer ein Trigger (zwei Tavor). Mir begegnete meine geballte Vergangenheit. Ich erkannte dunkel den damaligen Psycho-Lehrstuhlinhaber Butollo und seine Frau, durch den damals Maria als Studentin für das erste Traumseminar bei einem Sufimeister kam. In deren Schlepptau sind auch Ingo und ich bei den Sufis gelandet, später seine Geschwister und bald eine Riesenblase an interessanten Persönlichkeiten, dabei (Natur-)Wissenschaftler, Richter, Apotheker, Psychologen, Philosophen, Ärzte, LehrerInnen usw., will sagen: ein orientierter, vorwiegend akademischer Ausschnitt der Gesellschaft, denkende, vernunftbegabte Menschen, allesamt „Suchende“, evtl. ihrer materialistischen Weltsicht überdrüssig und mit ihrer Sinnfrage auf der Strecke geblieben. Butollos und die ganze Gemeinschaft damals sehr bemüht um Ingo und mich als Paar. Längst geht dieser Kreis in die zweite bzw. dritte Generation. Es ist, als hätten sie mich nie vergessen – so schön für mich. Pari scheint zu niemandem gehörig (hat sich wohl nicht nur gegen mich abgeschottet), wirkt etwas verloren, niemand bezieht sich auf sie und umgekehrt. Uns blieb die gegenseitige Begrüßung erspart – unsere Blicke gingen konsequent aneinander vorbei. Von den Anfängen dieser Sufi-Gemeinschaft kann ich noch mein Lied singen. Heute beeindruckende Versammlung, Gesänge, Gebete, Ingo hat eine wunderbare Huldigung gesprochen; ergreifende Begegnung mit Melsene, von überallher „hallo Heike, schön, dass du da bist – du kommst doch noch mit?!“ – auch wenn ich nicht mehr alle erkannt habe. Sogar Ingos alter Schulfreund. Fabian mittendrin, als die Männer – unter Gesängen – nach den Schaufeln griffen, um das Grab zuzuschaufeln. Sehr archaisch. Conny hielt sich eher an uns. Hinterher sind wir nicht nach Holzkirchen mitgefahren, sondern mit Fabian und Conny essen gegangen. Nach deren Abfahrt lag ich zu Hause wie erschlagen, geschlafen fast bis zum Morgen. Jetzt atmen wir auf. Eine viertägige Feuerprobe ist bestanden, deren Gelingen auch vom Verkneifen manchen Wortes abhing; auch hatte jeder Rückzugsmöglichkeit. Melsene muss nach Bewirtung von siebzig Gästen aufgeräumt haben bis zum Morgen, dann arbeiten gegangen und auf dem Heimweg an einen Baum gefahren sein. Mein geplanter Besuch im Klinikum Agatharied – auf den wir beide uns sehr gefreut haben – fällt vorerst aus: zwei gebrochene Wirbel müssen (Fr.) operiert werden.

Großkampf, bevor Ursula ihre neue Tandempartnerin hier einführt, ein verschüchtertes Mädchen ohne Händedruck, das „nur englisch“ spricht, aber doch nichts versteht. Wir fliehen zu „Fülle meine weite Schale mit Leben“ in die Stephanuskirche.

Seerosen-Stammtisch, diesmal zu dritt. Graupelschauer, Schnee; Sonnenschein zuletzt am Friedhof. Baustelle an unserer Kreuzung und direkt vor unseren Fenstern – bedrohlich – Baukran zwecks Aufstellung eines Funkmasts. – Fahrrad für 188 € abgeholt. – Ich arbeite am Konzept für meinen Workshop bei Dasein und anderen „Spielereien“. – Derzeit vertage ich, durchgerüttelt nach „Wir sind Gefangene“, weitere Graf-Lektüren (Oskar von Freunden zuweilen „Mariechen“ genannt); erst kommen fristgebundene Leihgaben wie Knausgards „Der Wald und der Fluss“ über Anselm Kiefer. Hänge ansonsten herum. Morgen Bachs h-moll Messe – Nymphenburger Kantatenchor. – Dauerhaft Stechen in der Gallengegend – dabei habe ich keine Galle mehr. Bald Termin bei neuer Ärztin – ich brauche endlich eine Hausärztin – hoffentlich passen wir zusammen.

