21-04-29- 1/2 Hospiztag am Telefon + Betrachtung zum Lesen
Heute habe ich bis 13:30 gearbeitet, mich von allen ferngehalten, und wegen Aufnahmen für nächste Woche einen Telefonmarathon hingelegt. Wie immer entpuppten sich die allerdringlichsten Anfragen als Vorsichtsmaßnahmen, oft eingeredet von außen. Oder es wäre dringend, aber der Patient macht keine Anstalten. Man will noch zu Hause bleiben, wenn`s geht. Irgendwer hat einem Angst gemacht und seine Weisheiten eingepflanzt – alles „Experten“, die alles wissen. Es sei besser, man ginge früher ins Hospiz, um sich noch einzugewöhnen. Es sei besser, zuzugreifen, wenn es eine Möglichkeit gibt, wer weiß, ob es eine zweite gibt. Jemand idealisiert das Zuhausebleiben, jemand das Hospiz, weil man irgendwann irgendwen dort hatte. Intensive Gespräche sind dazu da, die Situation der Einzelnen zu erfassen, Kräfte der Beteiligten abzuschätzen, Erfahrungen anderer beiseite zu stellen, das persönliche Bedürfnis hervorzuholen, Absprachen zu treffen. In Verbindung bleiben und klären: was ist zu tun, wenn alles adhoc kippt. Insofern sinnvoll angewandte Zeit. So starte ich ganz anders in die kommende Woche; es liegen mir ein paar der Kandidatinnen konkret am Herzen, zwei sind bestellt. Eine sozialpädagogische Kollegin, über die Telefoante mit ihrer Schwester schon nahezu vertraut: könnte es zu Hause schaffen. Wenn nicht muss das Sanitätshaus ein übergroßes Bett (120cm) vorher zu uns schaffen. Sie ist stark adipös. In einem regulären Bett, nicht breiter als sie selbst, kann kaum Gemütlichkeit aufkommen! Den Nachmittag habe ich wieder verschlafen. Es lag erneut Gregors Zeit auf meinem Tisch. Langsam frage ich mich, ob es eine Lebensentscheidung ist: Bücher oder Zeitung? Ich kämpfe noch mit seinen Zeitungen der letzten Wochen, obwohl ich wirklich viel drin stöbere. An ein Buch zurgleichen Zeit ist nicht zu denken. Ich werde von allen seiten literarisch angeregt, bringe aber alles durcheinander und fresse das, ohne es zu verdauen.
War die Suche nach „geeigneten“ Patienten schon immer so schwer? Oder bekomme ich sie durch unseren Blog mehr mit, weil du die Schwierigkeiten, Unsicherheiten, Fragen und Zweifel der Patienten so komprimiert schilderst.
Das war schon immer so. Nicht umsonst habe ich in anderen Zeiten mit jedem ein ca. einstündiges persönliches Gespräch gehabt. Jetzt halt am Telefon. Es ist äußerst selten eindeutig.
Da braucht es viel Feingefühl und Erfahrung, diese ganzen Aspekte in einem Telefonat zu klären, insbesondere, wenn es um so etwas existentielles geht und die Emotionen alles überlagern. Mir geht es auch so, dass ich am Wochenende nur noch Zeitung lese und keine Kapazität mehr fürs Buch habe.
Aha, das hilft mir weiter. Dann ist das nicht nur bei mir so mit der Zeitung, die alle anderen Leseinteressen unterordnet.
Mir geht es seit geraumer Zeit so: am Wochenende Spiegel und Zeit, die Bücher liegen auch da und ich lese ab und ab ein paar Seiten… Solche Zeiten gibt es eben auch.
Wie wichtig es bei der Aufnahme von PatientInnen ist. dass gründlich sondiert werden muss!