Eltern, Mittwoch, intuitives Essen

Eben habe ich das letzte Mal meine Mutter zu Hause angerufen. Übermorgen wird der Umzug ins Pflegeheim stattfinden. Alle sind ganz tapfer und bemüht, es nicht zu dramatisch zu sehen, aber alle sind auch traurig und besorgt, wie es meiner Mutter dort gehen wird. Ich habe ihr versichert, dass sie nicht alleine ist und sie immer der wichtigste Mensch in unserer Familie bleibt, und da meinte sie, dass sie das wohl wisse und darüber sehr dankbar sei. Heute morgen bekam sie ihre zweite Impfung und gerade war noch die Hausärztin da, die auch für das Pflegeheim zuständig ist, um den PCR Test zu machen. Morgen wollen mein Bruder und mein Neffe dann die ausgewählten Möbel in ihr Heimzimmer fahren und Freitag nach dem Frühstück wird sie mit ihren übrigen Sachen dort hin gebracht. Renate hatte mal gefragt, warum meine Eltern nicht gemeinsam in ein Heim ziehen. Dazu muss ich noch etwas sagen: Mein Vater ist jünger als meine Mutter und er fühlt sich ungefähr so alt wie ein 50-jähriger. Er ist noch lange nicht fertig mit Leben, will Abenteuer erleben, mit dem Motorrad durch die Welt reisen und all so etwas. Insofern besteht eine Diskrepanz zwischen meinen Eltern, schon bevor meine Mutter krank wurde. Dass er die Pflege meiner Mutter jetzt nicht mehr schafft, ist nicht nur wegen der körperlichen Belastung, sondern vor allem psychisch, da er sich zu 100 Prozent angebunden fühlte und keine Freiheiten hatte. Ich bin sehr gespannt, inwieweit er jetzt anfängt, seine neuen Freiheiten wirklich zu nutzen. Ich könnte mir vorstellen, dass er erst mal lange Zeit nur erschöpft ist und vielleicht auch psychisch durchhängt. Mal sehen. Ansonsten war mein Mittwoch wieder so, wie meistens. Bei dem Sauwetter war ich ganz froh, dass die Yogastunde online stattfand. Dann Einkaufen, Hausarbeit, Kochen, Haaransatz färben, telefonieren, bisschen im Internet tummeln. Zwischendurch höre ich jetzt ab und zu mal Podcasts über Ernährung und intuitives Essen und all so Gesundheitsthemen. Das interessiert mich und ich kann nebenbei kochen oder Körperpflege betreiben. Beim Intuitiven Essen geht es darum, auf jede Art von Vorschrift oder Regel zu verzichten und einzig auf den Körper zu hören, also nur zu essen, wenn man hungrig ist und aufzuhören, wenn man satt ist und das zu essen, was der Körper verlangt. Ich bin unsicher, ob man auf diese Weise sein Wohlfühlgewicht erreicht oder hält. Und zu guter Letzt: Haben wir schon einen neuen Termin für unsere Schreibgruppe anvisiert? Mit den neuesten Bestimmungen dürften wir jetzt auf der sicheren Seite sein als komplett Durchgeimpfte.

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Intuitives Essen klingt gut. Wohlfühlgewicht? Welche Welten tun sich auf, welch unterschiedliche Maßstäbe! Was mit den eingefleischten Essstörungen? – Als Renate fragte, wie es mit den Beiden sei, wusste ich aus deinen Erzählungen, dass dein Vater noch lang nicht soweit war. Man darf gespannt sein. Ein Scheitelpunkt, ein Krisen- und Wendepunkt, es kann jetzt wirklich ALLES geschehen. Schön, dass du deiner Mutter das mit dem Mittelpunkt so gesagt hast! Mir jagt es Schauer über den Rücken, wenn ich mir vor Augen halte, dass es ihr Haus, ihr zu Hause ein Leben lang war. Sie war das zu Hause.

  2. Beate sagt:

    Der Umzug Deiner Mutter ins Heim hat mich sehr berührt. Und Deinem Vater wünsche ich alles Gute dafür, dass er wieder mehr unternehmen kann. Bei meinen Eltern war es ja anders: Mein Vater, zehn Jahre jünger als meine Mutter, hat sie aufopfernd gepflegt und war am Ende selber ein Pflegefall.
    Wir sind nicht alle durchgeimpft! Aber ich freue ich auch auf unser nächstes Treffen!

  3. Renate sagt:

    Dass deine Mutter nun in ein Heim zieht, hat mich sehr angefasst. Ich bin gespannt ob dein Vater seine Freiheiten dann auch genießen kann. Intuitives Essen klingt gut und natürlich. Inzwischen spüren viele Menschen gar nicht mehr wann sie satt sind.

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