21-09-04-CoTaBu- Leben in Büchern, heute teils in Bildern-noch ganz alive

Noch bleibt eine Woche, mir zu verzeihen, dass ich meinen Freiraum zu wenig nutze. Heute weiß ich gar nicht, was eigentlich war. Was mich tief befriedigen und versöhnen würde: ein Fensterputz- oder Räum-schub!! Freudiger Moment aber: Ich sortiere einen Stoß im Bücherschrank Neuhausen ein. Wie in einer Bildergeschichte spaziert augenblicklich ein Mann mit Günter Grass‘ „Beim Häuten der Zwiebel“ und einem anderen Buch unterm Arm davon. Mit Michael, ausnahmsweise, weil bei ihm gerade „Werkstatt“ ist, nochmal draußen Mittag gegessen. Später „Feuer der Seele“ rausgesucht, Tagebuchauszüge von Vincent an seinen Bruder Theo van Gogh; manches wiedererkannt, auch Passagen, die ich zuzeiten für Andachten ausgewählt habe. Es geht um Spirituelles; Armut; Liebe, Freundschaft. Sinn. (Ungebetenen) Rat. Es ist wie ein „Blog“. Tägliches Schreiben an den Bruder in permanentem Gedankenstrom, kein Ausholen, um sich großräumig zu erklären. Er betrachtet kontinuierlich sich, sein Leben, die Menschen. Sein Bruder, vier Jahre jünger, starb ein halbes Jahr nach ihm. Die verwitwete Schwägerin (woanders nachgelesen und heute Beate erzählt) hat im Grunde den aus ihm gemacht, den wir heute kennen und der zu Lebzeiten ein einziges Bild verkauft hat. Maßgeblich trugen die Briefe dazu bei, ihn lebendig zu halten wie seine Farben. Mich berührt, dass der berühmte Mandelzweig ein Geschenk zur Geburt seines kleinen Neffen war, der nach ihm genannt wurde! Unsterblich! Van Gogh alive zeigt, wie beredt Papier ist (so ein Innenleben haben meine Stapel übrigens auch für mich, sie lesen sich immer wieder anders und neu…). Ebenso wie Raubkunst („gestohlene Seele“) aus Nigeria, die leben soll, nicht in Museumskellern ehemaliger Kolonialherren verrotten. Das betrübt und beschämt mich: wie jahrzehntelang darüber „ver-handelt“ wird. – Momentan haben wir auch funkelnde Sternenhimmel (wie „Vincent“); der Abendstern blinkt bereits am frühen, pfirsichfarbenen Abendhimmel auf. – Schrecklicher Traum heute Nacht: Ich hab mich verlaufen.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Antworten

  1. Renate sagt:

    Als ich heute an dem Bücherschrank in Neuhausen vorbeigeradelt bin, habe ich geschaut ob ich dich sehe. Das die Brüder so kurz hintereinander starben zeigt die enge Verbindung, könnte ich mir vorstellen.

  2. Ines sagt:

    Das ist ja spannend, tägliche Briefe von van Gogh an seinen Bruder. Das würde mich auch interessieren. Mittags draußen essen und Zeit haben zum Lesen ist herrlich, wenn man frei hat. Ob dich Fenster putzen glücklicher macht, bezweifle ich. Der Räum-Schub kommt ja meist am Ende des Urlaubs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert