21-05-05-CoTaBu-Süßes zum Platzen-Sisyphosarbeit-Jakob in Anreise

Michael wollte heute nicht kochen. Ich glaubte, ich hätte noch ein paar Stückchen Maultaschen und dazu eine Tomate für Salat. Auf dem Fußweg nach Hause wollte ich mich bei Isaak mit „ein wenig“ Dauergebäck eindecken. Meine Maultaschen waren verschwindend wenig. Ich blieb hungrig und fraß infolgedessen das gesamte Gebäck zusammen. Jetzt bin ich satt und unglücklich. – Heute habe ich einen Angehörigen, der am Telefon so weinte, dass ich ihn nicht verstehen konnte, kurzerhand von unserer Palliativstation rüberbestellt: Abstrich, dann ein „richtiger“Kontakt. Seine Frau sollte morgen nach Hause und hat sich so verschlechtert, dass der Traum geplatzt ist. Letzten Freitag hatten die beiden in der Palliativstation geheiratet, was schon vor ihrer Diagnose im November geplant und immer wieder Corona bedingt verschoben wurde. Der Standesbeamte hat die Situation erfasst und kam unverzüglich, muss aber seine Platte von „Gesundheit“ und „in guten und in schlechten Tagen“  1:1 aufgelegt haben und wurde lediglich durch strenge Blicke der Kollegin Nese aus seinem skurrilen Konzept gebracht. – Der Patient, den ich von heute auf morgen verschoben hatte, ist heute nachmittag verstorben. Die dritte Absage diese Woche; tagelange Arbeit, tagelanges Telefonieren, alles umsonst. – Morgen kommt Jakob. Ich freu mich riesig, hab ihn ein Dreivierteljahr nicht gesehen! Wir sind hin und hergerissen. Kommt er hierher, haben wir über kurz oder lang Konflikte. Geht er zu Michael, habe ich ein schlechtes Gewissen und finde, ich setze ihn der Zerrissenheit aus, er hat aber auch Ruhe und ist ungestört. Er will diesmal in familiären Hinterlassenschaften stöbern. Frau Dr. Aiblinger hatte AstaRationen übrig. Jetzt aber ist Jakob ihr zu jung, hat sie keinen Termin, hat sie doch einen. Zuletzt scheiterte es daran, dass Jakob gar keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat.

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5 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Das kenne ich auch, dass eine zu kleine Portion nicht satt macht und dann muss noch was anderes her. Und Jakob kommt, wie schön! Ich mache mich am Samstag auf den Weg nach Frankfurt

  2. Ines sagt:

    Wo möchte denn Jakob lieber wohnen? Er könnte m.E. bei Michael wohnen und tagsüber auch deine Wohnung nutzen, wenn du arbeitest. Abends trefft ihr euch doch eh immer zum Essen, mal hier, mal da. Der Ehespruch mit den guten und schlechten Zeiten ist schon sehr makaber in dem Fall deines Paares. Wird die Frau zu euch kommen?

    • Heike sagt:

      Wo Jakob lieber wohnen will? Wenn ich das wüsste! Die Kommunikation mit ihm ist selten eindeutig und nie einfach. Ich glaube, es könnte sein wie ich es empfinde. Ich hätte ihn gern hier und dann halten wir uns schlecht aus. Er geht z.B. ins Bad, wenn ich gerade reingehen will, spricht nie was ab, lässt sich ungern fragen, wie seine Pläne sind, fühlt sich schnell bedrängt. Ich halte mich dann dauernd zur Verfügfung und weiß nicht, was Sache ist. Er braucht Wärme und Herzlichkeit und stößt sie gleichzeitig zurück. Tja, so ist das mit uns…

    • Heike sagt:

      Achso, die Frage: ja, die Patientin kommt am Freitag.

  3. Renate sagt:

    Die Entscheidung wo er wohnen will trifft Jakob, oder? Da kommt er auch in die Bredouille. Für eine Eheschließung wie die auf der Palliativstation sind Standesbeamte nicht flexibel genug.

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