20-04-16-CoTaBu-Etwas von der Seele schreiben
Wielang haben wir kein Aprilwetter mehr gehabt? So schön das draußen ist…! Mit Kopfweh aufgewacht. Enttäuschendes Ergebnis der Coronakonferenz. Gestern Riesenaufreger bei mir. Ein Patient, der seit August bei uns im Stuhl sitzt und raucht und für den ich längst angefangen haben sollte, nach einer Alternative zu suchen: für Pflegeheim zu jung, sie lehnen ihn ab, dann kam Corina und Aufnahmestopps. Seine Frau, die ihn erst im Hospiz geheiratet hat, weiß nichts als Ausflüchte, warum es zu Hause nicht geht. Nun stellt sich nach Monaten raus, dass sie nicht – wie sie mir glaubhaft versichert hatte – schon den Fuß in einer Wunscheinrichtung hat, sondern dorthin gerade mal eine Email geschrieben hatte, worauf keine Antwort kam. Ich habe dem Medizinischen Dienst mehrfach gesagt, die Frau sei dran, sei kooperativ, bemühe sich, aber derzeit….und jetzt: „Da haben Sie mich falsch verstanden“. Da ist leider kein Interpretationsspielraum, sondern eine glatte Lüge nach dem Motto „aussitzen“. Ich war außer mir, musste mich beherrschen und sehe unser Vertrauensverhältnis nun als beschädigt an; habe jetzt selber losgelegt. Ihre Idee, dass ich mich ja sicher besser auskenne und weiß, wo „was Gutes“ ist, muss ich jetzt wirklich beiseite lassen. So wählerisch kann ich nicht mehr sein für ihn, nachdem Monate ins Land gegangen sind, seit wir alle sagen, er gehört mit seinem Zustand eigentlich nicht zu uns. Um in diesem Format noch weiter auszuholen: Jetzt liegt er im Doppelzimmer. Der erste Zimmerkollege ist schon bei ihm gestorben. Der nächste, der dringend was braucht, hat Blutungen, Wundversorgung, entsprechende Geruchsentwicklung, ist entstellt. Dem alteingesessenen Patienten, der ewig bei uns im Einzelzimmel war, ist das nicht zuzumuten, ebensowenig umgekehrt einem so kranken Menschen ein wenig zugänglicher Mann, dessen einzige Sorge die nächste Zigarette ist. Das ist ein wenig wie gestern: Ansprüche ja, aber selber keinen Finger dafür rühren. Ich hoffe, der arme Mann muss nicht büßen, was seine Frau vermasselt hat. Und bin dabei den Verhältnissen begegnet, die „da draußen“ derzeit herrschen. In einer Einrichtung pflegen gerade zwei Schwestern 40 Patienten. Abends mich bei Michael bei Kotelett und Vogelsang im Garten erholt und danach ein sehr gutes Telefonat geführt. Zwinker.
Über mir Himmel – lächelt mir gleichmütig zu – er bleibt. Ärger geht.
Ich weiß noch wie es geheissen hat Frau R. sucht schon. Sehe dich richtig vor mir wie du gepumpt hast und trotzdem die Form gewahrt hast. Das war sicher nicht leicht für dich und es ist schlicht und einfach unverschämt von Frau R. Es gibt soviel Unterstützung im Hospiz und es wird lange gewartet bis
ein Patient entlassen wird und dann diese Art. Corona spielt ihr jetzt in die Hände. Das Hospiz ist eine Eliteeinrichtung, in der für vergleichsweise wenige Patientinnen alles und noch mehr getan wird, anders als in Alters- und Pflegeheimen und Krankenhäusern.
Gut dass du in Michaels Garten Ruhe gefunden hast.