Gendern und Ratschen
Heute habe ich bis am Nachmittag Texte redigiert, das einzig nervige war dabei das gendern. Mit + und*, vor allem Substantive im Genitiv , eine Herausforderung. Irgendwann rief ich Markus, der unsere Zeitung redigiert, an, um ihn zu fragen, wie er das aushält. Von ihm erfuhr ich, dass wir neuerdings nicht gendern sollen, Weisung von der Staatsregierung, also normale sprachliche Verbesserungen. Eine Erleichterung. Um halb fünf klappte ich den Laptop zu, um fünf Uhr standen die Penzberger Mädels vor der Tür. Zwei Schulfreundinnen und eine Nachbarin, die in der Nähe meines Elternhauses aufgewachsen ist. Wir treffen uns alle heiligen Zeiten und es ist jedes Mal lustig. Heute stellten wir fest, dass wir eigentlich im allerbesten Alter sind und jede hatte ihren Beitrag dazu. Ulrike ist sehr gut verheiratet, ihr Mann trägt sie auf Händen. Sie kam in schwarzer Lederhose, die ihr sehr gut steht, denn sie hat eine sehr schöne Figur. Überhaupt schaut sie sehr auf ihr Äußeres. Bald wird sie in Pension gehen, sie war in der Schulleitung einer Realschule. Sigrid ist alleinstehend wie ich, will keinen Mann an ihrer Seite, wie ich, hat eine Tochter, auch alleinstehend und eine Enkelin, die sie sehr liebt. Sigrid war unser Mathegenie damals, überhaupt blitzgescheit. Seit Kurzem ist sie in Pension. Jutta hat einen Mann, der seit vielen Jahren nach einem Schlaganfall schwer behindert ist. Wenn sie von ihrem Leben erzählt, schwingt eine Leichtigkeit mit, sie wirkt zufrieden mit ihrem Leben, und so war es schon damals, als wir jung waren und sie mit 13 Jahren ihre Mutter verloren hatte, sie beklagt sich nicht, was immer ihr auch widerfährt.Wir Penzberger Mädels, unterschiedlicher könnten wir nicht sein. Und dennoch sind die seltenen Treffen richtig schön
Sigi wollte auch Olympionikin werden, sie war sehr sportlich! -Dass Frauen keine Männer „wollen“ weiß ich nicht. Manche wollen einen und haben dennoch nie das Glück, andere wollen nicht und haben immer einen. Ich glaube, der Wille ist das letzte, was darüber entscheidet. – Ich habe kürzlich einen zu-Tode-gegenderten Text aus der Verwaltung des Krankenhauses der BB gelesen. So kann das nicht weitergehen! – Mit dem Wort blitzgescheit habe ich stets große Probleme. Es ärgert mich schon immer bei diesem Bücherfritzen, der „schlechte“ Bücher in den Müll hinter sich wirft, andere dagegen „blitzgescheit“ nennt. Wer sollte das aus welcher Warte beurteilen? Meine Freundin P. hat z.B. den ÜberIQ, kann also in allen messbaren Kategorien denken, kombinieren, sich was merken, ist aber kein bisschen „geistreich“. Manch einer hat Geist, „Spirit“, läge aber bei der Messung in der untersten Kategorie oder hat Einseitigkeit(en). Das habe ich bei angehörigen Kindern erlebt, die sogar lernbehindert waren. Geistvoll, tiefsinnig und differenziert.
„Geistreich“ ist in der Tat eine andere Kategorie als „blitzgescheit“. Da mag es Schnittmengen geben- bei Sigrid trifft Letzteres zu: sie analysiert, stellt Zusammenhänge haarscharf und nüchtern dar und interessiert sich für viele Themen, spricht nie Unsinn. Das beeindruckt mich schon, gerade weil sie obendrein sehr herzlich ist.