21-09-22-CoTaBu-Ein „neues Leben“- durchwirkt und durchwoben vom alten

Ich hatte nicht ermessen, was wir uns mit diesem Monat voll familiärer Ereignisse der Vergangenheit zumuten. Gestern habe ich alles nur noch wie verschleiert wahrgenommen. Abends kaputt, wie betäubt; nachts zwölf Stunden geschlafen, das hat ein wenig gebessert. Michael sagte, er sei froh, dass es mir auch so gehe. Nicht Euphorie, sondern – großes Wort – wie „retraumatisiert“(?). Als ich ins Hospiz kam wussten alle bescheid. Girlande und Herzchen in meinem Büro von Sonja. Blümchen von Agnes. Thomas kam nachmittags mit Blumen. Frühstückstisch, Kindersekt, Glückwunschkarte; ich hatte wohlweislich eine Ruffinitrüffeltorte dabei; wurde aber dort streng getadelt, ich hätte anrufen müssen. Immer wieder alles erzählen müssen, was auch schön war. Jetzt gratulieren auch Kolleginnen, vereinzelt, die gar nicht mehr im Haus sind. Ich freue mich ja, dass ich so interessant bin, Futter für Buschtrommeln abzugeben, aber bei uns weiß noch nicht mal der Freundeskreis bescheid. Erstaunlicherweise hat sich Michael schon weiter mitgeteilt als ich und bekommt Anrufe, weil es sich herumspricht. Er hat viel mehr Verwandtschaft als ich. Bine fragt, aber ich kann noch nicht erzählen. Hab es auch noch nicht fertig gebracht, Dodo einzuweihen. Ariane fragte per Whatapp, da habe ich bejaht. Birgitta bekam es gestern mit, weil sie im Hospiz hospitierte. Ich war klug genug, einen Kaffeeklatsch fürs WE abzulehnen. Das ist das entscheidende Statement. Dass ich jetzt nichts will, mir NICHTS vornehmen; nur eines: mit Michael langsam realisieren, wo wir stehen. Übermorgen Simons Geburtstag, dem Peters Todestag auf den Fuß folgt. Im Nachhinein verrückt, warum ich unbedingt diesen Monat wollte; Michael hat dem nichts entgegengesetzt, jetzt ist es so. Gelöst habe ich mich – so glaubte ich! – ein Stück weit von meiner Vergangenheit durchs Abschneiden des Zopfes. Und durch ein Ja zu einem „neuen Leben“. – Bei Michael: Blumenkranz, Blumen, Sekt von Beate. Wir wissen immer noch nicht, wie sie ins Haus gekommen ist!

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2 Antworten

  1. Renate sagt:

    Wie sollst du dich von der Vergangenheit lösen? Sie ist überall wo auch du bist. Mir wird gerade durch meine Enkel so manches vor Augen geführt, Schönes und Unschönes aus der Zeit mit meinen Kindern. Die Vergangenheit wirkt weiter. Für dich beginnt nun ein neuer September, der alte wird immer eine große Bedeutung haben.

  2. Ines sagt:

    Es hört sich für mich so an, dass die Heirat in eurer Beziehung ein neues Bewusstsein füreinander einläutet. Es gefällt mir, wenn du schreibst, dass du dir nichts vornehmen willst außer mit Michael eure neue Situation zu realisieren. Nichtsdestotrotz ist es schön, wenn du in der Arbeit gefeiert wirst und sich alle freuen.

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