Ex, Paarbesuch, Bachelor

Bevor es nach Hause geht, schreib ich mal wieder ein paar Zeilen von der Arbeit aus. Daheim ist Hubert und dann will ich mich nicht gleich wieder zurückziehen zum Schreiben und am Abend passt es auch oft nicht. Am Mittwoch war ich ja zum Mittagessen bei Sören. Er und Maja hatten noch eine Fallbesprechung, deshalb hab ich in der früheren Küche schon das Kochen angefangen. Das letzte mal habe ich dort ungefähr 2013 gekocht. Es kam mir auch so vor, dass er sie seit dieser Zeit nicht mehr geputzt hat, alles sehr schmuddelig und im Kühlschrank herrschte Überfülle und ziemlich viel verschimmeltes Zeug. Ich habe mich aber beherrscht, nichts weggeworfen und nur da den Dreck weggeputzt, wo er mich behindert hat. Wir haben dann sehr einträchtig zu dritt fertig gekocht und gegessen. Sören hat wieder die meiste Zeit von seinen Themen und von einer Freundin erzählt, die psychotisch geworden ist und um die er sich derzeit kümmert. Es war immer schon so, dass er sich um andere Menschen viel mehr gekümmert hat als um sich selbst oder um seine Nächsten. Aber aus der Distanz kann ich das alles gut stehen lassen, auch, dass er mit keiner Frage Interesse an meinem Leben bekundet. Entweder interessiert es ihn nicht oder er will es nicht wissen. Lustig ist, dass er mich bei jeder Gelegenheit anderen Menschen vorstellt. Mit einer gewissen Inbrunst in der Stimme sagte er z. B. zu dem Handwerker, der gerade klopfte, als ich mir im Gang die Schuhe anzog: Das ist meine Ex-Frau. Irgendwie scheint ihm unsere Verbindung dann doch wichtig zu sein. Gestern Abend kamen Huberts Tochter Luisa und ihre non-binäre Freundin zum Abendessen zu Besuch. Sie hat jetzt ihren Namen von Sofia in Finneas geändert. Es war erst eigenartig, sie so anzusprechen. Der Abend war ausgesprochen heiter. Wir aßen auf der Terrasse und hatten viele Themen, auch Urlaubsthemen. Luisa wollte dann Fotos von Schweden sehen und Hubert holte seinen Laptop. Ich fühlte mich unmittelbar an die langweiligen Diavorträge von früher erinnert, als Hubert anfing, über jedes einzelne Bild eine Geschichte zu erzählen. Da musste ich dann doch intervenieren und den Rest der Fotos haben wir zügig durchgeflitscht. Luisa wohnt jetzt, wenn sie in München weilt, immer bei Finneas und nicht mehr bei uns. Wenn das so weitergeht, können wir ihr Zimmer vielleicht mal anderweitig selber nutzen. Aber jetzt muss sie erst mal ihre Bachelorarbeit abgeben und das wird auch meine Aufgabe dieses Wochenende sein. Sie hatte mich gebeten, die Arbeit zu korrigieren insb. auf Verständlichkeit. Hubert hat schon einmal auf die Rechtschreibung geschaut. Die Arbeit ist fürchterlich lang und sehr wissenschaftlich. Lust hab ich nicht, aber das Wetter soll am Wochenende ja schlecht werden, das käme mir dann entgegen.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Dass Sören dich als seine Exfrau vorstellt hätte ich so interpretiert, dass er damit zeigt, wie umgänglich er ist. Den Süff kommentarlos zu ignorieren finde ich eine Leistung, der wahrscheinlich die Harmonie des verbleibenden Zusammenseins zu verdanken ist. Und da sind wir wieder bei den Diashows! Dass sich Luisa so geschmeidig abgenabelt hat finde ich begrüßenswert.

  2. Beate sagt:

    vielleicht übertreibe ich, aber Namenswechsel kommt mir wie ein Stück Entwurzelung vor. Ich habe drei Namen und einen davon finde ich sehr viel schöner als meinen Rufnamen. Aber ich würde mich fortan nicht angesprochen fühlen, würde man mich „Maria“ rufen… passt irgendwie zu non-binär. Ist Sören inzwischen wieder gebunden?

  3. Ines sagt:

    Nein, Sören ist nicht gebunden. Ja, der Namenswechsel soll der neuen Identität Rechnung tragen.

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