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Dein Beitrag wirft bei mir einige Fragen auf. Hat Fabian jetzt wieder seinen Wohnsitz bei dir im KVR angemeldet? Was bedeutet das für dich? Ist Melsene eine Schwester von Ingo? Dass Pari seine Frau ist weiß ich und Maria seine Schwester vermute ich. Von dieser Zeit, als du dich mit Ingo dem Sufismus zugewendet hast, weiß ich so wenig. Irgendwann musst du mir das mal erzählen. Diese Suche nach etwas Spirituellem im Leben erinnert ich auch an die vielen Intellektuellen, die sich damals Bhagwan zugewendet haben. Wo wenden sich heutzutage die Menschen hin, um Sinn zu finden? War nicht erst vor kurzem ein Treffen im Haus Zepter (Geburtstag der Oma), wo du auch so herzlich von allen aufgenommen wurdest? Ich kann mir gut vorstellen, wie dich diese Tage geschafft haben. Ich hoffe, die neue Hausärztin ist kein Reinfall. Ich habe auch so eigentümliche Schmerzen und vermute einen Zusammenhang mit der Galle. Ich hab meine aber noch inklusive eines Steins darin.

    • Heike sagt:

      Ohje….inclusive eines Steins!?! – Fabian braucht eine aktuele Anmeldebescheinigung, um sich dann – hoffentlich – in der Schweiz anmelden zu können. Er hatte lange seine Anmeldung bei Michael – aber egal wie: die Bescheinigung muss aktuell sein. Im besten Fall bedeutet dies jetzt für mich gar nichts, im schlechteren stranden hier unerledigte Amtsschreiben und ich werde wieder reingezogen. – Melsene ist Ingos Schwester. Pari seine Frau. Maria, die für mich früher auch wahnsinnig wichtig war, als ich ihn kennengelernt habe und über viele Jahre, ist die Frau seines verstorbenen Bruders Uwe. Deren einer Sohn von zwei Söhnen (Simon) hat Fabian auch regelmäßig in Horgen besucht und ist wie ein Bruder für ihn, mehr als vielleicht seine wirklichen Brüder. Über „diese Zeit“ erzähle ich dir gerne einmal. Baghwan war „vorher“ und eher esoterisch, aber es gibt sicher Parallelen.

  2. Beate sagt:

    Ich erinnere mich an ein Haus am Starnberger See, (Leoni?) in dem Du damals das Traumseminar durchlebt hast, ich erinnere mich, dass ich nach Diener Erzählung dachte, du wirst jetzt keine Angst mehr vor dem Tod haben, weil du so viel erlebst, in dieser Villa, mit Ingo zusammen und all diesen Menschen, die Du am Grab jetzt wiedersahst. Wie hat Ingo mit Pari zusammengefunden? Ich weiss nur, dass sie eines Tages da war und Kontakt zwischen Dir und ihm nicht mehr stattgefunden hat. Es war eine so intensive Zeit, die Zeit mit Ingo. Das Buch von Knausgart will ich auch lesen, ich finde, er ist ein großartiger Autor

    • Heike sagt:

      Leoni, das war die spätere Scheelvilla; nein, das war die WG, in der Maria ein paar Jahre gewohnt hat. Die Traumseminare waren woanders. Ich weiß aber nicht mehr wo – ich glaube, an verschiedenen Orten – wurde ja alles immer größer! – Und Ingo hat mit Pari wohl nie zusammengefunden – weder damals noch heute. Es ging einfach darum, von mir wegzukommen, sonst würden wir bis zum jüngsten Tag zwischen ja und nein herumgeschwommen sein – den Job hat sie ja gründlich erledigt. Ich konnte ja jahrelang keine Entscheidung treffen, war auch schon an Peter gebunden – so hat er einfach irgendwen sie genommen und gehofft, es wird sich schon richten. Sage ich.

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