Weißer Riese, Arbeit und Stau

Heute bin ich zur Abwechslung mal wieder in die Landeszentrale gefahren.Unsere Büroräume sind hell und schön und bestens aufgeräumt. Der „Weiße Riese“, das Gebäude, in dem wir untergebracht sind, stand strahlend hell da, als ich vom Parkplatz aus um die Ecke bog. Der Blick auf den Lavendel, der auf der Terrasse vor meinem Fenster blüht, könnte ein Fleckchen Natur vermuten lassen. Nein, das hilft auch nicht: Das Gebäude ist so steril wie das ganze Areal drum herum. Ich mag es nicht. Hingegen ist es sehr schön, mal wieder den einen oder anderen Kollegen wiederzusehen. Meine Rolle als Personalrätin stellte mich heute vor einige Probleme. Die von ihren Kolleginnen Gemobbte klagte mir ihr Leid und bat mich um tatkräftige Unterstützung. Sie hatte eine Liste all der Vergehen angefertigt, mit Datum und Uhrzeit. Da saß sie mir gegenüber, in ihrem rosa Twinset, mit Perlen an Hals und Ohrläppchen geschmückt, eine hochgewachsene Dame , von preußischem Adel mit Pferd daheim, unterkühlt, von einer gewissen Noblesse in Sprache und Gestus. Die beiden „Mobberinnen“ sind daneben aus anderem Holz geschnitzt. Die eine hat viele Jahre an einem Theater in München gearbeitet, war dort wegen großem Fleiß, Talent und Durchsetzungskraft wohl gelitten, wegen ihrer Scharfzüngigkeit aber auch respektiert worden, um es mal so zu sagen. Die andere ist eine stets gut gelaunte, viel fröhlich lachende Familienmutter, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen läßt. Die drei passen zusammen nicht in einen Raum, und da mussten sie sich eineinhalb Jahre lang begegnen. Und es fielen viele verletzende Sprüche. jedenfalls wollte sich bislang kein Mensch (ich meine damit die Vorgesetzten)dieses Problems annehmen und die Stimmung eskalierte zusehends, auch in Coronazeiten, denn sie konnten aufgrund ihrer Aufgaben nicht von der Homeoffice Regelung profitieren. Meine eigentliche Arbeit hat heute Spass gemacht: Fotos von Schulen im Kontakt mit kommunalen Behörden recherchieren, eine zweistündige Zoomkonferenz. Es war spät, als ich nach Hase aufbrach. Unterwegs muss es einen Riesenunfall gegeben haben, ich stand eine Stunde lang im Stau, drei Krankenwagen kämpften sich durch den Mittleren Ring.

 

 

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4 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Weißer Riese ist ein prima Name für so ein Haus! – Sich einer mutmaßlichen Mobbingaffäre als Personalrätin annehmen zu müssen ist eine Überforderung und Zumutung. Daran beißen sich Fachleute die Zähne aus, die entsprechende Berufe und Weiterbildungen haben. Es ist eine Kunst für sich, sich zwischen all den Stühlen allparteilich durchzulawieren. Aber evtl. ist es nicht dein Job zu schlichten und Partei zu ergreifen, sondern entsprechende Fachleute und Schlichter, evtl. Supervision beizubringen – hoffe ich.

    • Beate sagt:

      genau das habe ich vor! Ich werde doch einen Teufel tun und was versuchen, wofür mir weder Ausbildung noch Talent fehlen. Zumal ich mit der einen Mobberin sehr gut zusammenarbeite, in unserem Referat ist sie sehr beliebt. Ich sehe mich in der Rolle, den Vorgesetzten, vor allem dem Direktor, die Dringlichkeit zu vermitteln, einen Fachmann einzubestellen!

    • Beate sagt:

      noch ein kleiner Nachtrag: der Personalrat ist für gesundheitliche Angelegenheiten, darunter fallen auch psychische Belastungen durch Mobbingsituationen, zuständig. Das gehört zu seinen Kernaufgaben. Das heisst aber nicht, dass er die Probleme lösen muss, wohl aber dass er z. B. Mediation anleiern kann. Ohne meinen Einsatz dafür würde das nicht stattfinden!

  2. Renate sagt:

    Seit eineinhalb Jahren geht das schon? Mobbing kann so subtil sein, dass die Gemobbten es erst gar nicht realisieren. Vielleicht ganz gut dass es jetzt eskaliert ist, dann passiert endlich was.

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