21-08-18-CoTaBu-Reif für die Insel, ungebetener Rat + eine Sternschnuppe
Ich bin mehr als fällig. Heute habe ich den Fehler gemacht, die Situation „von außen“, was auf uns eindrängt, nach der Übergabe anzusprechen, auch den Alkoholkranken. Da schlug mir gewaltig Gegenwind entgegen. Was ich gut verstehe: Einige haben schon „solche Menschen“ gepflegt, sich von ihnen anspucken, beschimpfen, mit harten Gegenständen bewerfen lassen. Das ist nicht meine Perspektive und es ist wichtig, sie zu hören. Ich kann auch mit direktem Widerstand umgehen. Dann aber heftete sich eine jüngere, neuere Kollegin an meine Fersen, was mir leicht gegen den Strich ging. Ihre Mission kam bei mir als naseweiser, ungebetener Rat an. Sie zeigte auf, wie sie das macht mit dem Habitus, dass „man“ das so machen sollte: rausgehen, alles abprallen, abfallen lassen, schnipp mit dem Finger, sich freuen, dass das nicht meine Probleme sind, sondern die der anderen, nannte diese Haltung buddhistisch, während sie mir schon öfters ziemlich kalt auffiel und ich meinerseits heraushörte, dass sie – grünschnabelig – nicht die leiseste Ahnung hat, was und vor allem wie ich eigentlich tue, was ich tue und das nicht erst seit drei Tagen. Auch dass ich nicht Schicht arbeite und jemand genau da weitermacht, wo ich aufhöre. Was diese Einseitigkeit momentan bedeutet, da mir die Gruppen, das Spirituelle, der Ausgleich, das Hospizleben fehlt, was sonst meine Tage mit Abwechslung würzte – davon ganz zu schweigen. Morgen ist mein letzter Tag. Immerhin einen leibhaftigen Termin habe ich und zu guter Letzt meine klitzekleine literarische Frauenrunde. Dann mache ich sicher nicht „schnipp“, aber ich werde, wenn ich mir etwas Zeit gebe, Abstand gewinnen, wenn auch erfahrungsgemäß nicht innerhalb von Tagen. – Wieder wächst der Mond! Als ich kürzlich gegen Morgen zum Himmel blickte, sah ich eine dieser Sternschnuppen, die es zur Zeit in Fülle geben soll.
Den Rat dieser naseweisen jüngeren Kollegin hast Du grad gebraucht. Mir hat es die Haare aufgestellt, so eine impertinente Person, weiß nichts über Deine Arbeit und gibt Ratschläge, die die Welt nicht braucht. Fährst Du weg? Bleibst Du in München? Auf jedem Fall steht eine wohlverdiente Pause an!
Feinfühligkeit muss die junge Kollegin noch lernen. Schön, die Aussicht auf Urlaub. Ich hoffe, du kannst ihn nach deinen Vorstellungen nutzen.
Das soll eine buddhistische Haltung sein? Schnipp!
Ich wünsche dir dass sich der nötige Abstand zur Arbeit bald einstellt und du einen erholsamen Urlaub hast. Viele anstrengende und ungute Gespräche hattest du in den letzten Monaten, es wird wirklich Zeit für eine Pause.