21-06-06-CoTaBu-Erlebnisse „in echt“, lesend und innerlich
Wielang hat es nicht mehr gegossen wie heute Nacht! Jetzt zwitschert es laut. Wochen und Monate schienen Stinkwanzen und Tauben gebannt; jetzt pflücke ich wieder die ein oder andere von der Wand und es gurrt auf dem Balkon. Der gestrige Tag galt der Putzvorbereitung, ohne dass ich am Ende eure befriedigenden Erfahrungen mache. Natürlich ist es befriedigend, wenn (oberflächlich) aufgeräumt ist und ich das Ruder an Barbara oder Ursula übergebe, weggehe und später die blitzsaubere Wohnung vorfinde. Spaziergang; Schrebergärten gesichtet: unbeschreiblich, was für ein Abbild von Gesinnungen sich da in Verbotstafeln und Verordnungen widerspiegelt; „Paletten sind IN. Nicht in Münchner Kleingärten…!“ – Zeitunglesen, z.B. über verschiedene Formen der „Bias“; vereinfacht: das Gehirn lässt nur zu, was es eh schon zu wissen glaubt. Beispielsweise eine Form umgekehrter Hypochondrie. Nicht das Überzeugtsein von schweren Erkrankungen bei sich oder anderen, sondern das Gegenteil. Jemand Erblindetes nimmt die eigene Erblindung nicht für wahr, glaubt zu sehen, was man ihm zeigt. – Ansonsten arbeite ich – wie die Maus Frederic – innerlich. Womit könnte ich anfangen, hier Platz für den möglichen Tag x zu schaffen? Statt eine Diakoniekiste aufzustellen erwäge ich googelnd, Lollos kultiges „Acapulco“ noch mit ein paar Eier- bzw. Trinkbechern aufzustocken. Da ich mich im großen Stil allzuschwer tue könnte ich im Kleinen anfangen. Gestern schonmal Baraba ein überflüssiges CD-Gerät mitgegeben. Heute vielleicht ein paar Kuchenförmchen? Ich habe von euch gelernt, in diesem Fall zuletzt von Ines, die ihren Lebenschritt auch jahrelang vorbereitet hat. Bei Renate lese ich mit einem weinenden Auge: „Diese Stille in mir…“, denn diese Stille hat man doch nur allein. War ich nicht stolz-überzeugt von der Lebensform zweier Haushalte? Noch ist es ja nicht soweit und wer weiß…. Bei uns spielen allerdings auch existentielle Erwägungen mit.
Eine Kuchenform wirst du los. Aussortieren ohne Not ist wirklich nicht leicht. Am besten geht es wenn ein Umzug ansteht. Heimgartenbewohner sind eine ganz besondere Spezies. Bias hast du mir heute am Telefon erklärt, irre was es alles gibt.
Der Tag X….Michael wird mindestens genauso viele Bedenken haben wie du, vielleicht sogar noch mehr. Das Gegenteil von Hypochondrie gibt es im psychiatrischen Bereich zuhauf. Viele schwer Gestörte halten sich für gesund und normal.